39. Woche - Detailstrukturen im Cirrusnebel

 -  Astrofoto der Woche  - 

Der Cirrusnebel, ein bekannter Supernovarest (SNR), ist etwa 1500 Lj entfernt. Er expandiert mit etwa 0,06´´ pro Jahr. Daraus kann man ein Alter von ungefähr 150.000 Jahren ableiten. Das ursprünglich von der Supernova fortgeschleuderte Material stößt mit dem interstellaren Medium zusammen. Bei diesem Stoß wird eine Stoßwelle erzeugt. Erst dieser Vorgang liefert die Energie zur Anregung des SNR, so dass der Cirrusnebel leuchten kann.

Das rote Leuchten im Cirrusnebel stammt im Wesentlichen von fünf Emissionslinien. Zunächst kennt jeder das Ha-Licht mit 656,3 nm Wellenlänge. Gleich rot leuchtet aber auch der einfach ionisierte Stickstoff. Er zeigt sich im Spektrum als „verbotene“ doppelte Emissionslinie mit 654,8/658,3 nm Wellenlänge. Beide [N II]-Linien liegen direkt „links und rechts“ von Ha und sind sehr stark. Und schließlich erzeugt auch der einfach ionisierte Schwefel [S II] eine rote „verbotene“ Doppellinie bei 671,7/673,1 nm Wellenlänge. Im kurzwelligen Licht kommt die „verbotene“ Doppellinie des zweifach ionisierten Sauerstoffs [O III] hinzu. Sie hat 495,9/500,7 nm Wellenlänge, was der Farbe Türkis entspricht.

Der Cirrusnebel bildet eine riesige, kugelschalenförmige Blase mit einem scheinbaren Durchmesser von fast 2,5°. NGC 6960 beim Stern 52 Cygni und „Pickerings triangular wisp“ fehlen in diesem Ausschnitt. Hier sehen wir NGC 6992, den nordöstlichen Ringteil des Cirrusnebels. Die feinen Filamente in Rot und Blaugrün sind beeindruckend. Rot sind die Filamente, die in Ha, [N II] und [S II] leuchten. Ein R-Filter lässt sie alle durch. Selbst der bei diesem AdW verwendete Ha-Filter lässt nicht nur Ha passieren, sondern ebenfalls die doppelte Stickstofflinie. Daher sollte man nicht von einem Ha-Filter reden, sondern von einer Filterung in Ha+[N II]. Blaugrün sind die Filamente, die in [O III] leuchten. Wollte man die Elementeverteilung gerade im Rotbereich farblich noch besser differenzieren, so müsste man auch die roten Emissionslinien noch weiter trennen. Einen [S II]-Filter gibt es von verschiedenen Herstellern. Über einen [N II]-Filter für Amateur-CCD-Kameras ist mir bisher aber noch nichts bekannt (Anmerkung P. Riepe; hat jemand anderweitige Kenntnisse?).

Für das feinstrukturierte LHa+[NII]RGB-Komposit verwendeten Stefan Binnewies und Josef Pöpsel den 600-mm-Hypergraphen „Ganymed“ im Sekundärfokus bei 4938,3 mm Brennweite. Die Aufnahme entstand zwischen dem 18.08. und dem 22.10.2009. Ganymed steht auf dem Gelände der Skinakas-Sternwarte auf der Insel Kreta (Griechenland). Das Teleskop wird von Deutschland aus ferngesteuert (remote control, für unsere american freaks). Mit einer SBIG STL-11000M wurde in Luminanz 12 x 15 min belichtet, in Ha+[N II] 8 x 15 min, in R, G und B jeweils 4 x 15 min, und das ohne Binning. Man sieht die Schärfeauswirkung dieser Maßnahme! Bei bestem Seeing (hier: FWHM = 1,35") wäre ein 2x2-Binning, was in anderen Fällen gern gewählt wird, schädlich für die Bildschärfe. Als Filter kamen zum Einsatz: 2"-RGB-Filter von SBIG sowie ein Ha-Filter (6 nm Halbwertbreite) von Astronomik.

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