24. Woche - Der Zentralteil des Skorpions

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das aktuelle AdW zeigt das 5,5° x 4° große Zentralgebiet des Skorpions. In dieser ausgedehnten Zone reicher interstellarer Materie liegt Norden auf etwa 11:30 Uhr. Blickfang unten im Bild ist der helle Antares, ein orangefarbener Überriese des Spektraltyps M0. Sein Licht wird von dem hellen Nebelkomplex IC 4606 gleichfarbig reflektiert. Weiter westlich findet sich Messier 4, einer der sehr nahe gelegenen galaktischen Kugelsternhaufen. Wesentlich unscheinbarer (weil weiter weg) ist NGC 6144, ebenfalls ein Kugelsternhaufen knapp nordwestlich von Antares. Von M 4 aus nach Norden leuchtet der zweithellste Stern des Bildes, der B1-Riese Sigma Scorpii mit 2,9 mag. Er bringt von seiner Oberflächentemperatur her gerade noch die nötige UV-Energie auf, um die umgebende H II-Region Sh2-9 zu ionisieren und sie zur H-Alpha-Emission anzuregen. Von hier aus nach Nordosten erscheint die graublaue Nebelzone GN 16.22.4 um den 7,95 mag hellen Stern HD 147889. Dunkle Strähnen durchsetzen diesen Reflexionsnebel. Direkt am oberen Bildrand liegt der Reflexionsnebel IC 4604. Er umgibt den 4,6 mag hellen blauen B1-Stern Rho Ophiuchi (mit zwei Begleitsternen). Der kleine sehr blaue Reflexionsnebel in der Bildmitte ist IC 4605, der den blauen B3-Stern 22 Scorpii einhüllt. Nach links – also Osten – ziehen sich riesige dunkle Nebel in den Schlangenträger hinein.

 

Bildautor Werner Probst schreibt: „Jetzt wäre ja Skorpion-Zeit, aber leider spielt das Wetter nicht mit und so kramte ich im Archiv und startete eine Neubearbeitung mit PixInsight.“ Die Aufnahme stammt aus 2011, verwendet wurde ein Objektiv Canon EF 200LII und als CCD-Kamera eine Moravian G2-8300FW. Aufnahmeort war der heimische Balkon in Gurk/Kärnten. Belichtet wurde das LRGB mit je 8 x 600 s.

 

Kommentar zum AdW: Bilder des Skorpions sind von Mitteleuropa aus aufgenommen immer etwas ganz Besonderes, erst recht, wenn sie die blauen Reflexionsnebel im Feld um Antares so gut wie hier zeigen. Werner Probst belichtete von dem kleinen Kärntener Ort Gurk aus, etwa 650 m hoch gelegen und knapp südlich des 47ten nördlichen Breitengrades. Von dort steigt das Aufnahmefeld nur maximal 18° über den Horizont. Das Sternenlicht muss sich vor Erreichen der Kamera durch fast das 3,5-Fache an Atmosphäre kämpfen, als wenn in Richtung Zenit fotografiert würde. Und dieser Wert der 3,5-fachen Luftmasse (engl. Fachbegriff: air mass) gilt nur für eine ganz saubere Atmosphäre. Bei leichten Trübungen wird alles noch schlimmer, insbesondere der kurzwellige, blaue Anteil des Stern- und Nebellichts wird viel stärker gestreut und absorbiert als der langwellige, rote Anteil. Hinzu kommt, dass genau im Süden, da wo das Aufnahmefeld kulminiert, die größte Stadt Kärntens - Klagenfurt - mit einer ordentlichen Lichtglocke in nur 28 km Entfernung liegt. Es ist umso erstaunlicher, welche schwachen Nebel mit all ihrer Farbdifferenzierung von Rot über Braun, Gelb bis Blau hier herausgearbeitet wurden. Besser dürfte das nur noch von einem Hochgebirgsstandort wie zum Beispiel der Großglockner Hochalpenstraße gehen.

 

Interessant ist übrigens der Vergleich mit dem AdW 28/2011. Schauen Sie im AdW-Archiv nach.

 

Koordinaten J2000.0:

RA = 16 h 25 min, DE = -25° 30´

 

Sie möchten zum Autor Kontakt aufnehmen? Klicken Sie einfach oben links auf seinen Namen.

nach oben

Anzeige