30. Woche: Messier 8 und seine Umgebung

 -  Astrofoto der Woche  - 

Messier 8, der Lagunennebel, ist eines der beliebtesten Aufnahmeobjekte des Sommerhimmels. Man findet den Emissionsnebel etwa 4° nördlich der hellsten Milchstraßenwolken des Sternbilds Schütze. Für Mitteleuropa bleibt das Objekt immer sehr horizontnah. In Deutschland (ca. 50° n. Br.) kommt es in Kulmination gerade einmal 16° über den Horizont. Die scheinbare Ausdehnung beträgt 90 x 40 Bogenminuten. Damit ist der Lagunennebel etwa 5000 Lj entfernt, so dass wir seine wahre Größe auf 130 Lj berechnen können mehr als doppelt so groß wie der Orionnebel. Rechts oben erkennen wir den blauen A0-Stern 4 Sgr, er hat 4.76 mag, steht aber mit dem Lagunennebel absolut nicht in Beziehung. Angeregt wird Messier 8 durch zahlreiche junge und heiße O-Sterne. Sie stecken beispielsweise in dem offenen Sternhaufen NGC 6530, der mit 15° scheinbarem Durchmesser in Messier 8 liegt. Der hellste und energiereichste Stern dieses Haufens ist ein O5-Stern mit 6.87 mag scheinbarer visueller Helligkeit. Links unterhalb von Messier 8 bemerkt man eine Anhäufung kräftig gelber Sterne. Sie gehören zu NGC 6544, einem 15000 Lj entfernten und nur wenig bekannten Kugelsternhaufen des inneren galaktischen Halos. Der durchschnittliche Farbindex B-V = 1.34 mag beweist, dass er tatsächlich kräftig gelborange ist, wie es das AdW auch gut wiedergibt. Diese deutliche "Rötung" liegt an der interstellaren Materie, die in Richtung zum galaktischen Zentrum sehr dicht wird. Wer nimmt sich NGC 6544 in Namibia einmal vor? Spannend ist, dass die gelborangenen Riesensterne des Haufens nicht sphärisch um das Zentrum verteilt sind, sondern eine langgezogene Fahne bilden!

Robert Pölzl nahm das Bild am 5. Juni 2010 auf, Aufnahmeort war Salzstiegel in der Steiermark. Seine Ausrüstung (für die Anglophilen: natürlich ist Equipment gemeint!) besteht aus einem Refraktor TMB 80 mm / 480 mm mit Televue FlatS, was auf effektive 410 mm Brennweite führt. Als CCD-Kamera wurde eine Fingerlake FLI 8300 mit Baader RGB-Filtersatz bei 35° Kühlung verwendet. Belichtet wurde RGB jeweils 3 x 10 min ohne Binning, also kein LRGB-Bild, sondern lediglich ein RGB-Bild. Aufnahme-Software war MaxIm DL, für die Bildbearbeitung wurden CCD Stack und Photoshop CS2 benutzt.

RA = 18 h 03.8 min, DEK = -24° 23´

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