Astroshop Beobachtungsbuch für Sterngucker

 -  Buchbesprechung / Allgemein

Als ich im April 1977 mein erstes Teleskop geschenkt bekam und begann, den gestirnten Himmel zu erkunden, habe ich viele meiner Beobachtungen skizziert und beschrieben. Von losen Blättern im DIN-A5 Spiralhefter bis hin zu derzeit einer Textdatei ohne Skizzen. Umstände, Erlebnisse, Besonderheiten, Erfahrungen und Konklusionen wurden so festgehalten und stellen eine Bibliothek auch zum Nachschlagen dar. Denn mit der Zeit gehen doch so manche wissenswerte Informationen verloren.

 

Das proklamierte Ziel des Buches


“... können Sie Ihre astronomischen Beobachtungen jetzt auf 170 Vorlagen notieren, skizzieren und jederzeit nachvollziehen. Verständliche und kurze Astrotipps verleihen Ihnen einen Wissensschatz über den Sternenhimmel. Ihr persönlicher Begleiter für jede klare Beobachtungsnacht.“

 

Systematik und Inhalt


Das Buch hat 200 Seiten im Hardcover mit Fadenheftung, DIN-A5 Hochformat 21,0cm×14,8cm mit farbigen Abbildungen.
Der Inhalt besteht im Wesentlichen aus den zweiseitigen Protokollvorlagen, aufgelockert durch 15 doppelseitige Themenseiten, wie z.B.:

  • 7 Tipps für die nächste Beobachtungsnacht
  • Was sieht man mit welchem Teleskop
  • Übersicht der Himmelsobjekte
  • Der Messierkatalog (mit schwarz-weiß Bildern)
  • Eine Wanderung durch die Mondberge
  • Das Sommerdreieck
  • Eine Reise zu Schwester Andromeda

 

Zu den Themenseiten


Die Themenseiten sind kurz und knapp gehalten und richten sich besonders an Einsteiger, können aber auch für erfahrene Beobachter quasi als Appetitanreger dienen. Inhaltlich sind sie nicht sehr umfangreich, bei ca. 1,4 Zeilen Abstand und oft großen Bildern. Man hätte da mehr Informationen geben können. Auch etwas irreführend können m.E. einige Überschriften sein:  Z.B. „Eine Wanderung durch die Mondberge“ - ich erwartete da die Beschreibung zumindest der markantesten Bergformationen, doch wurden hier drei verschiedene Objektbeispiele gebracht: Montes Alpes als einziges Gebirge, Hyginusrille und das Kraterdreigestirn Theophyllus, Cyrillus und Catharina.
Die „sportliche“ Herausforderung eines Messier-Marathons wird vorgestellt und eine Liste der Objekte zum abhaken. Hier wäre die Reihenfolge der Objekte anhand der Sichtbarkeit während einer Märznacht sinnvoll gewesen. Dafür wird immerhin verwiesen auf eine entsprechend sortierte Objektliste im Internet zum Download.

 

Zu den Protokollseiten


Die 170 Seiten („Vorlagen“) zur Protokollierung der Beobachtungsumstände und Skizzierung von Objekten werden auf jeweils zwei Seiten aufgeteilt und ergeben somit nur 85 Beobachtungen, bzw. Objekte. Jeweils die linke Seite befasst sich mit den Daten der Nacht (Datum/Zeit, Standort, Wetter, Temperatur, Seeingskala und Bortleskala/mag Einschätzung, sowie eine Objektkurzbeschreibung (Typ, Nummer, Sternbild).

Aufgrund einiger vorgegebener Ankreuzmöglichkeiten geht etwas Platz für Notizen verloren. Auch hätte man statt „Wetter“ zusätzlich etwas differenzierter in Bewölkungsgrad, Durchsicht oder Transparenz bewerten können. Sollten diese Parameter in einer Nacht weitgehend konstant sein, ist diese Wiederholung für jede Skizze eher umständlich.

Zu Beginn hatte ich mit einigen Objekttyp-Abkürzungen meine Schwierigkeit, doch findet sich auf S. 38 ihre Erklärung. Diese Einführungsseite an den Anfang des Buchs zu platzieren, wäre sinnvoller gewesen. Warum die Autoren Ankreuzmöglichkeiten für Objekte anbieten anstelle ein Freifeld für das eigene Kürzel erschließt sich mir nicht. Zumal Objekttypen wie Planeten oder Kometen zum ankreuzen fehlen.

Die rechte Seite bleibt den Zeichnungen vorbehalten. Hierbei stehen jeweils ein Hauptkreis und ein kleines Areal „Orientierung“ genannt mit Angaben zum Instrument und Vergrößerung, Okular und Filter zur Verfügung.

Als Nachteilig würde ich allerdings die gegen Ende des Buchs nachlassende Planlage der rechten Skizzenseite ansehen. Man muss stets dafür sorgen, dass sie möglichst plan liegt. Auch vermute ich, ist das für Linkshänder nicht so geeignet, wie für Rechtshänder. Am Anfang mag auch die Dicke des Buchs etwas beim Zeichnen hinderlich sein. Ein Einzelblatt auf einem Klemmbrett ist da m.E. geeigneter. Vielleicht ist das Buch aber auch als eine Art Reinschrift gedacht, bei der der Beobachter seine Einzelblattskizzen der Nacht sauber überträgt.

Wenn ich einmal meinen eigenen Durchschnitt von zwei Beobachtungsnächten pro Monat annähme und hierbei jeweils drei Objekte konzentriert beobachten und skizzieren würde, käme ich auf 2 x 12 x 3 =  72 Doppelseiten pro Jahr. Also fast das gesamte Buch.

 

Layout und Bildmaterial


Das Layout ist aufgrund des Zwecks spartanisch. Wie zuvor erwähnt, könnte man die Aufteilung anders gestalten. Das Papier ist gut geeignet für Bleistiftskizzen, aber es besteht die Gefahr des Verwischens. Die 15 Themenseiten haben überwiegend farbige Abbildungen oder bestehen aus einfachen Übersichtskarten mit teilweise farbigen Linien. Die Abbildungen der Messierobjekte sind schwarz-weiß, klein und dadurch „state of the art“ bezüglich der Detailschärfe. Allerdings eignen sie sich durchaus für den visuell orientierten Einsatzzweck des Buchs, da einige Objekte so fast wirken wie in sehr großen Amateurteleskope sichtbar.

 

Resümee


Grundsätzlich ist es sehr empfehlenswert, Beobachtungen und Daten zu erheben: Entweder zur Auswertung oder zum Nachschlagen, will man etwas vergleichen oder erinnern. Das Konzept dieses Buchs ist neu und empfehlenswert für (angehende) Beobachter, Systematik in die Beobachtungen einfließen zu lassen. Strukturell könnte ich mir jedoch ein paar Verbesserungen vorstellen.

 

Marcus Schenk, Stefan Taube, Bernd Gährken: Astroshop Beobachtungsbuch für Sterngucker, 1. Auflage 2021, nimax GmbH, Landsberg am Lech, 12,90 EUR
https://www.astroshop.de/beobachtung/astroshop-beobachtungsbuch-fuer-sterngucker/p,71914

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