14. Woche: M 82, voller Aktivität

 -  Astrofoto der Woche  - 

Die 8,4 mag helle und 11,4´ x 4,3´ messende Galaxie M 82 gehört zur M81-Gruppe. Beide, M 81 und M 82, wurden 1774 von J.E. Bode in Berlin entdeckt. Setzen wir für die Gruppe eine Entfernung von 11,8 Millionen Lj voraus (Madore, Freedman und Lee 1993), so kommt M 82 auf einen echten Durchmesser von nur 37000 Lj. Sie ist damit kaum 20% größer als die Große Magellansche Wolke.

M 82 ist keine „edge-on-Galaxie“, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte, sondern ein irregulärer Typ. Sie gilt auch als Prototyp der „amorphen“ (= strukturlosen) Galaxien. Von der Form her gleicht sie einer Zigarre und ist in ausgedehnte Staub- und Gasmassen gehüllt, die das amorphe Aussehen unterstreichen. Durch diese Materie wird das Licht der enthaltenen Sterne gestreut, was wiederum eine hohe Flächenhelligkeit erzeugt und damit auch zu einer leichten Beobachtbarkeit führt. Weiterhin gibt es viele dunkle Staubwolken, die M 82 durchkreuzen. Länger belichtete H-Alpha-Aufnahmen zeigen kräftige, rot leuchtende H-Alpha-Filamente, die vom Zentrum weit in den Außenbereich reichen. Von Supernova-Explosionen angetrieben, expandieren diese Wasserstoff-Fetzen mit hoher Geschwindigkeit. Sie belegen, dass sich im Inneren der Galaxie erst kürzlich ein Ausbruch heftiger Sternentstehung („Starburst“) abgespielt hat. Dieser war nur möglich, weil beim letzten nahen Vorübergang von M 81 große Mengen an Gas aus dem intergalaktischen Bereich ins Innere von M 82 geleitet wurden. Dieser letzte Starburst begann vermutlich vor etwa 200 Millionen Jahren. Er hat jedoch bis vor kurzem angedauert, denn die jüngsten Sternpopulationen sind etwa 5 Millionen Jahre alt. Weitere klare Starburst-Hinweise sind die zahlreichen „Supersternhaufen“ im Zentrum von M 82. Es handelt sich um etliche junge Kugelsternhaufen von durchschnittlich 4 Millionen Sonnenleuchtkräften - heller als jeder Kugelsternhaufen in der Lokalen Gruppe. Zum Vergleich: Die Kugelsternhaufen unserer Milchstraße sind etwa 10 bis 13 Milliarden Jahre alt! Gleichwohl konnten in M 82 auch wesentlich ältere Kugelsternhaufen nachgewiesen werden, ein Zeichen dafür, dass Sternentstehungsausbrüche zu unterschiedlichen Zeiten stattgefunden haben.

M82 ist mit einer mittleren Flächenhelligkeit von 21,2 mag pro Quadratbogensekunde mit den durchsetzten dunklen Staubwolken in einem leistungsfähigen Teleskop beeindruckend.

Das aktuelle CCD-Bild entstand am 03.01.2009 bei gutem Seeing und sehr guter Transparenz. Aufnahmeort war das Nuthe Urstromtal im Süden des Landes Brandenburg. Torsten Grossmann verwendete einen 7"-Refraktor (Apochromat von TMB) bei 1400 mm Brennweite. Kamera war eine SBIG ST-L 4020. Das theoretische Auflösungsvermögen des Optik-Kamera-Systems beträgt ca. 1", hier wurde ein FWHM um 3" erreicht (Anmerkung P. Riepe). Das Bild ist als leichter Ausschnitt, aber in voller Auflösung dargestellt. Belichtet wurde 5 x 15 min (L) ohne Binning, 5 x 8 min (R), 5 x 7 min (G und B). Alle Farbauszüge im 2x2-Binning, dabei Dunkelbildabzug und automatische Nachführung.

Und jetzt kommt die überragende Leistung: Man beachte, dass kein H-Alpha-Filter verwendet wurde, dennoch ist der Zentralbereich im roten Licht kräftig zu sehen! Kurzer Kommentar des Autors: „Für H-Alpha-Filterungen war die Zeit zu knapp.“

RA = 09 h 55 min 53 s, DEK = +69° 40´ 46´´

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