8. Woche - Der Planetarische Nebel Abell 84

 -  Astrofoto der Woche  - 

Nach einer Vorläuferversion von 1955 hat George Abell 1966 seinen endgültigen Katalog alter Planetarischer Nebel veröffentlicht. Darin listet er das Objekt Nr. 84 mit 147" x 114" auf. Als Entfernung gibt Abell 643 pc an (2100 Lj). Das AdW zeigt diesen lichtschwachen PN zusammen mit dem 7,5 mag hellen, blauen B5-Stern HD 223152 im südwestlichen Teil des Sternbildes Cassiopeia. Die Größe des Bildfeldes beträgt 47,4' x 31,6' bei astronomischer Orientierung (d.h. Norden oben, Osten links). Die Abell´sche Ausdehnungsangabe wird durch das AdW voll bestätigt. Was aber die Entfernung betrifft, so werden heute von den Astronomen deutlich größere Werte angenommen. In einer Arbeit von Cahn et al. aus dem Jahre 1992 ist von 1560 pc (ca. 5000 Lj) die Rede. Das Problem der Entfernungsbestimmung ist bei Planetarischen Nebeln stets mit sehr großen Schwankungen von Autor zu Autor verbunden, weil die Messmethoden auf sehr unterschiedlichen Voraussetzungen basieren und in der Regel den Zentralstern als Bezug haben. Der wiederum wird vielfach durch vorgelagerte oder gar umgebende interstellare Materie gerötet, was zu veränderten Messdaten führt.

Sehr schön zeigt das AdW, dass der PN im H-Licht etwa gleich hell wie im [OIII]-Licht erscheint. Die rote Färbung ist von der Intensität her nämlich mit der blaugrünen vergleichbar. Um hier schon ein wenig zum technischen Kommentar beizutragen: Solche Farbabschätzungen sind aber nur bei (L)RGB-Aufnahmen wie beim aktuellen AdW einigermaßen verlässlich, denn man muss dazu von einer ordentlichen Farbkalibrierung anhand der Sterne und von einem genügenden Überschneiden der breitbandigen Filterbereiche ausgehen. Aufnahmen mit engbandigen Interferenzfiltern lassen Angaben über Farbverhältnisse in Nebeln nicht zu, weil bei Falschfarbenaufnahmen in der Regel keine Farbkalibrierung vorgenommen wird. Außerdem weiß man auch nicht immer, wie ein Autor in einem solchen Bild die Farbkanäle relativ zueinander wichtet. Auf diesen technischen Gesichtspunkt wird im Falle der engbandigen Filterung meistens nicht eingegangen, weil überwiegend der persönliche Geschmack für die Gestaltung die entscheidende Rolle spielt. Zur Darstellung der Nebelgestalt ist das natürlich völlig legitim - man sollte sich dessen nur bewusst sein. Was dagegen in einer farbkalibrierten und breitbandig gefilterten Aufnahme wie dieser hier außer der „echten“ Nebelfarbe noch sehr schön hervortritt, ist der Zentralstern des PNs. Er kommt, wenn man das Bild herunterlädt und hineinzoomt, recht blau zum Vorschein. Dies passt sehr gut zu den fotometrischen Werten: B = 18,37 mag, V = 18,58 mag, d.h. B-V = -0,21 mag, was ja in der Tat ein sattes Blau bedeutet. An dieser Stelle darf auch einmal gesagt werden: Der Astrofotograf versteht unter einem "Planetarischen Nebel" immer den Nebel selbst - mit Recht. Berufsastronomen wie z.B. die Betreiber der Datenbank SIMBAD setzen mit dem Begriff PN aber gern den Zentralstern gleich, weil er das wesentliche astrophysikalische Kernstück bildet und der Nebel lediglich eine Folge der Sternentwicklung ist.

Der PN selbst weist in seinem Südwestbereich schwache Strukturierungen auf, die auf Staub zurückgehen. Auch der Amateur kann in seinen Aufnahmen diese schwachen Staubauswürfe nachweisen. Deswegen sei jetzt ein kleiner technischer Hinweis erlaubt: Bei solchen schwachen Strukturen sorgt eine zu starke Glättung des natürlichen Hintergrundrauschens für eine Herabsetzung der Erkennbarkeit, weil Kanten im Glättungsprozess „eingeebnet“ werden. Ein zu starkes Entrauschen - meist nur aus eigenem ästhetischen Empfinden heraus angewendet - bewirkt auch eine herabgesetzte Sterngrenzhelligkeit. Hier ist davon aber noch nichts zu merken, immerhin werden visuelle Magnituden bis knapp jenseits von 22,5 mag erreicht.

Wir freuen uns, wieder einmal ein AdW von Schweizer Astrofotografen vorstellen zu dürfen. Bernhard Blank und Dragan Vogel haben dieses wunderbare Motiv eingereicht. Die Aufnahmen dazu entstanden zwischen dem 1. bis 12. September 2016 in Ottenleuenbad/Guggisberg in den Berner Voralpen. Dort befinden sich zwei Remote-Sternwarten, und an einer davon führen die beiden Bildautoren ihre Beobachtungen durch. Als Aufnahmeoptik wurde ein Takahashi Mewlon 250 eingesetzt, mit 250 mm Öffnung und 2500 mm Brennweite. CCD-Kamera war eine SBIG STL-11000. Belichtet wurde für die Luminanz 9 x 30 min ohne Binning bei -20°C, dazu für RGB je 8 x 30 min bei zweifachem Binning und gleicher Temperatur. Insgesamt kamen so 16,5 Stunden an Gesamtbelichtungszeit zustande. Aufnahmesoftware: MaxIm DL, Focusmax, SitechII-Steuerung der Montierung, Ascom-Treiber für Homedome-Kuppel; die gesamte Software wird wiederum durch die ACP-Software gesteuert. Bearbeitet wurde das Bild ausschließlich in PixInsight. Die Autoren merken an: "Diese Software erlernen wir gerade. Es ist dies unsere erste Einsendung; das Bild haben wir noch in kein Forum gepostet." Dafür sagen wir herzlichen Dank. Wir begrüßen die beiden herzlich als neue Mitglieder des AdW-Kreises und freuen uns mit ihnen über ein so gelungenes Resultat.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Dieses AdW wartet mit einem ungewöhnlichen Beugungsbild auf, sechs Strahlen um jeden hellen Stern als Hinweis auf eine dreibeinige Fangspiegelhalterung. In Zeiten chemischer Filmemulsionen waren die Celestron Schmidtkameras beliebt und viele der besten Kometenfotos wurden damit geschossen. Auch diese Optiken hatten eine dreibeinige Fangspiegelspinne, jedes Bein um 120° versetzt ergab dann so einen sechsarmigen Beugungsstern. Der von Bernhard Blank und Dragan Vogel genutzte Takahashi Mewlon 250 besitzt ebenso eine solche Fangspiegelhalterung, heute eine Seltenheit.

Von einem dunklen Platz in der Schweiz, etwa 1100 m hoch im Berner Mittelland gelegen, belichteten die beiden Bildautoren den südlich der Milchstraße stehenden Abell 84. Herausgekommen ist ein wunderbares Bild, farblich brillant, sehr gut aufgelöst, so dass auch noch die vielen Galaxien zwischen den Sternen das Aufsuchen und Betrachten lohnen. Die Glättung des Himmelshintergrunds ist weit ausgereizt worden, uns gefällt das bis genau zu diesem Punkt – solche Angaben sind aber immer Geschmackssache.

Wer das AdW in einer etwas abgedunkelten Umgebung betrachtet, wird im Hintergrund fein verteilt weißgraue „Nebelschwaden“ erkennen. Bei Blende 10 mit einer Gesamtbelichtungszeit von 16,5 Stunden und jeweils 30 minütigen Einzelbelichtungen aufgenommen, scheint sich da bereits galaktischer Zirrus anzudeuten. Sicher bekannt sind uns diese Schwaden erst etwas weiter südlich stehend in Richtung der Galaxie M 31 – hier im Feld sind sie eine tolle Dreingabe bei einem ansonsten erstklassigen Bildergebnis.

Kommentar zum Bild: Dr. Stefan Binnewies und Frank Sackenheim

Koordinaten (J2000.0):

RA = 23 h 47 min 44 s, DE = +51° 23' 57"

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