46. Woche - Reflexionsnebel in den Scherensternen des Skorpions

 -  Astrofoto der Woche  - 

Mit dem heutigen AdW zeigen wir ein Himmelsgebiet, das selten von Astrofotografen als Ziel gewählt wird. Wer kennt schon den Stern π Scorpii (Pi im Skorpion)? Das Bildfeld von 143´ x 95´ zeigt Norden auf etwa 13 Uhr. Bildautor Endriko Siegismund nahm am 14.05.2018 diese Szenerie in Namibia auf, während eines Astrourlaubs auf der Farm Tivoli. Die Optik (sein „Arbeitspferd“) war ein Apochromat 107 mm/700 mm (APM) mit Riccardi-Reducer bei einer Brennweite von 525 mm. Kamera war eine gekühlte, modifizierte Canon 60d. Belichtet wurde 36 x 420 s bei ISO 500.

Für die Interessierten jetzt etwas zu den Aufnahmeobjekten: Hauptstern in diesem Feld ist der Bedeckungsveränderliche π Scorpii vom Beta-Lyrae-Typ. Er steht im linken oberen Bildviertel. Seine visuelle Helligkeit beträgt von 2,9 mag bei einem Farbindex B-V = -0,20 mag (knallblau). Die beiden Komponenten haben den Spektraltyp B1 und B2, sind also so eben in der Lage, den Wasserstoff ihres Umfeldes zu ionisieren. Und so ist der schwach rot leuchtende Nebel als Sharpless-Nebel katalogisiert, genauer als Sh2-1. Das Aufnahmefeld ist aber auch von hellen Reflexionsnebeln durchzogen, die aufgrund der vielen jungen Sterne eine überwiegend blaue Farbe aufweisen. Am markantesten ist DG 129 aus dem Katalog von Dorschner & Gürtler 1963. Diese deutschen Astronomen untersuchten Reflexionsnebel aus dem Palomar Sky Survey und legten einen Katalog an. Ehrlich: Schon einmal gehört? Südlich von π Scorpii liegt LBN 1094, ein Reflexionsnebel aus dem Lynds-Katalog. Rechts in der Bildmitte liegt der B2-Stern 2 Scorpii, er beleuchtet den direkt südlich anschließenden Cederblad 125b. Und Cederblad 125a ist der am unteren rechten Bildrand befindliche Reflexionsnebel um den B1,5-Stern 1 Scorpii. Dieser Nebel schwingt sich im Bogen zu DG 219.

Etwas Grundsätzliches. Die hellen Sterne im Skorpion gehören einem ausgedehnten Sternenring in der Milchstraße an, der als „Gould Belt“ bekannt ist. Der Name geht zurück auf B. Gould, der 1879 diesen riesigen Sternenring entdeckte. Der Ring von etwa 3000 Lj Durchmesser verläuft im Gebiet Cepheus über Perseus, Orion, Canis Major, Puppis, Vela, Carina, Crux Centaurus und Lupus zum Skorpion. Er besteht zum Großteil aus heißen jungen OB-Sternen, die mir bei meinen Namibia-Aufenthalten stets als breiter Sternengürtel ins Auge sprangen. Wahrscheinlich stellt er denjenigen Spiralarm dar, dem auch die Sonne angehört. Sie ist nur 325 Lj vom Zentrum des Gould Belt entfernt.

Insgesamt ist der Scherenbereich des Skorpions von einem HII-Ring eingefasst. Dies sieht man am besten auf unserem Zusatzbild (hier klicken). Dies ist ein Ausschnitt aus dem H-alpha Sky (siehe https://www.classe.cornell.edu/~seb/celestia/billboard.html#7.2.2), der jedoch leider spiehelverkehrt ist. Was sieht man? Parallel zur unteren Bildkante zieht sich auf einem Viertel der Bildhöhe die galaktische Ebene mit der höchsten Dichte an HII-Regionen. Der Nordpfeil ist eingezeichnet. Rechts daneben zur Orientierung liegt die riesige, helle HII-Region um Zeta Ophiuchi. Davon weiter rechts ist eine HII-Blase zu sehen. Sie umgibt die Scherensterne des Skorpions. Weiter nach unten dann das Zentrum des Skorpions mit dem ebenfalls ausgedehnten HII-Gebiet um den Stern Tau Scorpii. Der Bezug zum heutigen AdW: Sh2-1 ist Teil des HII-Ringes um die Scherensterne.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

 

Das heutige AdW ist aus mehrfacher Sicht recht interessant. Zum einen ist es die Objektwahl, die das Bild interessant macht. Die nebelige Gegend um π Scorpii ist zwar nicht gänzlich unbekannt, jedoch wird sie selten fotografiert. Vielleicht liegt es daran, dass die Nebel in prominenter Nachbarschaft zu der farbenfrohen Region um Rho Ophiuchi liegen, die den zarten Reflexionsnebeln die Show stehlen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass diese Nebel aus unseren Breiten schlichtweg schwer zu fotografieren sind. Endriko Siegismund nutzte die Gelegenheit im Mai diesen Jahres auf der recht bekannten Astrofarm Tivoli in Namibia. Dort herrschen in Mai allerbeste Bedingungen, da der Skorpion durch den Zenit geht und die ganze Nacht sichtbar ist.

Als Kamera diente eine gekühlte Canon EOS 60D. Findige Bastler haben selber Lösungen entwickelt, um eine kommerzielle DSLR mit Peltierelementen zur Kühlung zu versehen. Die koreanische Firma CentralDS bietet allerdings auch eine käufliche Lösung einer gekühlten Canon EOS60Da an. Um welche Variante es sich nun hier handelt, ist uns nicht bekannt. Als Optik kam der Apochromat 107/700 von APM zum Einsatz, der mit einem Reducer der Optikschmiede Riccardi ausgestattet war, der die Brennweite auf 525 mm reduziert und das Bildfeld für das gängige APS-C Format ebnet. Diese Teleskop-Reducer-Kombination ist sehr wuchtig und solide verarbeitet. Die technischen Daten bieten einen Vergleich zum sehr bekannten Takahashi FSQ 106ED an. Dieser ist zwar kompakter und von der optischen Abbildung her etwas besser als die hier verwendetet Kombination, jedoch auch wesentlich temperatur- und justageanfälliger und zudem deutlich teurer.

Das Bild ist ausgezeichnet. Die Bearbeitung ist durch die vielen hellen Sterne nicht trivial. Die Farben sind sehr gut getroffen und die Farbdifferenzierung ausgezeichnet. Am Linken unteren Rand fällt ein Gradient auf, den man evtl. einfach hätte beschneiden können. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es in diesem Feld sehr schwer ist einen geeigneten Hintergrund für ein Gradientenmodell zu finden. Wer sich selber einmal an dem Objekt versuchen will, sollte auch eine rein Hα-gefilterte Aufnahme in Betracht ziehen. So kann man den Emissionsnebel Sh2-1 deutlich von den Reflexionsnebeln separieren und im fertigen Farbbild eine bessere Balance zwischen roten Emissionsnebeln und blauen Reflexionsnebeln erlangen. Dafür sind natürlich monochrome CCD- oder CMOS-Kameras besser geeignet.

Wir gratulieren Endriko Siegismund zu der sehr schönen Aufnahme.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

 

Koordinaten der Bildmitte (J2000):

RA = 15 h 55 min 12 s, DE = -25° 46´ 44´´

Sie haben Fragen? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

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