11. Woche - Im Staub des Perseus – Der Reflexionsnebel NGC 1333

 -  Astrofoto der Woche

Im südwestlichen Teil des Perseus, im Grenzgebiet zum Taurus und Aries, befindet sich eine Zone voll von Staub. Der Reflexionsnebel NGC 1333 gehört diesem Perseus-Taurus-Komplex an. Das eingeschickte AdW stammt von Markus Meel und zeigt Norden links, Osten unten. Die Aufnahme datiert vom 14., 18. und 20.11.2020. Aufnahmeort war Kronau am Nordrand des Landkreises Karlsruhe. Als Teleskop wurde ein Newton 250 mm / 1000 mm verwendet. Das Interessante ist die gekühlte Digitalkamera, eine Canon 6dac (digital astronomy cooled, siehe Zusatzbild 1). Belichtet wurde insgesamt 9 h 15 min bei jeweils 1 min pro Einzelbild bei ISO 1600. Das Stacking und die Bildbearbeitung erfolgten mit PixInsight, abschließend Photoshop.

Jetzt Wissenswertes zum Objekt und auch zum Umfeld. Der Reflexionsnebel NGC 1333 erscheint sehr unterschiedlich in Form und Farben. Sein optisch hellster Bereich leuchtet lebhaft blau und liegt bei den Pixelkoordinaten (2037/1327). Im dortigen Zentrum sitzt der Stern BD+30°549, ein junger, bläulicher Stern von ca. 10,5 mag mit dem Spektraltyp B8. Bei (2137/1254) erkennt man – allerdings in gelblichen Nebel eingebettet, den jungen Stern LZK 12. Dieser Stern sitzt so tief im Staub, dass er stark gerötet erscheint, wobei er ursprünglich vom Spektraltyp B5+F2 ist, also bläulich wie BD+30°549 aussehen sollte – in staubfreier Umgebung.

Jenseits der Südwestflanke von NGC 1333 (also im Bild rechts oberhalb des gelben Nebelbereichs) bemerkt man ein dichtes Konglomerat aus Staubwolken und roten leuchtenden Nebeln. Diese Nebel sind so genannte „Herbig-Haro-Objekte“. Das sind Gasausstöße gerade geborener Sterne geringer Masse. Sie leuchten bei der Kollision mit dem umgebenden Staub. Langbrennweitige Aufnahmen mit Großteleskopen zeigen oft kometarische Spitzen. Einige weisen sogar bipolare Formen auf. Hier im AdW wären folgende HH-Objekte zu nennen: bei (2198/1167) verschiedene Knoten des Herbig-Haro-Komplexes HH12, bei (2352/1211) HH 10, bei (2362/1230) HH 7 und bei (2857/1073) HH 14. Deutlich zeigt sich, dass Herbig-Haro-Objekte vielfach in Gruppen auftreten. Das hängt damit zusammen, dass dort auch Sterne in Gruppen entstanden sind. Bei (2274/1051) befindet sich ein gelblicher Reflexionsnebel mit der Katalogbezeichnung [G82a] 5. Er ist einer von vielen aus dem Katalog von A. L. Gyul'Budagyan (1982): „New cometary nebulae“; Soviet Astronomy Letters 8, 117-118. Solche Nebel weisen oftmals eine zeitlich variable Struktur auf.

Staub wird bekanntlich durch infrarote Wellenlängen durchdrungen. Je langwelliger, desto stärker ist das Durchdringungsvermögen. Schauen wir uns nun das Zusatzbild 2 an (Norden oben). Der linke Teil zeigt NGC 1333 mit der Region der Herbig-Haro-Objekte im optischen Licht gemäß dem Himmelsatlas Aladin (DSS). Rechts ist exakt das gleiche Feld zu sehen, jedoch in den Wellenlängen des nahen Infrarot (NIR) gemäß Aladin (2MASS). Erstaunlich, in welcher Fülle zahlreiche junge Sterne in den Staubmassen versteckt sind. Das NIR-Bild offenbart einen regelrechten Sternhaufen. Und der hellste Stern in diesem Getümmel ist nicht der blaue Stern, der den blauen Nebelbereich erleuchtet, sondern derjenige Stern, der im gelblichen Nebelbereich steckt.

Am Südrand des AdWs fallen noch ein paar kleine gelbliche Nebelchen auf. Bei (3417/1076) ist es der T Tauri-Stern LkHA 325 mit dem umgebenden Reflexionsnebel GN 03.25.8.02. Der Stern zeigt in seinem Spektrum deutliche Emissionslinien. Bei (3917/1052) befindet sich ein weiterer Emissionslinienstern, ebenfalls mit einem kleinen, umgebenden Reflexionsnebel assoziiert. Und bei (3881/1903) liegt der Reflexionsnebel GN 03.27.6 = [B77] 63 (Bernes 63).

Anmerkungen: Die Kombination aus Kamera (hier der große Chip) und gut auflösender Optik zeigt hier im AdW, welches Potenzial in dieser ziemlich weitwinkeligen Aufnahme steckt. Das Bildfeld erfasst einen Ausschnitt von 1°57' x 1°17' und gibt bei einem Bildmaßstab von 1,72 arcsec/px auch viele Details wieder. Sehr schöln treten die vielen Stränge des galaktischen Zirrus hervor, immer in warmen Farbtönen leuchtend – nie in Emission.

Ein bemerkenswertes und interessantes Bild von Markus Meel, für das wir uns herzlich bedanken. Dazu die Gratulation des gesamten AdW-Teams zum Astrofoto der Woche!

 

Peter Riepe
Bildautor: Markus Meel

 

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