22. Woche: Das Galaxienpaar NGC 4631/4656 in den Jagdhunden

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das hier vorgestellte Paar befindet sich etwa auf der Hälfte der Verbindungslinie zwischen dem Hauptstern Alpha im Sternbild Jagdhunde und dem großen Coma-Sternhaufen Melotte 111, der schon für das bloße Auge einen prachtvollen Anblick bietet. Beide Galaxien sind von ihrer Gestalt her auffällig (engl.: peculiar = seltsam). Sie gehören der CVn-II-Cloud an.

NGC 4631 (rechts oben im Bild) ist eine "egde-on-Galaxie" mit einer scheinbaren Größe von 15.1´ x 3.3´. Ihrer Form wegen wird sie auch "Heringsgalaxie" genannt. Man erkennt eine Sc-Spirale in Kantenlage, durchsetzt von zahlreichen hellen Knoten und dunklen Staubwolken. Die Zentralregion erscheint rötlichbraun. Der bekannte Halton Arp hat NGC 4631 als Nr. 281 in seinen "Arp-Katalog" aufgenommen. An ihrer Nordflanke zeigen sich einige schwache, diffuse Gebilde, wahrscheinlich Sternewolken. Könnte man NGC 4631 von oben sehen, sozusagen "face-on", wären diese Gebilde womöglich ähnlich den Federbüscheln, die sich von M 51 nach Norden erstrecken (siehe AdW 19/2006). Direkt nördlich von NGC 4631 steht eine kleine Begleitgalaxie, NGC 4627. Sie hat etwa 3´ Ausdehnung und wird als elliptische Zwerggalaxie mit Kern katalogisiert. Sie ist - wie unser sehr tiefes AdW eindeutig belegt - nach Nordosten verbogen. Beide Galaxien gehören nicht nur optisch, sondern auch physikalisch zusammen, das beweist ihre ähnliche Fluchtgeschwindigkeit von 638 bzw. 685 km/s. Die Wechselwirkung steht damit außer Zweifel. Aus der Fluchtgeschwindigkeit lässt sich für NGC 4631/4627 mit einer Hubble-Konstanten von 75 km/(s*Mpc) grob eine Entfernung von ca. 28 Millionen Lj berechnen. NGC 4631 hätte damit eine wahre Ausdehnung von etwa 120000 Lj.

Im Bild links unten, 31´ von NGC 4631 entfernt, befindet sich eine weitere interessante Galaxie, NGC 4656. Als Typus findet man in der Literatur Sc, aber ihr Anblick ist wenig regelmäßig, eher verzogen und mit einem hochgehaltenen Hockeyschläger vergleichbar. Schaut man genauer hin, entdeckt man in nordöstlicher Fortsetzung ein schwaches Leuchten. Das ist NGC 4657, die mit NGC 4656 offenbar in heftigem Wechselspiel steht. Die zu den Galaxien gehörenden Gasscheiben haben an den Kontaktstellen schon bewirkt, dass im hellen Nordostteil von NGC 4656 eine klare Sternbildung abläuft. Daher sind diese Partien wegen der jungen Sterne bläulich. Die 13.8´ lange Galaxie ist mit einer Fluchtgeschwindigkeit von 662 km/s gleich weit wie NGC 4631 entfernt. Sie ist entsprechend etwa 110000 Lj groß.

Günter Kerschhuber hat dieses Bild am 1. Mai 2005 von Kirchdorf/Österreich aus aufgenommen. Er benutzte ein TeleVue NP 101 bei f = 540 mm und eine Starlight SXV-H9. Das LRGB-Bild wurde 116/38/36/48 min belichtet.

NGC 4631: RA = 12 h 42.1 min, DEK = +32° 32´
NGC 4656: RA = 12 h 44.0 min, DEK = +32° 10´

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