38. KW - Das Kreuz des Südens mit dem „Kohlensack“

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das Kreuz des Südens war für die Seefahrer früherer Zeiten stets eine Orientierungshilfe. Unser heutiges AdW zeigt dieses markante Sternbild und dazu den benachbarten Kohlensack. Dabei ist das Bildfeld mit 13,2° x 10,5° sehr weitwinkelig. Rolf Dietrich gelang diese Aufnahme in Namibia auf der Farm Kiripotib. Er verwendete ein Mamyia-Objektiv A Macro von 120 mm Brennweite und Blende 4. Kamera war eine ATIK16200. Belichtet wurde 6 x 10 min durch einen Hα-Filter von 3,5 nm Halbwertbreite, dazu je 4 x 6 min mit RGB-Filterung. Die Bildbearbeitung erfolgte mit Photoshop, PixInsight und Fitswork. Zur „Entsternung“ wurde Straton verwendet (Beschreibung von Frank Sackenheim im technischen Kommentar).

Zunächst die Sterne im Kreuz des Südens (lat.: Crux). Der Hauptstern Alpha Crucis bildet den Fußpunkt des Kreuzes. Die beiden Komponenten des engen Doppelsterns haben den Spektraltyp B0 und B1 und sind 1,3 mag bzw. 1,6 mag hell. Alpha Crucis kann seine nähere Umgebung zur Hα-Emission anregen. Beta Crucis an der linken Seite des Kreuzes hat den Spektraltyp B1 und ist 1,25 mag hell. Oben an der Spitze des Kreuzes sitzt der orange leuchtende Gamma Crucis mit 1,64 mag und Spektraltyp M3,5. Schließlich liegt Delta Crucis an der rechten Seite des Kreuzes. Der B2-Stern hat 2,75 mag.

Der Kohlensack fällt dem Betrachter mit bloßem Auge als pechschwarze Dunkelwolke auf. Dabei ist sie gar nicht einheitlich. Das AdW zeigt, was noch an Strukturen enthalten ist. Dazu zählen auch einige kleine HII-Regionen. Im nördlichen Teil des Kohlensacks, etwa 1,9° südlich von Beta Crucis, liegt ein heller Emissionsnebel von nur 3' Durchmesser. Seine Katalogbezeichnung lautet GAL 302.80+01.31. Darin sitzt der 10,8 mag helle OB-Stern HD 311999. Er ist der hellste Stern eines in den Nebel eingebetteten Sternhaufens, der allerdings nur auf langbrennweitigen Aufnahmen sichtbar wird. Östlich des Kohlensacks befindet sich eine Kette weiterer kleiner HII-Regionen, benannt Gum 48a-d nach ihrem Entdecker Colin Gum.

Auch Sternhaufen sind im Gebiet des südlichen Kreuzes vorhanden. Der bekannteste dürfte NGC 4755 sein, Herschel's Jewel Box oder kurz Kappa Crucis. Er befindet sich 1' südöstlich von Beta Crucis.

Ein kurzer Hinweis: tiefgefilterte Hα-Aufnahmen zeigen nicht nur reines Hα-Licht, sondern auch das rote Kontinuum der Milchstraße und des Staubanteils. Und die Region des Kohlensacks ist voll von Staub! Insbesondere wird auch der galaktische Zirrus (Staubwolken in der Milchstraße) durch Hα-Filterungen gut erfasst. Wenn das AdW hier eine überwältigende Fülle roter Nebel zeigt, dann müssen das nicht unbedingt neue HII-Regionen sein. Die Klärung dieser Frage ist nicht trivial.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe
 

Das heutige AdW ist ein besonderer Leckerbissen, da es sich um eine Aufnahme mit Seltenheitswert handelt. Während man den Kohlensack sehr häufig als Motiv auf Astrofotografien sieht, findet man doch selten Aufnahmen, die dieses Objekt mit seinen umgebenden Nebeln zeigen. Der gute Namibische Himmel und eine lange Belichtung mit einem engbandigen Hα-Filter brachten dieses Ergebnis zustande. Ich möchte im folgenden etwas genauer auf die Bildbearbeitung eingehen. Zwar ist es nicht möglich genau zu reproduzieren welche Schritte ein Bildautor bei einem solchen Astrofoto gemacht hat, aber aus eigener Erfahrung kann man ja hier und da Rückschlüsse ziehen. So schreibt uns Rolf Dietrich, dass die Hα-Aufnahme mit der Software Straton entsternt wurde. Was ist damit gemeint? Straton ist eine Software, die ausschließlich programmiert wurde, um Sterne aus Aufnahmen zu entfernen, die mit Schmalbandfiltern gewonnen wurden. Die Motivation des Autors der Software war es, diesen Schritt mit möglichst wenig Aufwand zu erledigen. Hintergrund ist der, dass der finnische Astrofotograf Jukka-Pekka Metsavaino vor einigen Jahren eine Methode publiziert hat, die er selbst Tonemapping nennt (ich habe darüber schon einmal in einem AdW geschrieben, eigentlich ist Tonemapping kein Eigenname, sondern beschreibt lediglich die Zuordnung der Filter zu bestimmten Farben). Dabei werden die Sterne mit dem Adobe Photoshop Filter „Staub und Kratzer“ entfernt. Bei dieser Methode bleiben allerdings immer Sternartefakte übrig, meist sind es die großen Halos der Sterne. Letztere müssen dann aufwändig mit dem Kopierstempel entfernt werden, da sie sich ansonsten als unschöne Artefakte im fertigen Bild zeigen. Dieser letzte Arbeitsschritt ist sehr mühsam und erfordert extrem viel Geduld und Zeit. Straton wurde eigens dafür entwickelt, diese Arbeit in einem Schritt zu vollziehen. Die Software kostet nicht viel, und jeder interessierte Astrofotograf kann diese einmal ausprobieren. Ich persönlich bevorzuge die Adobe Photoshop Methode weiterhin. Die entsternte Hα-Aufnahme wurde dann in die mit RGB-Filtern gewonnene Aufnahme eingeblendet, und zwar als rot eingefärbte Ebene. Ebenfalls eine gängige Technik, über die hier schon geschrieben wurde. Das führt dann im Endeffekt zu einer kontrastreichen Darstellung der Hα-Filamente im dichten Getümmel der Milchstraße. Kontrastreich nicht nur im Sinne eines Hell/Dunkel-Kontrastes, sondern auch im Sinne eines Kontrastes durch die gewählten Farben. Die rote Farbe erscheint hier im Bild richtig feurig, glühend, was natürlich zu einem besonders schönen Effekt führt. Das gibt dem Bild eine gewisse mystische Note.

Wir gratulieren Rolf Dietrich zu dieser Aufnahme und natürlich zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim


Koordinaten von NGC 4755 (J2000.0):
RA = 12 h 53 min 49 s, DE = -60° 22´ 34´´

Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

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