12. Woche - Das Gebiet um M 78

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das heutige AdW schließt jetzt endgültig den Winterhimmel. Im Sternbild Orion befindet sich eine Fülle heller Nebel, darunter sowohl Emissions- als auch Reflexionsnebel. Norden ist oben, Osten links. Links oben liegt Barnard´s Loop, der große schalenförmige Emissionsnebel, der von den jungen heißen Orionsternen ionisiert und zum Leuchten angeregt wird. Er sendet überwiegend das rote H-Alpha-Licht aus. Unterhalb der Bildmitte liegt – eingebettet in die dichte Molekülwolke Orion B mit reichlich Staub – ein Komplex aus Reflexionsnebeln. Werden solche Materiewolken direkt von blauen Sternen angeleuchtet, so reflektieren sie das Sternenlicht und leuchten ebenfalls blau. Ist kein blauer Stern in unmittelbarer Nähe, dann wird das Licht des galaktischen Bulge reflektiert, das überwiegend aus den alten Sternen der Population II besteht. Daher dann eine bräunliche Färbung.

 

Der blau leuchtende M 78 ist der bekannteste und hellste Vertreter dieses Nebelkomplexes. Er wird an seinem Nord- und Westrand von einer auffälligen, bogenförmigen Dunkelwolke begrenzt, die nach Süden in den Dunkelnebel LDN 1630 mündet. Die helleren Nebelzonen jenseits (westlich) davon sind NGC 2067 und 2064. Knapp nordnordöstlich davon finden wir NGC 2071. In diesem Gebiet interstellarer Materie findet aktive Sternentstehung statt. Im Verlauf von LDN 1630 erkennt man mehrere Herbig-Haro-Objekte, darunter HH 24. Sie sind als rötlich leuchtende (aber nicht H-Alpha) und zerrupfte Nebelchen auszumachen. In HH 24 ist der neu entstandene Stern SSV63 versteckt. Er ist nur durch IR-Aufnahmen nachweisbar, denn hier herrscht eine Absorption von unglaublichen 50 Magnituden! Das hellere Nebelchen 40´´ nördlich von HH 24 war an dieser Stelle nicht immer wahrnehmbar. Es wurde im Januar 2004 von dem Amateur J.W. McNeil entdeckt.

 

Endriko Siegismund hat den Komplex um M 78 am 12., 13. und 14.02.2015 in Frankfurt/Oder aufgenommen. Er arbeitet mit einer gekühlten modifizierten Canon 60D (ca.-23 Grad). Teleskop war ein Apochromat 107/700 mm (APM) mit 0,75-fachem Reducer (Riccardi). So wurde eine effektive Brennweite von 525 mm erzielt. Bei ISO 500 wurde 49 x 10 min belichtet (insgesamt also 8 Std. 10 min). Um das Streulicht zu reduzieren, wurde noch ein „Light Pollution Reduction“-Filter eingesetzt (IDAS LP2).

 

Ein sehr farbiges Bild, das auch noch recht tief ist. Wer hat schon einmal auf den kleinen runden Nebel bei RA = 05 h 47 min 02 s und DE = +00° 39´ geachtet, der mit blauem Zentralteil und rotem Rand nördlich von NGC 2071 liegt? Auf den POSS-Aufnahmen ist er kaum zu sehen. Dieser Nebel wurde 1977 von C. Bernes entdeckt und trägt die Katalognummer [B77] 100. Das AdW-Team bedankt sich herzlich für diese „Erstaufführung“!

 

Koordinaten J2000.0:

 

RA = 05 h 47 min, DE = 00° 18´

 

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