20. Woche - Das Galaxienpaar M 81 und M 82 mit kurzer Brennweite

 -  Astrofoto der Woche  - 

M 81 und ihre Nachbarin M 82 bilden das Zentrum der „M 81-Gruppe“. Zu dieser Gruppe gehören noch die kleineren Galaxien NGC 2976, NGC 3077, IC 2574, Holmberg I und DDO 82, ferner zahlreiche Zwerggalaxien, beispielsweise Holmberg II, Holmberg IX sowie UGC 4483 und UGC 6456. Nach Karachentsev et al. (2004) ist M 81 etwa 11,8 Millionen Lj entfernt, gemessen über Cepheiden. Der scheinbare Durchmesser von M 81 beträgt 26,9´ x 14´, was einen wahren Durchmesser von ca. 92.000 Lj ergibt. Die Spiralgalaxie ist vom Typ Sb und hat eine visuelle scheinbare Helligkeit von 6,93 mag. Ihr mittlerer Farbindex B-V weist mit 0,93 mag auf eine gelbliche Färbung hin, wobei Kern und Bulge gegenüber den bläulichen Spiralarmen klar überwiegen. In den eng gewickelten Armen lassen sich bereits blaue Sternassoziationen sowie auch helle rot leuchtende H II-Regionen ausmachen. Die hellsten blauen Überriesen kommen auf etwa 20 mag!
M 82 steht etwa 37´ nördlich von M 81. Diese Galaxie erscheint diffus, sie wird den „peculiaren“ (= merkwürdigen) Galaxien zugerechnet. Im Inneren gibt es heftige Sternentstehung, von daher wird M 82 auch als Sternentstehungsgalaxie (starburst galaxy) bezeichnet. Den Anstoß für diese heftige Sternentstehung dürfte aus der nahen Begegnung zwischen M 81 und M 82 stammen. Überreste dieser Wechselwirkung sind immer noch als schwächste Gezeitenschweife sichtbar (wer mehr dazu wissen möchte, schaue ins VdS-Journal Nr. 40, P. Riepe: Wechselwirkende Galaxien). Außerdem zeigt sich, dass vom Zentrum von M 82 ausgehend eine riesige, diffuse Gasmenge nach außen expandiert. Ihre Wasserstoffanteile leuchten rot, wie das aktuelle AdW zeigt. M 82 ist etwa halb so groß wie M 81, ihre Entfernung liegt nach denselben Autoren (siehe oben) bei 11,5 Millionen Lj. Dies ergibt aus Messungen der hellsten RGB-Sterne – was nix mit den Farbfiltern der Amateure zu tun hat, sondern Sterne des „Red Giant Branch“ (Roter Riesenast) bedeutet.
Um beide Galaxien wirkungsvoll in Szene zu setzen, wird das Hochformat gern „flachgelegt“. Im aktuellen AdW ist Norden also rechts und Osten oben. Etwa 11´ östlich (im Bild also oberhalb) von M 81 erkennt man die kleine, schwache Begleitgalaxie Holmberg IX vom irregulären Typus.
Jürgen Beisser schickte dieses Übersichtsbild. Neu in der Gruppe der Astrofotografen, begrüßen wir ihn wie gewohnt mit lautem Beifall! Für dieses AdW ist die recht kurze Brennweite bemerkenswert: Aufnahmeoptik war ein Refraktor William ZS80FD mit f = 444 mm. Als Kamera wurde eine Atik 314 L+ verwendet, dazu die Filterungen (LH-Alpha)(RH-Alpha)GB kombiniert. Aufnahmedatum war der 10. Februar 2013. Belichtet wurde: 10 x 8 min (L), 4 x 15 min (H-Alpha), R und G je 6 x 5 min, für B schließlich 8 x 7 min. Das macht zusammen immerhin 256 min mit einer gewollten Überbetonung von H-Alpha für die Darstellung von M 82. Als Montierung fungierte eine NEQ6, die Nachführung übernahm eine Lodestar am Off-Axis-Guider. Während der Aufnahme war das Seeing laut Autor mäßig, was bei der kurzen Brennweite keinerlei Hindernis darstellt. Für die Himmelshelligkeit zeigte das SQM-L immerhin 21,17 mag, und das für den Aufnahmeort Lilienthal bei Bremen!
Objektkoordinaten (2000):

M 81: RA = 09 h 55 min 33 s, DEK = +69° 03´ 59´´M 82: RA = 09 h 55 min 54 s, DEK = +69° 40´ 57´´

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