1. Woche - Der California-Nebel NGC 1499

 -  Astrofoto der Woche

Im Perseus finden wir eine wunderschöne, ausgedehnte und helle HII-Region: den California-Nebel NGC 1499. Er wird auch als Cederblad 26 katalogisiert sowie als Sh2-220. Florian Bleymann ist Bildautor des heutigen AdWs. Ihm gelang dieses schöne Ergebnis am 31.10.2019 auf der Hohen Geba. Dieser Berg in der thüringischen Rhön hat ein 750 m hoch gelegenes, breites Gipfelplateau. Aufnahmeinstrument war ein ED-Refraktor 72 mm/432 mm von Lacerta, ausgestattet mit einem Flattener 1,0-x. Die Kamera, eine modifizierte Canon EOS 6d, ist mit einem neuen UV/IR-Sperrfilter der Firma DSLR AstroTEC versehen (Webseite googeln). Das Transmissionsfenter reicht mit sehr steilem An- und Abstieg von 405 nm bis 675 nm und erfüllt daher die Funktion eines L-Filters. Belichtet wurde 39 x 5 min bei ISO 2500, wobei noch ein UHC-Filter verwendet wurde. Das Bildfeld ist mit 4,5° x 2,9° recht weitwinkelig, Norden ist etwa oben und Osten links.

Steward Sharpless gibt für den Nebel eine Ausdehnung von 320' an, das wären 5,3°. Er beschreibt die Form mit der Zahl 3 (1 = rund, 2 = elliptisch, 3 = irregulär). Anregender Stern ist HD 24912, ein 4,08 mag heller Stern des Spektraltyps O7,5III. Dieser Riese - der hellste im gesamten Bild - weist einen Farbindex B-V = 0,02 mag auf, und das ist leuchtend blau. Seine Entfernung beträgt rund 490 kpc bzw. 1600 Lj (Georgelin 1970). Nach Miller (1968) gilt für HD 24912 ein Farbexzess E(B-V) = 0,36 mag, d.h. die visuelle Absorption beträgt AV ~ 1,1 mag. HD 24912 hätte demnach im ungestörten Fall (wenn kein Staub im Vordergrund vorhanden wäre) eine visuelle scheinbare Helligkeit von ~2,9 - 3,0 mag. Er wäre dann vergleichbar mit den Sternen im Orion - kein Wunder, denn NGC 1499 gehört dem Orion-Arm unserer Milchstraße an. Radialgeschwindigkeitsmessungen  ergaben: HD 24912 bewegt sich mit +70 km/s von uns fort, der Wasserstoff dagegen nur mit ca. +8 km/s. Relativ zum California-Nebel entfernt sich der anregende Stern also, allerdings nur gaaaaanz allmählich.

Betrachten wir jetzt das AdW ein wenig näher. Zunächst fällt auf, dass NGC 1499 trotz des großen Bildfeldes ~5,4° (diagonal) in seinen schwächsten Ausläufern gar nicht erfasst wird. Im Zusatzbild (hier klicken) habe ich ein noch weitwinkligeres Monochrombild aus dem Deep Sky Survey (Aladin) verwendet und in Helligkeit und Kontrast höher gezogen. Sofort fällt ins Auge, dass die alten POSS-Platten gar nicht so schlecht waren: Nach Südosten (links unten) reichen die Nebelausläufer bis an den Stern HD 26311 heran. Weiterin fällt auf, dass der Südbereich von NGC 1499 auch bläuliche Reflexionsanteile zeigt. Und was auch noch von Bedeutung ist: Im Umfeld zeichnen sich einige extrem schwache Nebelchen ab, vermutlich galaktischer Zirrus.

Die Struktur des California-Nebels weist grob gesagt zwei hellere Stoßfronten auf, eine läuft am Nordrand entlang, die andere am Südrand. Das gesamte Gebiet ist strähnig von Staub durchzogen. Jenseits des nördlichen Nebelrandes ist die Dichte der Feldsterne ziemlich gering. Die Ursache dürfte in dichten Molekülwolken liegen. Ein kleines Dunkelwölkchen sticht etwas rechts oberhalb der Bildmitte ins Auge: Die (von Staub durchsetzte) Molekülwolke PGCC G160.06-12.20. Ihr seltsamer Name steht für "Planck Galactic Cold Clump". Beim Durchsuchen des Himmelshintergrundes fallen einem zahlreiche entfernte Galaxien auf. Eine davon mit der Bezeichnnung UGC 2889 steht sogar bei den Pixelkoordinaten (4800/982) im Rot des westlichen Nebelbereichs. Sie zeigt eine schöne Spiralstruktur. Ihre Entfernung ist leicht bestimmt: 27 px Länge machen beim Bildmaßstab von 3,043 arcsec/px etwa 80 arcsec Winkeldurchmesser aus. Legt man einen für diesen Galaxientyp üblichen echten Durchmesser von 150.000 Lj zugrunde, folgt eine Entfernung von 300 Mio. Lichtjahren.

Anmerkungen: Der Bildautor schreibt: "Alles ist aufgesattelt auf AZ-EQ-6, gesteuert mit dem MGEN II inkl. Dithering! Ich war angenehm überrascht nach der Nacht, dass mit dem kleinen Gerät so viel Struktur sichtbar ist und etliche Hintergrundgalaxien. Ich habe mit der Entrauschung versucht vorsichtig umzugehen, um Details zu erhalten. Rauschen gehört halt dazu. Sicher hätte der Nebel noch mehr Belichtungszeit vertragen, aber die Wolken haben mir anfangs einige Stunden Wartezeit aufgezwängt. Zu guter Letzt hatte ich noch kurz Technikprobleme bei der Kälte und am Ende kurz noch ein weiteres Objekt ausprobiert. Wenn man wie ich immer mobil rausfahren muss, versucht man mit der Zeit möglichst gut hauszuhalten. Trotz guten Himmels habe ich den UHC-Filter gewählt. Dadurch tritt der Nebel besser hervor und ich kann mit geschickter Maskierung Sterndurchmesser reduzieren. Zum Maskieren nutze ich eine mittlerweile veränderte Pyhton-Version von Starnet++ aus."

Es ist klar, dass der UHC-Filter sich auf die Sternfarben auswirkt. Das Blau des anregenden Sterns kommt deutlich heraus – logisch. Aber die restlichen Sterne erscheinen alle pastellfarben. Es fehlt beispielsweise das kräftige Gelb bis Orange der kühlen Sterne. Aber das hat der Bildautor halt in Kauf genommen, um den Nebel besser zu bekommen – seine Entscheidung.

Gratulation zum informativen und aufschlussreichen Bild – und natürlich zum AdW!

Peter Riepe

Biltautor: Florian Bleymann

Objektkoordinaten (J2000) von NGC 1499:
RA = 04 h 02 min 18 s, DE = +36° 18' 46''

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