30. Woche - IC 4628 und NGC 6188

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das heutige AdW präsentiert uns eine Szenerie aus den Assoziationen Sco OB1 und Ara OB1, d.h. ein Gebiet vom südlichen Sorpion bis zum Ara (= Altar). Das Bild zeigt ein Feld von 15° x 10°, Norden ist links, Osten unten. Einige formenreiche HII-Regionen springen ins Auge. Links im Bild ist der helle Emissionsnebel IC 4628 zu sehen, populär auch als „Garnelen-Nebel“ bekannt. Er umgibt den sehr lockeren offenen Sternhaufen H 12 und erhält von ihm auch einen Großteil der Anregungsenergie. IC 4628 ist der nordöstliche Teil einer ringförmigen HII-Region. Sie wurde neben vielen anderen von B.J. Bok, M.J. Bester und C.M. Wade an der Boyden-Station des Harvard College Observatory in Südafrika entdeckt, als BBW 31100 katalogisiert und 1952 veröffentlicht. Unabhängig davon führte auch Colin Gum seit 1951 in Australien eine Hα-Erforschung des Südhimmels durch und stieß auf dieses Objekt. In seinem Katalog trägt der Nebel die Nr. 55. Gum selbst gibt für ihn einen Durchmesser von 4° an. Fünf Jahre später publizierten A.W. Rodgers, C.T. Campbell und J.B. Whiteoak J.B. ihren Hα-Katalog (RCW), in welchem BBW 31100 mit dem Katalognamen RCW 113 erscheint. Der Durchmesser wird auf 6° x 5° beziffert.

Im ungefähren Zentrum von BBW 31100 (Gum 55, RCW 113) sitzt NGC 6231, zunächst ein unscheinbarer offener Sternhaufen. Das aber täuscht, denn es handelt sich um einen der hellsten Sternhaufen des südlichen Himmels mit B = 2,83 mag und V = 2,6 mag. Damit ist NGC 6231 sehr blau und sehr jung, man schätzt sein Alter auf nur 3 bis 7 Mio. Jahre. Sehr viele massive Sterne wurden bisher gefunden, Astronomen reden von mehr als 100. Die Zahl der heißen O-Sterne wird auf etwa 15 veranschlagt. NGC 6231 regt nicht nur mit starker UV-Strahlung die HII-Region zur Emission an, sondern sorgt offensichtlich auch für die ringförmige Morphologie. Heftige Sternwinde spielen ebenso eine Rolle wie auch die Möglichkeit, dass hier mindestens eine Supernova explodiert ist. Die Entfernung von NGC 6231 und damit auch von BBW 31100 liegt zwischen 5200 und 6500 Lj.

Der zweite auffällige Emissionsnebel ist NGC 6188 (RCW 108) im Sternbild Ara. Aus dem Bild lässt sich bis in die lichtschwächsten Ausläufer ein Längsdurchmesser von 3,6° bestimmen. Der Nebel beinhaltet in seinen hellsten Partien den offenen Sternhaufen NGC 6193, den Mittelpunkt von Ara OB1. Er ist ähnlich jung wie NGC 6231, nämlich nur fünf Mio. Jahre und rund 4600 Lj entfernt. Hier im Bild bleibt er punktförmig, jedoch hat er es im wahrsten Sinne des Wortes „in sich“. Im Sternhaufen stecken nämlich zwei extrem heiße Sterne der Spektraltypen O5 und O7. Sie allein liefern den überwiegenden Teil der Anregungsenergie für NGC 6188. Wie die vielen Dunkelwolken bereits nahelegen, ist NGC 6188 reich an CO-Gas. Die stärkste Konzentration dieses Gases liegt in der Dunkelwolke direkt westlich (oberhalb) von NGC 6193. Hier wurde eine starke IR-Quelle entdeckt, ein im Nebel verborgener frisch entstandener Sternhaufen. An genau dieser Stelle befindet sich im visuellen Spektralbereich ein leuchtendes, diffuses Fleckchen (Frogel 1974).

Geht man in den westlichen Nebelbereich (hier also nach oben zum Nebelrand), so bemerkt man ein kleines helles Objekt mit Propellerform. Es ist der Wolf-Rayet-Nebel NGC 6164/5, in dessen Zentrum der heiße WR-Stern HD 148937 sitzt. Offenbar hat dieser Stern nicht nur den kleinen „Propeller“ erzeugt, sondern zu viel früheren Zeiten auch schon die ihn umgebende runde Nebelstruktur. Sie formt sowohl im Inneren von NGC 6188 Filamente und bildet darüber hinaus auch den bogenförmigen, schwachen Westrand von NGC 6188. Dort findet der Zusammenstoß mit dem übrigen interstellaren, molekularen Medium statt.

Noch ein interessantes Detail ist am unteren Bildrand rechts der Mittelachse zu sehen. Es handelt sich um die hellsten Filamente des Ara-Supernovarestes. Dieses seltsame Objekt haben wir im VdS-Journal für Astronomie, Heft 57, ausführlichst vorgestellt.

Dieter Willasch, Mitglied der Fachgruppe Astrofotografie, ist Bildautor. Am 6. Mai 2016 nahm er das Gebiet aus Somerset West in Südafrika auf. Eine SBIG STL-11000M wurde mit einem 135-mm-Objektiv 1:2 (Marke Samyang) kombiniert. Bei Blende 2,8 betrug die Belichtungszeit 6 x 10 min in Hα und jeweils 4 x 5 min in RGB.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Dieter Willasch nutze die Gelegenheit an seinem Zweitwohnsitz in Somerset West, nahe Kapstadt/Südafrika, um ein schönes Feld der südlichen Milchstraße abzulichten. Die Bedingungen nahe der Großstadt sind sicherlich nicht so gut, wie es ein Beobachtungsplatz in Südafrika vielleicht vermuten lässt. Darum wählte Dieter Willasch einen schmalbandigen Hα-Filter, um der Lichtverschmutzung ein Schnippchen zu schlagen. Eine Stunde lang belichtete er mit einer CCD-Kamera durch ein 135-mm-Objektiv, und eine weitere Stunde durch RGB-Filter, um eine Farbaufnahme erstellen zu können. Daraus ergibt sich zwangsläufig eine Farbdarstellung, die die HII-Gebiete der Region deutlich betont. Der Kontrast zwischen den sternreichen „Sandbänken“ der Milchstraße auf der einen Seite, den dazwischen liegenden Dunkelnebeln und den HII-Regionen kommt so sehr deutlich heraus. Leider haben sich aber auch grünliche Gradienten ins Bild geschmuggelt, die unter Umständen der vorhandenen Lichtverschmutzung geschuldet sind. Abhilfe schaffen hier kleine Helferprogramme, die diese grünen Gradienten zuverlässig entfernen.

Das verwendete 135-mm-Objektiv des koreanischen Herstellers Samyang kursiert weltweit unter verschiedenen Marken (Walimex, Rokinon, Vivitar). Diese Objektive zeichnen sich durch ein ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis aus. Die optische Qualität gerade des hier verwendeten 135-mm-Objektivs ist exzellent. Nachteil ist, dass die Objektive über keinen Autofokus verfügen. Das ist in der Astrofotografie aber ohnehin kein Thema, und darum stellen die Samyang-Objektive eine sehr gute Alternativen zu wesentlich teureren Objektiven der bekannten Kamerahersteller dar.

Wir gratulieren Dr. Dieter Willasch zum gelungenen Ergebnis.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim und Dr. Stefan Binnewies

Koordinaten J2000.0:
RA = 16 h 54 min 09 s, DE = -41° 49' 36" (NGC 6231)
RA = 16 h 40 min 00 s, DE = -48° 30' 00" (NGC 6188)

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