30. Woche - Selten fotografiert – NGC 5466

 -  Astrofoto der Woche  - 

Wer denkt beim Sternbild Bootes schon an einen Kugelsternhaufen? M 3, M 5, M 13 und M 92 – das sind doch die typischen Kugelhaufen, die man im Frühsommer bei hoher Deklination wählt, nicht wahr? Aber nur 5° östlich des bekannten M 3 gibt es im Bootes eben auch einen solchen Kugelsternhaufen, nämlich NGC 5466. Im Vergleich zum Paradebeispiel M 13 ist er mehr als doppelt so weit weg, nämlich an die 52.000 Lj, daher kommt er auch nur auf visuelle 9 mag. Der scheinbare Durchmesser beträgt aber 11´, und damit erreicht NGC 5466 einen wahren Durchmesser von immerhin 166 Lj – deutlich größer als M 13 mit 120 Lj.

NGC 5466 ist im Zentrum ziemlich locker aufgebaut und besitzt dort eine wesentlich geringere Sternendichte, wenn man ihn mit anderen Kugelsternhaufen gleicher Leuchtkraft vergleicht. Kein Wunder, denn NGC 5466 hat auf seiner sehr exzentrischen Bahn durch die Gravitation der Milchstraße sehr viele Sterne verloren. Wo sind sie geblieben? Sie ziehen sich jetzt als 45° langer, schwacher Sternenstrom von NGC 5466 bis ins Sternbild Ursa Major (Grillmair & Johnson 2006).

Günter Kerschhuber hat den Kugelsternhaufen am 10. April und am 6. Mai 2011 von der Gahberg-Sternwarte aufgenommen. Sehr schön zeigen sich die gelben bis orangefarbenen Roten Riesen mit visuellen Helligkeiten zwischen 13,5 und 16 mag. Ganz vorzüglich getroffen sind die vielen blauen Horizontalast-Sterne. Sie sind 16,5 bis 17 mag hell. Dazu gibt es eine Fülle von blauen Sternen, die „Blue Stragglers“ genannt werden. Ihre visuellen Helligkeiten liegen bei 19 mag. Sie sind aber im Bild nicht erkennbar, weil das LRGB-Verfahren die Farben der schwächsten Sterne leider stark abschwächt. Nichtsdestotrotz geht die Grenzgröße des Bildes an 22 mag heran! Schaut man genau hin, so entdeckt man außerdem im Hintergrund noch zahlreiche entfernte Galaxien. Der helle gelbe Stern links ist HD 123409 mit 6,9 mag und einem Spektraltyp K0. Sein Farbindex beträgt B-V = 0,99 mag.

Das Luminanzbild entstand mit einem zehnzölligen Astrographen (ASA N10) bei 950 mm Brennweite und L-Filter (Baader), Kamera war eine SBIG ST-10XME, Belichtung 210 Minuten. Parallel dazu wurden die Farbbelichtungen in RGB vorgenommen, je 80 Minuten pro Farbkanal. Dazu kam ein 4"-Apo (Televue NP101) bei nur 540 mm Brennweite zum Einsatz, mit einer Starlight SXV-H9 und Astrodon-Filtern. Das gesamte Instrumentarium befindet sich auf einer Montierung des Typs Gemini G42. Neben der üblichen Software (Maxim, Astroart, PSP CS2, Fits Liberator) ist erwähnenswert, dass die Farbkalibration mit Regim erfolgte. Fachgruppenmitglied Andreas Rörig, der Urheber dieses Programms, hat hier eine sehr schöne Farbkalibration anhand der Farbindizes B-V eingerichtet. Dies gelte als Hinweis an all diejenigen, denen die korrekte Farbkalibrierung noch nicht geläufig ist (P.R.).

RA = 14 h 05 min 27 s, DEK = +28° 32´ 04´´

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