36. Woche- Der Kugelsternhaufen Palomar 7 in der Schlange

 -  Astrofoto der Woche  - 

Noch nie wurde in unserer Rubrik ein Palomar-Kugelsternhaufen gezeigt. Premiere also! IC 1276 = Palomar 7 steht in der Nähe der Kugelsternhaufen NGC 6517 und NGC 6539, nahe der Grenze zwischen den Sternbildern Schlange (Serpens Cauda) und Schlangenträger (Ophiuchus). Es handelt sich um einen Kugelsternhaufen des galaktischen Bulge. Er liegt nahe der galaktischen Ebene und befindet sich mit 4,3 bis 5,4 kpc Entfernung fast auf halber Strecke zwischen der Sonne und dem galaktischen Zentrum. Zur Erinnerung: Die Astronomie verwendet üblicherweise das „pc“ (parsec = Parallaxensekunde) als Entfernungsmaß. 1 pc sind 3,262 Lichtjahre. Und 1 kpc (1000 pc) sind entsprechend 3262 Lj. Palomar 7 ist folglich ca. 15.800 Lj entfernt.

Der scheinbare Durchmesser wurde in der Originalarbeit von G.O. Abell aus dem Jahre 1955 mit 6´ angegeben, neueren Untersuchungen zufolge wird von 7,1´ geredet. Warum ist Palomar 7 so rötlich? Hat der Bildautor Günter Kerschhuber die Farben seiner Astroaufnahme nicht richtig kalibriert? Mitnichten! Der visuell 10,3 mag helle Haufen ist real stark gerötet, in der bekannten Harris-Tabelle wird ein Farbindex B-V = 1,76 mag angegeben! Zur Erinnerung: Weiß entspricht 0,64 mag, Gelb entspricht 0,9 bis 1,1 mag. Insofern trifft unser aktuelles AdW die rötliche Farbe recht gut. Ähnliches beobachten wir auch bei den Sternen in der Umgebung.

Günter schreibt weiterhin: „Auch nach 11 Stunden Belichtung lässt sich Palomar 7 keine ´bunten Sterne´ entlocken.“ Er vermutet, dass die Einbettung in die auffalend staubige Umgebung daran Schuld sei. Dies ist aber nicht die wesentliche Ursache, sondern, dass der Kugelsternhaufen noch keine blauen Horizontalaststerne entwickelt hat. Näheres dazu wird in einer künftigen Ausgabe des VdS-Journals zum Kugelsternhaufen Palomar 7 zu lesen sein.

Aufnahmeinstrumente: a) Astrograph ASA N10" bei f = 950 mm. Hiermit und mit einer SBIG ST-10XME entstanden die Luminanzaufnahmen bei insgesamt 325 min Belichtungszeit. b) Refraktor Televue NP101, mit ihm wurden die RGB-Bilder belichtet (106/106/96 min). Dies alles passierte am 6. Juni, 2. Juli und 7. Juli dieses Jahres. Ihr seht also, Astrofreunde: Überaus lange Belichtungen sind angesagt! Dann vermeidet man astrofotografisch fragwürdige Anwendungen wie Neat Image, womit künstliche Glättungen produziert werden, so dass schwächste Signale knapp über dem Himmelshintergrund verwischen. Aufnahmeort war die Gahberg-Sternwarte hoch über dem Attersee im Salzkammergut.

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