21. Woche - Der ungewöhnliche Planetarische Nebel Messier 97

 -  Astrofoto der Woche

Bildautor Kai-Oliver Detken und Mark Schocke

Der Planetarische Nebel (PN) Messier 97 steht im Sternbild Ursa Major. Heute sehen wir eine tiefe Aufnahme eines „Astrofotografen-Gespanns“: Mark Schocke und Kai-Oliver Detken. Das Bildfeld zeigt Norden links und Osten unten. Orte zur Aufnahme waren Oberhausen im lichtverschmutzten Ruhrgebiet und Grasberg, welches bei der Nähe der Großstadt Bremen nicht minder unter Himmelsaufhellungen leidet. Die Aufnahmen datieren vom Februar 2015 (Oberhausen) sowie vom Winter 2018/19 (Grasberg). Teleskope waren ein Lacerta-Newton 200/800 und ein Refraktor TS Photoline 130/910 (ein Triplett-Apochromat f/7). Montierungen: Losmandy G11 und iOptron CEM60 (parallaktisch). Als Reducer/Flattner wurden verwendet: TS-Optics Field Flattener, 2-Zoll-Korrektor (Refraktor). Das Autoguiding geschah über SX Lodestar und Lacerta M-GEN V2. Als Kameras wurden verwendet: Moravian G2-8300 und ZWOptical A.S.I.183MCpro. Engbandfilter: 12 nm HWB von Astronomik für Hα und [OIII], dazu für das Bremer Umfeld ein IDAS-Nebelfilter LPS-P2-48 (2 Zoll) von Hutech. Belichtung: je 35 x 15 min für Hα und [OIII] mit der CCD-Kamera, dazu 145 x 3 min (RGB) mit der Farbkamera. Gesamtbelichtungszeit: 24,5 Stunden. Aufnahmesoftware: AstroPhotography Tool Version 3.63, Bildbearbeitungssoftware: PixInsight und Photoshop CS 5.1.

Zum Objekt selbst: M 97 ist zwar als Messierobjekt bekannt, er wurde aber nicht von Charles Messier entdeckt, sondern von Pierre Méchain (1781). Messier bestätigte die Entdeckung noch im gleichen Jahr, und auf diese Weise kam der PN als Objekt Nr. 97 in den Messier-Katalog. Lord Rosse sah mit seinem 72-zölligen Spiegel die beiden dunklen Höhlen, von ihm stammt die Namensgebung „Eulennebel“. Im bekannten „Strasbourg-ESO Catalogue“ (Acker et al. 1992) wird M 97 mit einem optischen Durchmesser von 170 Bogensekunden angegeben. Die hier im AdW gezeigten Nebelfarben sind stimmig. So stellt der [O III]-Anteil rund 71% des optischen Lichtes dar, das rote Hα-Licht erreicht nur 22%. M 97 ist ein Beispiel dafür, dass junge PN auch im He II strahlen können, allerdings vergleichsweise gering. He II ist keine „verbotene“ Linie, wird daher im Gegensatz zu [O III] nicht in eckigen Klammern geschrieben.

Der Zentralstern von M 97 kommt auf eine scheinbare visuelle Helligkeit von 15,8 mag, d.h. er kann in größeren Teleskopen gut wahrgenommen werden. Bemerkenswert ist die Eigenfarbe: Der Farbindex beträgt -0,37 mag (!). Dieses extreme Blau tritt im AdW deutlich in Erscheinung. Zurückzuführen ist das auf eine sehr heiße Oberflächentemperatur von 85.000 K. Die Entfernung des PNs liegt neueren Messungen zufolge zwischen 0,43 und 0,61 kpc, das sind 1400 bis 2000 Lichtjahre. Der daraus folgende wahre Nebeldurchmesser beträgt rund 1,3 Lichtjahre. Bei den Pixelkoordinaten (666/858) befindet sich übrigens ein Objekt, das weder einen nebulösen Ursprung hat noch zu M 97 gehört: die Galaxie LEDA 34279. Sie ist 450 Mio. Lj entfernt.

In der Regel ist ein PN das Endstadium einer Sternentwicklung. Bei M 97 sehen wir einen Stern von 0,7 Sonnenmassen in seinem Endstadium. Während der vorangegangenen Lebensphase auf dem „asymptotischen Riesenast“ (engl. asymptotic giant branch AGB) ereigneten sich mehrere Materieauswürfe, von denen drei als klare Schalen nachweisbar sind. Anhand der Schalen wurde eine Expansion von rund 34 km/s festgestellt. Das Alter des Eulennebels wird von daher auf 6000 Jahre geschätzt. Im aktuellen AdW sind die zwei hellsten Schalen sofort sichtbar – mit rötlichem Rand, dazu aber zusätzlich eine sehr lichtschwache, blaue Außenschale. Sie ist nur in der [OIII]-Filterung nachweisbar. Erstaunlich ist nun Folgendes. PNe zeigen üblicherweise außen das rote Hα-Leuchten und innen das blaugrüne [OIII]-Leuchten. Das ist zwar bei M 97 grundsätzlich auch der Fall, aber die extrem lichtschwache [OIII]-Schale liegt außen!

Anmerkung: Diese schwache Außenstruktur in der "astrofeindlichen" Umgebung dermaßen gut darzustellen, nötigt uns Respekt ab. Dementsprechend darf man ruhig ein Hintergrundrauschen in Kauf nehmen. Wir gratulieren zum AdW und zum gelungenen Bild!

Peter Riepe

 

Koordinaten J2000.0:
RA = 11 h 14 min 58.3 s, DE = +54° 57' 41''

 

Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

 

Mitmachen beim Astrofoto der Woche

Ihr möchtet Euch für das Astrofoto der Woche bewerben? Dann schickt uns Euer Bild. Jetzt zum Formular gehen!

Mailingliste der VdS-Fachgruppe Astrofotografie

Die VdS-Fachgruppe Astrofotografie bietet allen Interessierten eine Mitgliedschaft in einer aktiven Mailingliste an.
Weitere Informationen erhalten Sie unter http://astrofotografie.fg-vds.de/mailingliste.php3

nach oben

Anzeige

Sonnenfinsternis in der Antarktis