42. Woche - Nebel in der Molekülwolke Monoceros R2

 -  Astrofoto der Woche  - 

Verlängert man die Kette der drei Orion-Gürtelsterne etwa um das Dreifache nach Südosten, so gelangt man in den Westteil des Sternbildes Monoceros (Einhorn). Dort befindet sich Mon R2, ein Komplex ausgedehnter Molekülwolken, der nach Lombardi et al. (2011) etwa 2950 Lj entfernt ist. In diesem Komplex sitzt auf gleicher Deklinationshöhe wie M 42 ein kaum beachtetes Gebiet mit zahlreichen zusammenhängenden Nebeln. Das aktuelle AdW (Norden oben, Osten links) weist ein Bildfeld von 2,2° x 1,7° auf. Bei den Pixelkoordinaten (1038/815) ist der helle Reflexionsnebel vdB 67 in weißbläulicher Färbung zu sehen, darin der 10,4 mag helle Stern BD-06°1415. Der nächste bläuliche Reflexionsnebel, vdB 69 mit dem 9,6 mag hellen Stern BD-06°1418, liegt bei (897/782). Schließlich ist noch vdB 68 zu erwähnen. Ihn finden wir bei (898/647), zusammen mit seinem beleuchtenden Stern BD-06°1417 mit 9,7 mag. Hier erkennt man – noch deutlicher als in vdB 69 – bläuliche und rötliche Nebelsträhnen. Offensichtlich liegt hier wie im Orionnebel M 42 eine Mischung von Reflexions- und Emissionsanteilen vor. Zwischen vdB 67 und vdB 69 liegt NGC 2170, ein ziemlich rötlicher Nebel. Für ihn gelten die Objektkoordinaten. In seinem Gebiet wurde bei Infrarot-Untersuchungen 1997 ein massiver, junger Sternhaufen gefunden – in der Materie verborgen. Im Aladin-Himmelsatlas ist er unter der Ansicht 2MASS sehr schön zu sehen. Unterhalb der drei vdB-Nebel bemerkt man die bizarre Wolke Dobashi 4977 aus dunkler, absorbierender Materie. Nach Osten weist diese Dunkelwolke auf NGC 2182, einen weiteren blauen Reflexionsnebel bei (537/758). Der Zentralstern HD 42261 hat 9,3 mag. Noch weiter nach Osten, fast schon am Bildrand, ist ein gemischter Nebel aus Reflexions-, Emissions- und dunklen Anteilen sichtbar (u.a. mit der kleinen HII-Region NGC 2183), in dem auch Herbig-Haro-Objekte und eine Fülle von jungen stellaren Objekten steckt. Bei langer Belichtungszeit offenbart sich insgesamt eine unglaubliche Pracht. Insbesondere schließt sich südlich der Dunkelwolke Dobashi 4977 ein ausgedehntes, rot leuchtendes H II-Gebiet an. Die Quelle der Ionisation ist nicht unmittelbar einzusehen.

Das heutige AdW stammt von Fachgruppenmitglied Michael Deger. Im Januar 2017 setzte er sein  Newton-Teleskop zusammen mit einer CCD-Kamera SBIG ST-8300M ein. Der Newton hat 4,5 Zoll Öffnung und ein Öffnungsverhältnis 1:3,8. Alles befindet sich auf einer Montierung des Typs 10Micron GM 1000 HPS. Gefiltert wurde mit dem LRGB-Filtersatz von Baader. Belichtet wurde 48 x 10 min (L) und jeweils 12 x 10 min (RGB), d.h. eine Gesamtbelichtungszeit von 14 Stunden. Aber als Mitglied der TBG-Gruppe (tief belichtete Galaxien) ist der Bildautor solch lange Zeiten gewohnt ...

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

 

Michael Deger ist seit Jahren eine feste Instanz in der deutschsprachigen Astrofotografieszene. Auch beim AdW sehen wir regelmäßig Bilder von ihm. Michael Deger fotografiert von seiner Gartensternwarte aus, die im oberbayerischen Erdweg liegt. Die kleine Gemeinde liegt nordwestlich von Dachau, zwischen München und Augsburg. Der Himmel dort dürfte für deutsche Verhältnisse durchschnittlich gut sein. Verschiedene Teleskope und Kameras beherbergt die Sternwarte, das heutige AdW wurde mit einem 4,5-zölligen Newton-Teleskop bei 440 mm Brennweite gemacht. Michael Deger bezeichnet dieses Teleskop auf seiner Homepage als Astrograf. Ein Astrograf ist ein Teleskop, welches hauptsächlich oder ausschließlich zur Astrofotografie verwendet wird, und dementsprechend modifiziert ist. Welche Modifikationen das im einzelnen sind, geht aus der Homepage nicht hervor, nur, dass das Teleskop mit einem Komakorrektor ausgestattet ist. Der Komakorrektor sorgt für eine punktförmige Abbildung auch in den Ecken des Bildes. Ein derartig korrigiertes Bildfeld ist ein typisches Merkmal eines Astrografen.

Die Belichtungszeit bei dieser Aufnahme schlägt mit 14 Stunden zu Buche, was schon überdurchschnittlich ist, bei diesem Objekt allerdings auch nötig. Nur so lassen sich die feinen Nebelfilamente und die zarten Dunkelnebel darstellen. Wir gratulieren Michael Deger zu dieser wunderschönen Aufnahme.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

 

Koordinaten (J2000.0):

RA = 06 h 07 min 48 s, DE = -06° 23' 06''

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