2. Woche - Simeiz 22

 -  Astrofoto der Woche  - 

Im Sternbild Cassiopeia liegt etwa 2° südlich des Sterns Delta Cas ein sichelförmiger Nebel von 10´ x 3´ Ausdehnung. Lange war sich die Wissenschaft über die Natur dieses Nebels unklar. Er tauchte zunächst als Simeiz 22 (S22) im Katalog von V.F. Gaze und G.A. Shajn auf. Die beiden russischen Astronomen hatten sich am Simeiz-Observatorium auf der ukrainischen Halbinsel Krim mit Emissionsnebeln befasst und 1951 und 1955 ihre Ergebnisse in russischen Journalen publiziert. 1959 benannte Steward Sharpless den Nebel als H II-Region Nr. 188 (Sh2-188). Und 1965 nahm die Amerikanerin Beverly T. Lynds wiederum Sh2-188 in ihren Katalog heller Nebel auf (LBN), ohne jedoch auf die russischen Arbeiten einzugehen. In den 70-er Jahren wurde auch die Frage diskutiert, ob es sich bei Simeiz 22 um einen Supernovarest (SNR) handeln könne.

Margarita Rosado und Karen B. Kwitter wiesen 1982 darauf hin, dass Simeiz 22 mit höchster Wahrscheinlichkeit ein PN sei. Radiobeobachtungen (Salter et al. 1984) schlossen einen SNR definitiv aus. Schließlich fanden Kwitter et al. 1988 einen passenden Zentralstern mit scheinbaren Helligkeiten von 17,44 mag (V) und 17,43 mag (B). Dieser sehr blaue Stern ist heute als Weißer Zwerg WD 0127+581 bekannt. Damit ist die Frage "SNR oder PN?" gelöst: Simeiz 22 ist ein alter PN mit der Bezeichnung PN G128.0-04.1. Seine unregelmäßige Form verdankt er der Wechselwirkung mit dem interstellaren Medium. In der Frage der Entfernung ist sich die Wissenschaft aber uneins: die Werten liegen zwischen 218 und 760 pc (711 - 2480 Lj).

Das aktuelle AdW stammt von Walter Gröning. Er befand sich am 1.10.2013 am Aufnahmeort Sternenwelt Vogelsberg, Stumpertenrod. Teleskop war ein 300-mm-Newton (Selbstbau). Bei einer Brennweite von 1700 mm (Blende 5,7) wurde mit einer SBIG STL-11000 M 55 min in Luminanz und 20 min in RGB belichtet.

Zwei interessante Anmerkungen des Bildautors: a) "Müsste man tiefer belichten, um die gesamte Ausdehnung zu erkennen." Antwort: Genau! Lang belichtete Rot-Aufnahmen zeigen einen geschlossenen Ring. b) "Ich fragte mich während der Aufnahme, was geht da visuell?" Antwort: Das Objekt ist recht schwierig. Die Fotografie gaukelt ein helles Objekt vor. Simeiz 22 hat etwa 5-mal mehr Intensität im roten Licht des Stickstoffs [N II] als in H-Alpha, was ihn sehr rot macht. [O III] jedoch ist 4-mal schwächer als H-Alpha (Rosado & Kwitter 1982). Das deutet schon an, dass größere Teleskope nötig sind. Sichere Sichtungen gelingen erfahrenen visuellen Deep-Sky-Beobachtern bei sehr guten Bedingungen etwa ab 300 mm Öffnung mit [O III]-Filter.

 

Objektkoordinaten (2000.0):

RA = 01 h 30 min 33 s, DEK = +58° 24' 51''

 

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