9. Woche - Monoceros R2, Sternassoziation und Molekülwolke

 -  Astrofoto der Woche
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Im Sternbild Einhorn (Monoceros) liegen einige Reflexionsnebel im Inneren der Region Monoceros R2 (Mon R2). Fachgruppenmitglied Frank Weidenbusch zeigt heute ein langbrennweitiges Bild, welches in LRGB die Farbigkeit dieser Gegend um NGC 2170 herausstreicht. Aufnahmedatum war der Zeitraum vom 8.11.21 - 7.12.21, Aufnahmeort war das Remote Observatory El Sauce in Chile (Betreiber „Deep Sky West“). Das Teleskop, ein PlaneWave 17 (Dall Kirkham Cassegrain), hat 432 mm Öffnung und 2939 mm Brennweite, also eine Apertur von f/6,8. Als CCD-Kamera kam eine FLI ML16803 zum Einsatz. Belichtungszeit: L 33 x 600 s, R 17 x 600 s, G 15 x 600 s, B 27 x 600 s. Die Bearbeitung erfolgte mit PixInsight. Bei einem Bildmaßstab von 0,6357"/px ergibt sich ein quadratisches Bildfeld von 40,3' Seitenlänge. Norden ist oben, Osten links.

Bitte jetzt das Originalbild herunterladen (siehe unten) und in die Details hineinzoomen. Der kleine rötliche NGC 2170 nahe dem Bildzentrum bei den Pixelkoordinaten (2165/1720) wird überwiegend als Reflexionsnebel bezeichnet. Im Nebelkatalog von Cederblad wird er auch als Ced 63 geführt, ebenso als DG 88 im Katalog von Dorschner und Gürtler. Der Lynds-Katalog spricht von einer HII-Region. Ist sich die Wissenschaft nicht einig? Was haben wir denn nun wirklich hier vorliegen?

Man sollte die Nebel als verschiedenfarbige Intensitätsspitzen einer zusammenhängenden größeren Staub- und Molekülwolke sehen. Je nachdem, welcher Stern oder welche Sternengruppe die Nebelmassen erleuchtet, ist auch die Farbe anders. Zentrum ist NGC 2170 mit der rötlichen Farbe. Woher stammt das rötlich Licht, welches ja nicht das typische Hα-Rot einer HII-Region aufweist, sondern einen deutlichen orange-gelblichen Farbstich. Dazu jetzt das Zusatzbild anschauen. Diese GIF-Animation zeigt den normalen Anblick gemäß Deep Sky Survey im Himmelsatlas Aladin, dazu im Wechsel mit einer überlagerten Infrarotaufnahme gemäß dem 2 Micron All Sky Survey (2MASS). Es fällt sofort auf, dass im Inneren von NGC 2170 eine Menge gelborange leuchtender Sterne steckt, die einem großen Sternhaufen ähneln. Das ist die Sternassoziation Ass Mon R2. Sie wird von den vorgelagerten Staubmassen verdeckt, bringt aber dennoch ihr gelboranges Licht in den Nebel ein. Viele dieser Sterne sind sehr junge Objekte, die nur in IR-Wellenlängen erkennbar werden. Im AdW selbst ist davon nicht das Geringste zu ahnen. Hier hat also Sternentstehung stattgefunden. Dabei bildeten sich auch massereichere Sterne, etwa blaue Hauptreihensterne der Spektraltypen A bis B. Sie sind es, die die blauen Reflexionsnebel erzeugen.

Zunächst ist rechts unterhalb von NGC 2170 bei (2493/1914) vdB 67 zu nennen, mit dem 10,4 mag hellen B1-Stern BD-06°1415. Links oberhalb bei (1745/936) steht vdB 68 mit dem 9,7 mag hellen B1.5-Stern BD-06°1417. Dann liegt noch vdB 69 links von NGC 2170 bei (1713/1696), darin der 9,6 mag helle B2.5-Stern BD-06°1418. Die vdB-Nebel umgeben sozusagen NGC 2170, wobei vdB 68 und vdB 69 eine faserförmige Struktur aufweisen. Unterhalb von vdB 69 liegt die Dunkelwolke Dobashi 4977, sie wirkt zerfleddert mit etlichen pechschwarzen Stellen, wo im sichtbaren Licht kein Stern durchscheint. Unterhalb von Dobashi 4977 schließt sich eine Zone an, die im typischen Hα-Rot leuchtet. Da die Rotfärbung in Richtung NGC 2170 intensiver wird, darf man dort auch die ionisierende Quelle vermuten. Studiert man die nähere Umgebung von NGC 2170 in der Datenbank Simbad, so fallen zwei B0-Sterne auf, die in Frage kämen. Allerdings sind sie nur im Infraroten nachzuweisen.

Wie weit ist der Molekülwolkenkomplex entfernt? J.M. Carpenter (Astronom. J. 120, 3139-3161, 2000) folgert aus IR-Messungen 830 pc (~2700 Lj). Vergleichen wir nun einmal mit Gaia-Daten. Für die Zentralsterne der drei blauen Reflexionsnebel (die sicherlich zum Nebelkomplex gehören) ergibt sich eine mittlere Parallaxe von 1,1893 Millibogensekunden. Das entspricht 2740 Lichtjahren und bestätigt die vorgenannte IR-Messung. Der helle blaue Stern in der rechten oberen Bildecke (HD 41794) gehört nicht zum Nebelkomplex. Er steht rund 11-mal näher.

Anmerkung: Mit dem vorliegenden AdW hat Frank Weidenbusch eine Superleistung erbracht. Die Gesamtbelichtungszeit von 15 h 20 min wirkt auf den ersten Blick recht hoch. Relativierend muss man aber sagen: Das ist angemessen und entspricht 5 h 18 min bei f/4 – passend für dieses Motiv. Die Auflösung ist recht ordentlich: Doppelsterne mit 3,5'' Distanz zeigen einen noch deutlichen Zwischenraum, so dass ich ein maximales Auflösungsvermögen von etwa 1,7'' abschätze.

Frank, vielen herzlichen Dank für dieses feine Bild. Und das AdW-Team gratuliert herzlich zum Astrofoto der Woche.

 

Peter Riepe
Bildautor: Frank Weidenbusch

 

Koordinaten von NGC 2170 (J2000.0):
RA = 06 h 07 min 48 s, DE = -06° 23' 06"

 

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