15. Woche: Der „intergalaktische Wanderer“ NGC 2419

 -  Astrofoto der Woche  - 

Unser aktuelles AdW zeigt NGC 2419 im Sternbild Lynx. „Ein Kugelsternhaufen, na ja“ wird der ein oder andere Leser denken. „Und dann auch nur bescheiden aufgelöst, nicht so, wie man es von M 13 oder M 15 her kennt.“ Das ist zwar richtig, aber die Ursache für die nur scheinbar geringe Auflösung wird beim Vergleich mit M 13 sofort klar. Die Entfernung von M 13 beträgt 23000 Lj, die von NGC 2419 dagegen 322000 Lj (W.E. Harris, 2003). NGC 2419 ist also 14-mal weiter weg, der Astronom sagt: Er gehört zu den Objekten des äußeren galaktischen Halos. Aus dem Grund wird das Objekt auch als „intergalaktischer Wanderer“ bezeichnet. Er ist fast doppelt so weit entfernt wie unsere Nachbargalaxie, die Große Magellansche Wolke. Demnach ist klar, dass ein dermaßen entfernter Kugelhaufen wie NGC 2419 entsprechend klein im Fokus des Teleskops abgebildet wird und von daher weniger aufgelöst wirkt.

Der intergalaktische Wanderer hat eine scheinbare Helligkeit von 10.4 mag und einen scheinbaren Durchmesser von 4.1´. Stünde M 13 in dieser Entfernung – er wäre nur 1.2´ ausgedehnt. Folglich ist NGC 2419 ein Riese! Bei 322000 Lj Entfernung beträgt sein wahrer Durchmesser also 380 Lj. Im Vergleich dazu ist M 13 mit seinen 110 Lj klein. Die Beobachtung von NGC 2419 ist keine Leichtigkeit. Er hat eine zentrale Flächenhelligkeit von etwa 20 mag pro Quadratbogensekunde, während M 13 auf 16.8 mag pro Quadratbogensekunde kommt. Selbst in einem großen Teleskopen von 1,12 m Öffnung (Sternwarte Melle) sind visuell keine Einzelsterne aufzulösen, während unser AdW die hellsten Sterne des Kugelsternhaufens ausnahmslos als gelbliche bis rötliche Riesensterne zeigt. Vier Bogenminuten westlich von NGC 2419 steht der 7.2 mag helle A5-Stern HD 60771. Er hat einen Farbindex von B-V = 0.23 mag, ist also blau, was das AdW in guter Farbkalibration wiedergibt. Noch weiter westlich davon steht der Doppelstern BD+39 1978.

Harald Strauß nahm den intergalaktischen Wanderer am 11.02.2008 an der Gahberg-Sternwarte auf. Teleskop war ein 14"-Hypergraph bei f = 1090 mm mit einer CCD-Kamera SBIG ST-8. Die Nachführung erfolgte mit einer SBIG ST-7 an einer 4" MTO Russentonne bei nur f = 630 mm. Belichtet wurde: L 20 x 120 s, R 12 x 92 s, G 12 x 97 s, B 15 x 120 s (Luminanzaufnahme ohne Binning, Farbauszüge mit 2x2-Binning). Das AdW ist ein leichter Ausschnitt aus dem Original.

RA = 07 h 38.1 min, DEK = +38° 53´

nach oben

Anzeige

Sonnenfinsternis in der Antarktis