20. Woche: Ein Blick auf die Mondmitte

 -  Astrofoto der Woche  - 

Wieder einmal hat Thomas Jäger eine sehr gut aufgelöste Mondaufnahme eingeschickt! Der Blick erstreckt sich auf die Mondmitte. Dort liegt im unteren Bereich von rechts nach links eine bekannte Kette aneinandergereihter Ringgebirge: Ptolemäus, Alphonsus und Arzachel. Ptolemäus hat immerhin um die 150 km Durchmesser und ist innen nahezu strukturlos, ohne Zentralberg. Der Sohlenkrater Ammonius ist erkennbar. Alphonsus (mit einem kleinen Zentralberg) und Ptolemäus haben ein beträchtliches Stück zerklüfteten Wall gemeinsam. Arzachel schließlich ist gekennzeichnet durch seinen terrassierten Kraterwall. Einen sehr markanten Zentralberg hat Alpetragius, hier im Bild oberhalb der Verbindungslinie Alphonsus/Arzachel gelegen.

Die flache Ebene oberhalb der genannten Kette von Ringgebirgen ist das Mare Nubium. An seinen "Gestaden" nahe Arzachel liegt der Krater Thebit. In Wirklichkeit sind es drei Krater, die sich mit ihren Wällen gegenseitig durchdringen. Im Bild knapp oberhalb von Thebit und gleichzeitig in der Bildmitte liegt ein dunkler Strich - kein Fehler in der Aufnahme, sondern eine 120 km lange Stufung im Mondgelände, die man bei diesem flachen Sonnenstand und von daher gutem Schattenwurf (die Sonne scheint sozusagen von unten her) deutlich wahrnimmt. Diese Stufung bzw. Verwerfung trägt den Namen "rupes recta", manchmal auch als "Lange Wand" bezeichnet. Man braucht gar nicht so viel Phantasie, um zu sehen, dass rupes recta wie eine Durchmesserlinie einen großen, teilweise im Mare Nubium versunkenen Krater in zwei Hälften teilt. Dicht bei rupes recta liegt der kleine Krater Birt. Von ihm aus verläuft eine kleine lunare Rille nahezu parallel zu rupes recta. Das ist "rima Birt".

Das Foto hat Thomas Jäger am 8. Januar 2006 aufgenommen. Er benutzte den 7-Zoll-Refraktor der Sternwarte Nürnberg. Als Projektiv diente ein 40 mm TS Superview. Die Kamera war eine Nikon Coolpix 995 im Autofokusbetrieb. In der anschließenden Bildverarbeitung erfolgte zunächst die Umwandlung in Graustufen, danach Schärfung und Kontrastausgleich durch synthetische Maske.

nach oben

Anzeige