4. Woche - Namibischer Mars mit Deimos und Phobos

 -  Astrofoto der Woche  - 

Wochenlang behinderte ein Staubsturm den tiefen Blick auf die Mars-Landschaft. Ende Juli 2018 hatte der rote Planet eine Entfernung von nur rund 57,6 Mio. km zur Erde. In unseren mittleren nördlichen Breiten war jedoch nicht nur der Sturm ein Problem, sondern auch die sehr niedrige Deklination. Mars kroch nur in geringer Höhe über den Horizont, so waren gefühlt wenige Aufnahmen im Umlauf, die Mars in seiner maximalen Größe zeigten. Fachgruppenmitglied Werner Celnik und sein Freund Dieter Sporenberg hatte sich daher im winterlichen Namibia postiert, um neben der totalen Mondfinsternis natürlich auch den „roten Planeten“ aufs Korn zu nehmen. Beobachtungsort war die Farm Tivoli in Namibia. Als Beobachtungsinstrument wurde ein Schmidt-Cassegrain-Teleskop der Marke Meade ACF mit 356 mm Öffnung und 3.560 mm Brennweite verwendet. Für die Aufnahme wurde die Brennweite mit einem Baader Flatfieldconverter (FFC) auf 8.700 mm verlängert. Als Kamera kam eine CMOS-Farbkamera des Typs QHY5III178c von Astrolumina zur Anwendung.

Das AdW zeigt Mars (-2,8 mag, 24,28 Bogensekunden Winkeldurchmesser) mit seinen Monden Phobos (10,5 mag, rechts) und Deimos (11,6 mag, links oben) und den in der Nähe stehenden Stern TYC 6911 1579 (11,5 mag, links unten). Das Aufnahmekomposit entstand in der Nacht vom 28. auf den 29.07.2018, wobei die Monde über einen Zeitraum von 23:26 bis 00:22 Uhr UT in 15 Videos von je 60 s Dauer und 3-minütiger Pause zwischen den Videos nur mit UV/IR-Sperrfilter aufgenommen wurden. Die Einzelbelichtungszeit betrug 1 s. Mars selbst ist bei dieser Belichtungsdauer völlig überbelichtet und wurde daher im Endbild (Komposit) als derotierte Summenaufnahme maßstabsgetreu als Ersatz für den überbelichteten Mars hinzugefügt. Die dafür notwendigen Marsaufnahmen wurden unmittelbar vor der Aufnahmeserie für die Monde aufgenommen, und zwar zwischen 22:18 bis 22:49 Uhr UT. Es wurden insgesamt 13 Videos von 120 s Dauer angefertigt: 6 als Farbvideo mit UV/IR-Sperrfilter und 10 ms Integrationszeit, sowie 3 mit IR850-Filter ohne Sperrfilter (Luminanz) mit 15 ms und 4 mit Violettfilter (Wratten #47) in Kombination mit UV/IR-Sperrfilter für den Blaukanal mit 27 ms. Mars müsste eigentlich um 75 min weiter gedreht werden, um den tatsächlichen Bildeindruck zur Mitte der Mondaufnahmen wiederzugeben. Die Bildbearbeitung erfolgte mit AutoStakkert 3.0, GIOTTO, Photoshop CC, WinJupos 10.3 (Derotation). Soweit die sehr umfangreichen Eckdaten zur Aufnahme.

Während die Monde sich nur langsam bewegen und die Abbildungen sich daher überlappen, erkennt man an der Punktfolge des Sterns, wie schnell sich der Mars doch vor dem Sternenhintergrund von links (Osten) nach rechts bewegt: Lt. Guide 9 im Beobachtungszeitraum von 56 Minuten um immerhin 47,1 Bogensekunden, demnach 0,84 Bogensekunden/Minute. Am kurzen Bahnbogen des Phobos sieht man, in welch geringer Höhe der Mond über der Marsoberfläche seine Bahn zieht. Was zeigt uns Mars auf dieser Aufnahme? Der Zentralmeridian lag bei ca. 45°, was bedeutet, dass auf der Scheibenmitte im Norden die Gebiete des Mare Acidalium sichtbar sind. Südwestlich davon erkennt man Nilokeras. In der Bildmitte ist das Mare Erythraeum mit der Bucht Aurorae (links oben) und der Bucht Margaritifer (rechts oben) zu sehen, im Süden schließlich die südliche Polkappe. Im hohen Norden ist die Wolkenschicht der Polhaube sichtbar. Ein Blaufilter bringt die Polhaube meist am besten zum Vorschein, in dieser Aufnahme übernimmt diesen Part offensichtlich der Violettfilter, wie vom Autor angegeben. Die Polkappe ist von dieser Wolkensicht in der Marsathmosphäre völlig verdeckt. Im Gegensatz zur nur langsam und stetig schrumpfenden Polkappe kann sie innerhalb von Stunden oder Tagen ihre Intensität und Gestalt vollkommen ändern. Mitunter verschwindet sie sogar ganz von der Bildfläche. In der Aufnahme ist zu erkennen, dass sich der nördliche Polhaubendunst nicht so rotationssymetrisch darstellt wie die südliche Polkappe. Sie ist auch nicht so scharf begrenzt wie die Polkappe und hat eher unscharfe Ränder. Mit der Bewegung des Mars-Systems in Bezug auf den Sternenhimmel und gleichzeitiger Illustration der Mondbewegung von Deimos und Phobos liegt uns eine sehr interessante Aufnahme vor. Wir danken Werner Celnik und Dieter Sporenberg für die Einsendung dieser aufschlussreichen Marsfotografie und gratulieren zum AdW.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

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