29. Woche - Albireo, ein Dreifachstern

 -  Astrofoto der Woche  - 

Die Milchstraße im Schwan ist jetzt im Sommer in mitteleuropäischen Breiten dominierend. Und während Deneb mit dem angrenzenden Komplex aus Nordamerikanebel und Pelikannebel immer wieder als bevorzugtes Aufnahmeobjekt gewählt wird (bei Gamma Cygni mit den umgebenden HII-Regionen ist es nicht anders), war an dem zweithellsten Stern Albireo bisher eigentlich niemand so recht interessiert. Anders dachte unser Bildautor Bernd Weinzierl, der am 29. Mai dieses Jahres Albireo ins Aufnahmefeld setzte und uns jetzt dieses ungewöhnliche Motiv präsentiert.

Bei Albireo bzw. Beta Cygni handelt es sich – wie das Bild eindeutig zeigt – zunächst einmal um einen Doppelstern. Die hellere Komponente Albireo A ist ein Riese vom Spektraltyp K3 mit V = 3,085 mag und Fabindex B-V = 1,08 mag. Der Begleiter Albireo B ist ein V = 5,11 mag heller Hauptreihenstern vom Spektraltyp B8 und Farbindex B-V = -0,1 mag. Damit sind die Farben klar: Gelborange für Albireo A und knallblau für Albireo B. Dieser Farbgegensatz macht Albireo A/B zu einem reizvollen visuellen Beobachtungsobjekt. Der Komponentenabstand beträgt laut Koordinaten J2000.0 (SIMBAD) 34,5“. Daher gelingt eine visuelle Trennung der Komponenten schon mit kleinen Teleskopen. Als Entfernung geht man von 410 Lichtjahren aus. Eine Umlaufbewegung der Komponenten wurde bisher nicht beobachtet. Das ist auch leicht verständlich, denn der Komponentenabstand ergibt bei 410 Lj Entfernung einen projizierten wahren Komponentenabstand von 0,068 Lj - immerhin 4300 Astronomische Einheiten.

Albireo A seinerseits ist ein spektroskopischer Doppelstern, das hatte J.A. Hynek bereits 1938 festgestellt. Der K3-Stern war teleskopisch zunächst einmal nicht zu trennen. Dies wurde von R.H. Wilson 1950 nach Beobachtungen mit einem 18-zölligen Refraktor noch ausdrücklich betont. Jedoch gelang Harold McAlister 1977 bereits mit der damals neuen Speckle-Interferometrie am 4-m-Teleskop des Kitt Peak der Nachweis einer 0,435“ entfernten Komponente. Albireo Aa, so der Name dieses nun aufgelösten Begleiters, wurde dann erstmals als visueller Doppelstern mit dem 50-cm-Refraktor der Sternwarte Nizza vermessen. J. Le Beau ("der Schöne") gab 0,40" als Messergebnis an. Und schließlich nahmen sich J.-L. Prieur et al. 1995 am Pic du Midi ebenfalls mit Hilfe der Speckle-Interferometrie zahlreiche spektroskopische Doppelsterne vor und bestimmten für Albireo Aa einen Komponentenabstand von 0,397“. Die zeitliche Folge deutet klar darauf hin, dass hier eine echte Bewegung vorliegt. Albireo A, Aa und B bilden nun ein echtes Dreifachsystem.

Das aktuelle AdW entstand remote in Nerpio (Spanien). Aufnahmeteleskop war ein 368-mm-Newton mit 1333 mm Brennweite (Besitzer: Robert Pölzl). Mit einer CCD-Kamera FLI 8300 wurde ein LRBG von jeweils 15 x 90 s angefertigt.

Anmerkung des AdW-Teams: Selten sieht man wie in diesem Bild, dass auch auf die Farberhaltung in den hellen Sternen Wert gelegt wurde, so dass man kein „Ausbrennen“ erkennt. Lob in schärfster Form!

Objektkoordinaten (2000.0):
RA = 19 h 44 min 20 s, DEK = +27° 57’ 45”

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