11. Woche: NGC 2438, ein Planetarischer Nebel vor Messier 46

 -  Astrofoto der Woche  - 

Im nördlichsten Teil des Sternbildes Puppis, etwa 10 Grad östlich von Sirius gelegen, befinden sich die Offenen Sternhaufen M 46 und M 47 (NGC 2437 und 2422). Sie liegen sehr dicht benachbart, so dass sich der Eindruck eines Doppelsternhaufens ergibt. Knapp 40´ nördlich von M 47 gibt es noch einen dritten Sternhaufen, NGC 2423.

Richtet man sein Teleskop auf M 46, den östlichen Vertreter dieser "Sternhaufengruppe", so fällt am nördlichen Rand ein nebeliges Fleckchen auf. Es handelt sich um den Planetarischen Nebel NGC 2438 - das Motiv für das AdW dieser Woche. Sein scheinbarer Durchmesser beträgt 66", seine scheinbare visuelle Helligkeit bewegt sich um 10 mag. Damit hat NGC eine Flächenhelligkeit, die mit der des Ringnebels M 57 in der Leier vergleichbar ist. Der kleine blaue Zentralstern in NGC 2438 hat im übrigen 17.7 mag.

M 46 (= NGC 2437) ist etwa 5400 Lj entfernt. Der PN NGC 2438 dagegen steht uns mit nur ca. 2900 Lj deutlich näher. Er gehört demnach als Vordergrundobjekt nicht wirklich zum Sternhaufen.

Unser aktuelles AdW entstand auf eine Weise, die für die meisten Amateure sicher völlig neuartig sein dürfte. Auf Hawaii wird gemeinsam vom Dill Faulkes Educational Trust und der University of Hawaii das Faulkes North Telescope betrieben (in Australien steht das Faulkes South Telescope vor der Inbetriebnahme). Dieses ferngesteuerte Internet-Teleskop vom Typ Ritchey-Chrétien hat 2 Meter Öffnung und kann von seriösen ausbildenden Organisationen genutzt werden - vorausgesetzt, man erhält einen Account als User. Sighard Schräbler vom Physikalischen Verein Frankfurt nutzte Zugriffsmöglichkeiten auf Originalbilder, die im Dezember 2005 am Faulkes North Telescope aufgenommen worden waren. Statt der Primärbrennweite von 6 Metern hatten die damaligen Fotografen den Cassegrainfokus f/10 gewählt - also sagenhafte 20 Meter Brennweite! Die Kamera (EEV CCD42-40 7041-10-3' mit Science grade chip und 2048 x 2048 px) war während der Belichtung auf 160 Grad unter Umgebungstemperatur gekühlt worden - so etwas gibt es nur im Profi-Bereich! Drei Einzelaufnahmen im 2x2-Binning, jeweils 60 Sekunden in den fotometrischen B-, V- und R-Bändern gefiltert, konnten nun von Sighard Schräbler zu einem RGB-Bild zusammengesetzt werden. Der Abbildungsmaßstab betrug dabei 0.278´´ pro gebinntem Pixel, das Seeing lag bei 1.23". Dementsprechend gut ist auch die Bildauflösung.

Sighard Schräbler meint dazu: "Warum nicht einfach Teleskopzeit mieten, geschenkt bekommen, im Schulunterricht nutzen oder gemachte Aufnahmen auswerten? Das ist endlich einmal eine richtig sinnvolle Anwendung für die teure IT im Schul-Rechnerraum! Und Glückstreffer gibt es immer. Vielleicht entdeckt man dabei etwas. Klar, man ist nicht ganz so stolz wie wenn man sich selbst für dieses Bild eine Nacht auf einem kalten und windigen, hohen Berg um die Ohren geschlagen hätte."

Eine anschauliche Präsentation zum Teleskop gibt es hier: www.stelab.nagoya-u.ac.jp/hawaii/RoboNet_hawaii.ppt

RA = 07 h 41.8 min, DEK = -14° 44'

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