1. Woche - Sh2-82, eine kleine HII-Region im Pfeil

 -  Astrofoto der Woche  - 

Allen AdW-Freunden zunächst einmal alles Gute für 2017! Und gleich starten wir wieder mit einem neuen interessanten Motiv. Der Bildausschnitt von 93' x 70' zeigt ein Deep-Sky-Objekt aus dem Sternbild Sagitta (Pfeil): die kleine HII-Region Nr. 82 aus dem zweiten Sharpless-Katalog. Im englischen Sprachbereich wird Sh2-82 auch „Little Trifid“ genannt und man muss nicht lange überlegen, um die Ähnlichkeit mit M 20 festzustellen. Sh2-82 gehört mit etwa 30.000 Lj Abstand vom galaktischen Zentrum zu den äußeren HII-Regionen. Der zentral gelegene 10,1 mag helle B0-Riese HD 231616 sorgt für die nötige UV-Strahlung, die den Nebel zur Emission bringt. Im nördlichen blauen Nebelanhängsel fanden Bica et al. (2003) im Infrarotbereich einen eingebetteten neuen Sternhaufen. Die Nebelentfernung beträgt nach Yu & Wang (2016) etwa 5900 Lj. Im AdW selbst lässt sich eine Ausdehnung von 13,9' x 8,2' messen, so dass Sh2-82 auf einen wahren Durchmesser von etwa 24 Lj kommt. Anmerkung: Norden ist im Bild rechts, Osten unten, also spiegelverkehrt.

Das gezeigte Sternfeld befindet sich bereits in einem Abschnitt der Milchstraße mit deutlich gelborange gefärbten Sternen. Aber das entspricht der Wirklichkeit, denn der interstellare Staub nimmt im Milchstraßenverlauf vom Schwan in Richtung Schütze erheblich an Dichte zu. Das hat dann die Auswirkung, dass auch die Rötung der Sterne zunimmt. Wir alle kennen die bräunliche Farbe der Milchstraßenpartien im Schützen. Jedoch erscheint mir als kritischem Bildbetrachter das Sternfeld in diesem AdW als gelblastig. Wo sind eigentlich die blauen Sterne? Dieses Thema muss einmal kurz diskutiert werden, aber ohne dem Bildautor weh zu tun. Aus dem Grund lassen wir einfach einmal die Fakten sprechen:

Im Vergleichsbild (hier klicken) ist links ein Ausschnitt aus dem aktuellen AdW zu sehen, Norden oben, Osten links. In der linken oberen Ecke steht der Stern HD 183989 mit einem Spektraltyp A0 sowie den Helligkeiten B = 7.64 mag und V = 7.56 mag. Somit beträgt der Farbindex B-V = 0.08 mag, was einem satten Blau entspricht. Ist das wirklich der Fall? In der gegenüberliegenden Ecke rechts unten ist der Stern HD 183755 zu sehen, Spektraltyp ebenfalls A0, B = 7.40 mag und V = 7.25 mag. Mit B-V = 0.15 mag sollte dieser Stern ähnlich blau wie HD 183989 sein, was nicht so ist. Der dritte Stern steht links unten, HD 231683. Dieser seltene Fund eines echten G2-Sterns hat B = 8.90 mag und V = 8.26 mag. Daher hat der Farbindex B-V = 0.64 mag – das klassische Weiß! Aber ist das im AdW auch wirklich so? Und der letzte Stern schließlich ist oben rechts HD 231622, der mit B = 11.21 mag und V = 10.30 mag auf B-V = 0.91 mag kommt und daher gelbweiß sein sollte. Er wirkt aber eher in Richtung gelborange. Was zeigt die Betrachtung dieser vier Sterne? Dem Bild fehlt es definitiv an Blau. Eine Tendenz nach Gelb ist unverkennbar. Um dies zu verdeutlichen, ist im rechten Teilbild der entsprechende Ausschnitt aus einer Aufnahme von Velimir Popov und Emil Ivanov (IRIDA Observatory, Bulgarien) mit deren Erlaubnis wiedergegeben. Der Vergleich zeigt nun recht klar, was auch Frank Sackenheim und Stefan Binnewies in der Bildkommentierung mit einer sachgerechten Anpassung der Sternfarben an die Farbindizes (Kalibrierung) ansprechen.

Peter Knappert hat dieses AdW eingeschickt. Wir danken für das schöne Motiv. Es entstand am 30./31. August 2016 wieder bei La Grangette/Rémuzat auf 564 m Höhe. „Die Transparenz war außergewöhnlich gut“, schreibt der Bildautor. Als Aufnahmeteleskop diente ein 105-mm-Apochromat (TMB-LZOS Triplett) mit effektiv 650 mm Brennweite. Die Kamera war eine auf -20°C gekühlte Moravian G2 8300 FW. Belichtet wurde wie folgt: Luminanz 12 x 15 min ohne Binning, dazu RGB jeweils 12 x 6 min mit 2x2-Binning. Das Autoguiding geschah über einen Off-Axis-Guider mit einer ZWO-Kamera und PHD2, für die Bildbearbeitung wurden CCDStack2 und CS4-Extended verwendet.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Erst vor wenigen Wochen zeigten wir ein Bild von Peter Knappert. Nun eröffnet er den Reigen für 2017. Wie auch schon beim AdW 46/2016 entstand das hier gezeigte Bild in den französischen Alpen unter sehr guten Himmelsbedingungen. Zum Einsatz kam jedoch diesmal ein Apochromat (Marke TMB) mit 105 mm Brennweite, verbunden mit einer CCD Kamera. TMB steht für Thomas M. Back, ein amerikanischer Amateurastronom und Optik-Designer, der leider 2007 schon im Alter von 50 Jahren verstarb. Wer einen solchen TMB-APO besitzt, sollte ihn hüten und bewahren, denn die optischen Eigenschaften sind hervorragend.

Peter Knappert ist ein erfahrener Astrofotograf und ein alter Hase in der Szene. Seine Ausrüstung ist hochwertig, seine Fähigkeiten unbestritten. Dennoch haben wir bei diesem Bild etwas zu bemängeln. Zum einen ist es erneut die in unseren Augen zu geringe Farbsättigung (siehe Kommentar zum AdW 46/2016), zum anderen die fehlende Farbdifferenzierung. Das Bild wirkt irgendwie blass und die Sternfarben sind nicht eindeutig.

Farben sind immer wieder ein Diskussionspunkt unter Astrofotografen. Was ist richtig, was ist falsch, was ist zu viel und was zu wenig? Gerne heißt es dann: das ist letztendlich Geschmacksache. Aber ist es das wirklich? Was spricht dagegen, die Bilder mit anerkannten Methoden farblich zu kalibrieren. Software, die das leisten kann, gibt es und sie findet häufig Verwendung (PixInsight, REGIM, exCalibrator, Theli). Nicht nur physikalische Gegebenheiten werden so berücksichtigt, mit der Farbkalibrierung erhält man allem voran reproduzierbare Ergebnisse.

Auch ist es in unseren Augen zeitgemäß, die Farbsättigung von Astrofotografien auf ein gesundes Maß anzuheben. Wir bitten also den Bildautor die Farben im Auge zu behalten, wo doch ansonsten schon alles perfekt ineinander greift.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim und Dr. Stefan Binnewies

Koordinaten der Bildmitte (J2000.0):

RA = 19 h 30 min 15 s, DE = +18° 17' 30"

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