41. Woche - Ein Besuch im Cepheus-Flare: Der Dunkelnebel LDN 1251

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das Sternbild Cepheus ist voll von interstellarer Materie, die Astronomie nennt diesen Komplex deshalb "Cepheus flare". Das AdW zeigt einen Teil davon, und zwar den Dunkelnebel LDN 1251, direkt südlich bis westlich des 5,8 mag hellen, orangefarbenen M1-Riesen HR 8625. Norden liegt oben und Osten links, die Bildfeldgröße beträgt 94' x 75'. Wie üblich, fällt auch dieser Dunkelnebel zunächst durch viel enthaltenen Staub auf. Dieser Staub konzentriert sich zur Mitte und erzeugt dort die finsteren Stellen, an denen kein Sternenlicht von außen hindurch gelangt. Der Staub erzeugt aber auch den gesamten umgebenden, bräunlichen Reflexionsnebel mit hellem Rand, wobei "hell" hier relativ gemeint ist. Der Reflexionsnebel ist nämlich insgesamt gesehen ziemlich lichtschwach. Dennoch wird selbst an diesem schwach konzentrierten Staub das Licht der Milchstraßensterne gestreut, so dass LDN 1215 auch als Reflexionsnebel in Erscheinung tritt. Nach Osten hin zeigt er eine eindeutig abgerundete Grenze, die einer Stoßfront ähnlich sieht. Ob und was sich hier bewegt, ist nirgendwo wissenschaftlich thematisiert. Was aber bekannt ist: LDN 1251 liegt inmitten einer ausgedehnten Molekülwolke aus Kohlenmonoxid CO (Sato & Fukui 1989), dazu wurden auch Ammoniakmoleküle nachgewiesen (Benson & Myers, 1989). Die Astronomen Kun & Prusti (1993) konnten die Entfernung anhand von eingebetteten Sternen ermitteln. Demnach ist LDN 1251 ca. 300 ± 50 pc (980 ± 163 Lj) entfernt, steht uns also relativ nahe. Auch hier zeigt sich wieder einmal, dass Molekülwolken und Staub miteinander assoziiert sind, d.h. beide Materiesorten bilden einen vermischten Komplex. Verschiedene Sterne mit Hα-Emission beweisen, dass in LDN 1251 junge Sterne gebildet wurden. Dafür noch eine weitere Bestätigung: Im Ostteil der Dunkelwolke, wo der Staub am dichtesten ist, konnten T-Tauri-Sterne entdeckt werden. Diese Veränderlichen haben aufgrund ihres sehr geringen Alters noch keinen stabilen Hauptreihenzustand erreicht.

Zwei Herbig-Haro-Ausflüsse sind schön im AdW erkennbar. Das ist einmal HH 149 bei den Pixelkoordinaten 666/720 und HH 373 bei 545/771. Darüber hinaus zeigt das AdW drei Galaxien, man mag das kaum glauben in dieser "interstellaren Suppe". Die hellste ist die Spiralgalaxie UGC 12160 bei den Pixelkoordinaten 252/909. Die ca. 70 Mio. Lj entfernte Sc-Spirale steht unmittelbar am Ostrand von LDN 1251 und befindet sich so eben im Nebel. Am Nordrand von LDN 1251 entdecken wir die bereits stärker gerötete LEDA 166755. Aus ihrer Radialgeschwindigkeit lässt sich eine Entfernung von etwa 110 Mio. Lj abschätzen. In der Datenbank SIMBAD ist kein Typus angegeben, jedoch zeigt das AdW bei genügendem Hineinzoomen einen offensichtlichen ScTyp. SIMBAD gibt eine Ausdehnung von 1,26' x 0,6' an, im AdW jedoch ist das Objekt mit 2,7' x 1,7' wesentlich größer. Aber das hatten wir ja schon des öfteren, dass tiefe Amateuraufnahmen lichtschwache Galaxien erheblich ausgedehnter wiedergeben. Schließlich ist bei den Pixelkoordinaten 1230/922 die dritte Spiralgalaxie zu sehen. Sie sitzt in einer Zone starker Absorption, daher ist sie auch stark gerötet. SIMBAD kennt hier keine Galaxie, sondern nur eine infrarote Punktquelle. Die NASA Extragalactic Database jedoch verzeichnet an dieser Stelle die Galaxie 2MASX J22283461+7504084, allerdings ohne weitere Objektdaten. Im AdW ist eine Ausdehnung von 2,8' x 1,2' sichtbar. Hier wäre eine tiefe langbrennweitige Amateuraufnahme von Interesse. Auch eine Filterung im nahen Infrarot (NIR) bei 700 bis 1000 nm Wellenlänge für die Luminanz wäre sinnvoll, weil so der Staub besser durchdrungen wird und mehr Galaxienkonturen zum Vorschein kommen. Wagt jemand diesen Versuch?

Jens Zippel gelang dieses ansprechende Motiv in der Zeit vom 13.-24.08.2016. Aufnahmeort war Bremen. Passend zur Objektgröße war das Teleskop: ein Takahashi FSQ85 mit f = 450 mm. Mit der CCD-Kamera - einer Atik 460EXM - wurde folgendermaßen belichtet: 32 x 900 s (L), je 8 x 420 s (RGB), gesamt 10,75 Std. Als Anmerkung schreibt der Bildautor: “An insgesamt vier Nächten im August 2016 wurde teilweise bei leichtem Mondschein belichtet. Die Bildbearbeitung war nicht trivial, da in den Rohdaten zunächst deutliche Farbgradienten entfernt werden mussten. Zudem galt es den Kontrast der schwachen Dunkelwolken zu verstärken, ohne die Sterne aufzublähen oder das Rauschen zu verstärken.”

Wir finden: Das Resultat ist bestens gelungen!

Text zum Objekt und Belichtungsdaten: Peter Riepe

Jens Zippels Bild von LDN 1251 ist technisch einwandfrei ausgefallen. Es reiht sich qualitativ nahtlos in die Reihe prominent präsentierter Vorgänger dieses Motives ein, als da wären: das AdW der 10. Kalenderwoche 2014 oder das APOD vom 30. September 2016, und letzteres Bildergebnis wird für unseren Geschmack sogar noch übertroffen.

Dennoch findet sich ein Kritikpunkt, und zwar die kurze Belichtungsdauer für die einzelnen Farbkanäle. Jeweils nur 56 Minuten für R,G und B gegenüber etwa 8 Stunden für die Luminanz sind für diese schwache Nebellandschaft schon etwas knapp. Dann störten auch noch Farbgradienten durch Mondlicht die Bildbearbeitung, und deren Korrektur hat leider oft eine weitere Farbintensitätsabschwächung zur Folge.

Jens Zippel ist mit seinem Material aber sportlich umgegangen, und er hat die Herausforderung perfekt gemeistert. Nicht nur die Sternfarben kommen schön heraus, auch der Nebel in all seinen Intensitätsabstufungen leuchtet farbig fein ausdifferenziert – deshalb ein großes Kompliment von unserer Seite an den Bildautor - und dennoch die Empfehlung, bei der Belichtungszeit der Farbkanäle nicht ähnlich knauserig zu verfahren, sind doch nicht alle so versierte Bildbearbeiter wie Jens Zippel.

Kommentar zum Bild: Dr. Stefan Binnewies und Frank Sackenheim

Koordinaten J2000.0:
RA = 22 h 36 min 06 s, DE = +75° 16´

Sie möchten zum Autor Kontakt aufnehmen? Klicken Sie einfach oben links auf seinen Namen.

nach oben

Anzeige