35. Woche: Die Dunkelwolke LDN 865

 -  Astrofoto der Woche  - 

Die helle Milchstraßenwolke im Sternbild Schwan ist reichlich mit Dunkelwolken angefüllt. Eine davon ist LDN 865 aus dem Katalog „Lynds Dark Nebulae“, ein wenig nördlich der Dunkelwolke Barnard 144 gelegen. Man kann die Form als flaches, auf der Spitze stehendes Dreieck betrachten. Direkt am nördlichen Rand befindet sich der A-Stern HD 190275 mit 6.93 mag und einem Farbindex B-V = 0.23 mag. Und da der Schwan auch von zahlreichen Emissionsnebeln durchzogen wird, verwundert es niemanden, dass die östliche Spitze von LDN 865 auch in schwache, rötlich leuchtende H II-Anteile eingebettet ist. Dies ist LBN 190 aus dem Katalog „Lynds Bright Nebulae“. Einen sehr schönen Farbkontrast bildet direkt unterhalb der Dunkelwolkenspitze die kleine Kette aus drei blauen Sternen mit dem orangefarbenen Mira-Veränderlichen V1303 Cygni.

Diese Aufnahme von Günter Kerschhuber war ein Firstlight seines Konzepts „Starbig“. Dazu wurde das Objekt mit zwei Teleskopen gleichzeitig aufgenommen. Dies geschah am 1. Juli 2008 auf der Gahberg-Sternwarte am Attersee im Salzkammergut. Für das Luminanzbild wurde ein Maksutov (Intes MK69) von 150 mm Öffnung und 900 mm Brennweite verwendet. Kamera war eine SBIG ST-10XME. Für die Farbbilder kam ein 4-zölliger Apochromat (Televue NP101) bei f = 540 mm zum Einsatz. Er war mit einer Starlight SXV-H9 kombiniert. Beide Teleskope saßen gleichzeitig auf einer Montierung Gemini G42. So war es möglich, dass in der kurzen Sommernacht von 23 h 30 min bis 03:00 Uhr doch noch 6 Stunden und 34 Minuten Gesamtbelichtungszeit zustande kamen. Luminanz: 200 min belichtet, RGB mit 63/63/68 min belichtet.

Dazu noch eine Anmerkung: Während viele Astrofotografen diese Zeitspanne für mindestens drei bis vier Motive genutzt hätten, überlegt Günter Kerschhuber grundsätzlich anders: Sehr schwache Nebel erfordern ein möglichst hohes Signal/Rausch-Verhältnis. Und deshalb können nur sehr lange Belichtungszeiten Erfolg bringen!

RA = 20 h 02.8 min, DEK = +37° 40´

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