13. Woche - Noch einmal: IC 410 im Fuhrmann

 -  Astrofoto der Woche  - 

Winterhimmel ade? Denkste! Das heutige AdW dreht sich berechtigterweise noch einmal um IC 410 im Fuhrmann. Die große H II-Region wurde am 2. März ausführlich vorgestellt. Daraufhin haben sich Frank Iwaszkiewicz und Nico Geisler das Objekt schnell noch einmal vorgenommen. Sie hatten Erfolg, und deshalb wird diese Aufnahme jetzt auch präsentiert! In Eggersdorf bei Berlin gelang den beiden mit einem 250-mm-Newton (ONTC, Fabrikat TS) und einer Atik 383L+ die gezeigte Zentralansicht von IC 410. Aufnahmedatum war der 10., 12. und 13. März 2015. Bei einer Primärbrennweite von 1000 Millimetern wurde im Rotkanal je 16-mal 30 min mit H-Alpha-Filter belichtet (6 nm Halbwertbreite). Im Blaukanal wurde mit [O III]-Filter (12 nm Halbwertbreite) ebenfalls 16-mal 30 min belichtet, insgesamt also 16 Stunden. Aus H-Alpha und [O III] wurde dann noch künstlich der Grünkanal definiert. Man bedenke aber, dass es im Grünbereich in Wirklichkeit keine Nebelemission gibt. Das AdW ist also eine Falschfarben-Bicolor-Aufnahme. Wir sehen einen Ausschnitt aus dem größeren Original. Norden ist oben und Osten links, wie bei Astroaufnahmen üblich.

Was ist bemerkenswert an dieser Aufnahme? Zwar leuchtet IC 410 im Wesentlichen in H-Alpha. Aber der zentrale Bereich zeigt natürlich auch die Emission im Licht des zweifach ionisierten Sauerstoffs [O III]. Und wieder einmal für alle Astrofotografen: Die sog. „verbotenen Linien“ werden in eckigen Klammern geschrieben. Die [O III]-Linie ist eine solche, H-Alpha aber nicht. IC 410 beherbergt den eingebetteten, lockeren Offenen Sternhaufen NGC 1893 (Bildmitte). Er besitzt einen Großteil an OB-Sternen, von denen viele noch durch Staubwolken verdeckt werden, was man in diesem AdW besonders deutlich sieht. Die vielen OB-Sterne erzeugen genügend Energie zur Anregung und Ionisation sämtlicher Gase der H II-Region. Allerdings ging der Emissionsnebel aus einer Molekülwolke hervor, und die Reste von Staub und molekularem Gas sind noch vorhanden. Strahlung und Sternwinde von NGC 1893 schieben die Molekülwolke rechts am Rand zusammen, während sich um den Sternhaufen herum ganz allmählich eine Höhlung ausbildet. Bemerkenswert sind die beiden leuchtenden Gebilde, die zwei Kaulquappen ähneln. Es handelt sich um die im Amateurbereich kaum bekannten Nebelwolken Sim 129 und Sim 130. Was geht hier vor sich?

Die Schwänze der beiden Objekte zeigen vom Sternhaufen weg. Dies ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass Strahlung und Sternwinde der zentralen heißen Sterne (insbesondere des Hauptsterns HD 242935, Spektraltyp O7.5) auch nach links oben gerichtet sind und kometarische Strukturen an diesen Materiewolken verursachen (Pandey et al. 2012). Die dem Sternhaufen zugewandten Seiten werden am härtesten getroffen, dort sind jeweils hell leuchtende Ränder („bright rims“) zu sehen. Sind Strahlung und Sternwind stark genug, so werden solche Wolken im Laufe der Zeit verdichtet und können im Inneren neue Sterne bilden. Dies nennt man dann eine Sternentstehung der zweiten Generation. So wurde im Inneren des Kopfes der rundlichen Wolke Sim 129 ein junger Stern mit der Bezeichnung CPM16 gefunden (Campbell, Persson & Matthews 1989). Im infraroten J-Bereich ist er mehr als 5 mag heller als im visuellen Bereich (Maheswar et al. 2007). Man kann ihn im AdW eindeutig ausmachen.

Wir freuen uns wieder einmal, dass das Bild hier völlig neu als Uraufführung erscheint und noch nicht durch alle möglichen Foren breitgetreten wurde. Das macht es uns möglich, mehr über eine Aufnahme zu berichten als nur zu chatten „tolles Bild, welche Software?“

Koordinaten J2000.0:
RA = 05 h 22 min 44 s, DEK = +33° 24´ 42´´

Sie möchten zum Autor Kontakt aufnehmen? Klicken Sie einfach oben links auf seinen Namen.

nach oben

Anzeige

Sonnenfinsternis in der Antarktis