20. Woche - Die „Heringsgalaxie“ NGC 4631

 -  Astrofoto der Woche  - 

Die Sc-Galaxie NGC 4631 liegt im Sternbild Jagdhunde. Schaut man in der Fachliteratur nach, so schwanken die Entfernungsangaben stark. Nach Sandage & Tammann (1975) beträgt die Entfernung 5,2 Mpc, das wären etwa 17 Millionen Lj. Neuere Messungen von Golla & Wielebinski (1994) legen 7,5 Mpc nahe, also 24,5 Millionen Lj. Misst man das blaue POSS-Bild der Galaxie aus, so kommt man auf eine Winkelausdehnung von 14,5´ x 2,2´. Das bedeutet auf den zweiten Entfernungswert bezogen einen wahren Durchmesser von etwas mehr als 100.000 Lj, was NGC 4631 in der Größe mit unserer Galaxis vergleichbar macht.
Die scheinbare Helligkeit beträgt 9,75 mag im Blauen und 9,19 mag im Visuellen. Daher ist der mittlere Farbindex B-V mit 0,56 mag weißbläulich, auch wenn das Galaxienzentrum recht gelb erscheint. Die weißbläuliche Farbe weist auf eine kräftige Sternentstehung in den Spiralarmen hin. Und in der Tat ist NGC 4631 von einigen H II-Regionen erfüllt. Sternentstehung ist auch indirekt durch einen Staubbogen nachweisbar, der höchstwahrscheinlich von Sternwinden und Supernova-Explosionen aufgeblasen wird. Wie ist die Sternentstehung zu erklären?
Schon seit etwa 35 Jahren ist man sich in der Fachwelt darüber einig, dass NGC 4631 mit zwei weiteren Galaxien in Wechselwirkung steht. Hauptpartner ist die nicht im Bild befindliche NGC 4656. Untersuchungen in der Verteilung des neutralen Wasserstoffs H I beweisen, dass es eine Brücke zwischen NGC 4631 und NGC 4656 gibt. Weiterhin erkennt man im aktuellen AdW (Norden oben) die kleine elliptische Zwerggalaxie NGC 4627. Sie zeigt eindeutige Verformungen. Aus vielen anderen vergleichbaren Fällen weiß man: Wechselwirkungsphänomene regen die Sternentstehung in den beteiligten Galaxien an.
Harald Strauß nahm NGC 4631 am 22.03.2012 an der Sternwarte Gahberg auf. Die Transparenz war mäßig, das Seeing gut bis sehr gut. Als instrumentelle Ausrüstung (wer den Begriff nicht kennt: Equipment!) diente ein 14"-Hypergraph mit 3140 mm Brennweite auf einer Montierung des Typs ASA DDM85, dazu eine CCD-Kamera SBIG ST-11000M. Alle Bilder wurden ohne Korrektur der Nachführung (guiding) mit maximaler Belichtungszeit von 5 min pro Einzelbild aufgenommen. Insgesamt wurde 5 h 13 min belichtet, im Luminanzkanal ohne Binning, in den Farbkanälen mit zweifachem Binning. Beachtlich im aktuellen AdW ist die hohe Auflösung!

Koordinaten: RA = 12 h 42 min 08 s, DEK = +32° 32´ 29´´

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