14. Woche - NGC 1788 - Sternentstehungsgebiet im Orion

 -  Astrofoto der Woche  - 

Wer an Nebel im Orion denkt, hat sofort den bekannten Orionnebel M 42 vor Augen. Es gibt im Orion aber auch eine weniger bekannte Nebelzone, in der ebenfalls Sternentstehung stattfindet. Das AdW zeigt dieses Gebiet in einem Feld von 66' x 69' (Norden oben, Osten links). Links oben ist der Reflexionsnebel NGC 1788 zu sehen. Er bildet den Kopf einer kometarischen Molekülwolke, die etwa 3° nördlich des "Hexenkopfnebels" liegt. Für ihre Entfernung geben die Astronomen Werte von 417 bis 460 pc an. Von Osten her wird dieser kometarische Nebel durch die heftigen Winde der hellen, massiven Sterne aus dem Orion-Zentralbereich (hier nicht mehr im Bild) in die Länge gezogen. Vermutet wird, dass der Gürtelstern Epsilon Orionis hauptverantwortlich ist (Ramesh 1995). Inzwischen ist bekannt, dass Dunkelwolken gar nicht dunkel sind, so auch dieses Gebilde, welches in der Fachastronomie auch als Lynds 1615/1616 bekannt ist. Fotometrische Messungen im Optischen und im IR-Bereich ergaben, dass in NGC 1788 eine Vielzahl von T-Tauri-Sternen verborgen ist (Gandolfi et al. 2008). Das sind Veränderliche, die aufgrund ihres "Babyalters" noch nicht einmal die stabile Hauptreihenphase erreicht haben. Einer von ihnen ist HD 293815. Das ist der blaue Stern von 10.11 mag im hellsten, blau leuchtenden Nebelmaximum. Knapp südöstlich von ihm liegt das Zentrum eines jungen Sternhaufens, den wir im AdW aber nicht in seiner Gesamtheit sehen, weil die Sterne in der dichten interstellaren Materie stecken. In infraroten Wellenlängen tritt der Sternhaufen aber deutlich hervor. Alles in allem wird in NGC 1788 eine aktive, anhaltende Sternentstehung registriert, die durch die massiven Orion-Sterne angestoßen (= "getriggert") wird. Schaut man sich den unteren Bereich des AdWs an, so entdeckt man eine schwächere Wolke, die parallel zu Lynds 1615/1616 verläuft und im rechten Bildbereich sogar eine Verbindung zu ihr besitzt. Auch das Umfeld dieser Himmelsregion wird durch weitere schwache Nebel erfüllt.

Werner Probst ist Bildautor. Am 23.01.2017 nahm er von Gurk (Kärnten) das Gebiet um NGC 1788 auf. Dazu diente ihm ein Apochromat TeleVue NP127is mit einer CCD-Kamera Moravian G2-8300FW. Bei 660 mm Brennweite wurde 47 x 600 s in Luminanz belichtet, dazu je 15 x 600 s in RGB, insgesamt also 15 h 20 min. Der Bildautor schreibt uns: "Von meinem Balkon aus habe ich ein stark eingeschränktes Gesichtsfeld. Es zeigt zwar nach Süden, aber Objekte mit einer Deklination größer als +10° sind für mich nicht erreichbar. Somit bin ich gezwungen, mich im zur Verfügung stehenden Feld genauer umzusehen. Und so kam ich auf den schwachen Komplex um NGC 1788. Er ist mir schon einmal auf einer kurzbrennweitigen Aufnahme des Hexenkopfnebels aufgefallen, die ich vor vielen Jahren gemacht habe. So nutzte ich eine Schönwetterphase, um das Objekt genauer unter die Lupe zu nehmen."

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Die Aufnahme von NGC 1788 von Werner Probst ist eine grundsolide Astroaufnahme. Mit mehr als 7 h Belichtungszeit unter sicherlich sehr gutem Himmel, ist der Luminanzkanal sehr gut durchbelichtet. Die anschließende Bildbearbeitung ist sehr gewissenhaft durchgeführt und sehr geschmackvoll. Bei solchen Sternentstehungsgebieten ist es häufig so, dass ein Reflexionsnebel eingebettet ist in sehr lichtschwachen Dunkelwolken. Man benötigt dann eben die langen Belichtungszeiten, um die Dunkelnebel plastisch darstellen zu können. Belichtet man nur kurz, zeigen sie sich nur als dunkle Bereiche. In der hier gezeigten Aufnahme heben sich die Nebel aber schön vom Hintergrund ab, und somit wirkt das Bild sehr plastisch. Man hätte diese Dunkelnebel in der Bildbearbeitung noch etwas aufhellen können (Die Bilddaten geben das her), das ist allerdings auch Geschmacksache.

Gratulation an Werner Probst zu diesem sehr gelungenen Bild.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Koordinaten (J2000.0):

RA = 05 h 06 min 54 s, DE = -03° 20' 30"

Sie möchten zuAutor Kontakt aufnehmen? Klicken Sie einfach oben links auf den Namen. Sie können auch den Autornamen anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

Mitmachen beim Astrofoto der Woche

Ihr möchtet Euch für das Astrofoto der Woche bewerben? Dann schickt uns Euer Bild.

Mailingliste der VDS-Fachgruppe Astrofotografie

Die VdS-Fachgruppe Astrofotografie bietet allen Interessierten eine Mitgliedschaft in einer aktiven Mailingliste an.
Weitere Informationen erhalten Sie unter astrofotografie.fg-vds.de/mailingliste.php3

Abonnieren Sie das Astrofoto der Woche jetzt als RSS-Feed!

nach oben

Anzeige