41. Woche: Globulen in IC 1396

 -  Astrofoto der Woche  - 

In der großen H II-Region IC 1396 im Cepheus erkennt man eine Fülle interessanter Strukturen (siehe AdW 38/2009, 36/2006 und 49/2004 zur Übersicht). Insbesondere sind es die Komplexe ausgedehnter Dunkelwolken, die den Nebel durchsetzen und dabei teilweise helle Ränder („bright rims“) aufweisen. Ein solches Objekt ist der auffällige Elefantenrüssel IC 1396A und IC 1396B. Unser aktuelles AdW (Norden in etwa oben) zeigt IC 1396A links und IC 1396B rechts oben im Bild. Diese Bezeichnungen stammen von Pottasch (1956). Oft wird diese Rüsselstruktur fälschlicherweise als vdB 142 bezeichnet! Der vdB-Katalog aus dem Jahre 1966 ist jedoch eine Studie von überwiegend bläulichen Reflexionsnebeln. Er hat mit Dunkelwolken nichts zu tun.

Was entdecken wir in IC 1396A? Zunächst befinden sich in dem länglichen Globulenkörper einige bläuliche Sterne, darunter auch ein doppelter. Der Stern in dem „dicken Kopf“ von IC 1396A mit dem kleinen blauen Nebel nach Westen ist HD 239710. Er hat B = 9.75 mag und V = 9.48 mag, ist also mit einem Farbindex B-V = 0.27 mag den blauen Sternen zuzuordnen. Und genau dieser winzige blaue Nebel wird im Reflexionsnebelkatalog von Sidney van den Bergh (daher vdB) als Katalognummer 142 geführt. Schaut man genau hin, so entdeckt man direkt südlich von vdB 142, aber immer noch in der Globule, ein weiteres blaues Nebelstreifchen.

Die Nebelaufhellung im Kopf der Globule nennt sich [B77] 37. Dieses runde Nebelchen umgibt den veränderlichen Stern V390 Cep mit B = 15.11 mag und V = 13.32 mag. Sein Farbindex beträgt also B-V = 1,79 mag. Dies bedeutet im RGB-Bild eigentlich eine orange Farbe, was im AdW auf gelblich hinausläuft. Direkt neben V390 Cep, also auch in [B77] 37, sitzt ein weiteres, schwächeres Sternchen mit der Bezeichnung LkHa 349. Dies ist ein junger T-Tauri-Stern mit B = 17.0 mag und V = 15.81 mag, d.h. mit einem Farbindex von B-V = 1.19 mag (= gelb). Der warme Farbton dürfte aber eher auf eine Verfärbung durch die Nebelmaterie zurückzuführen sein.

Die gesamte Region des Elefantenrüssels ist geprägt durch Sternentstehung. Es wurden zahlreiche enthaltene Infrarot-Sterne gefunden. Auslöser der Sternentstehung ist die starke UV-Strahlung des O6-Sterns HD 206267. Er ist der leuchtkräftigste Stern in der gesamten H II-Region IC 1396. Er befindet sich links außerhalb des Bildes (d.h. etwa eine Globulenlänge östlich). Man erkennt sehr deutlich, dass die dem Stern zugewandten Seiten der Globulen rot im H-Alpha-Licht leuchten. Das sind die „bright rims“. Hier findet die Wechselwirkung zwischen der starken UV-Strahlung und den Molekülwolken statt, bei der die Globulen komprimiert werden und dadurch eine Sternenstehung der 2. Generation im Inneren getriggert wird.

Rolf Geissinger ist neu in unserer Runde der AdW-Astrofotografen. Wir begrüßen ihn herzlich und gratulieren zu dieser prächtigen Aufnahme. Sie entstand auf seiner Balkonsternwarte in Remseck. Er schreibt: „Nach einem Belichtungsmarathon von 17,5 (!) Stunden habe ich den beigefügten Elefantenrüssel fertiggestellt. Die Aufnahmen habe ich über drei komplette Nächte verteilt. Die Durchsicht war jeweils nur sehr mäßig. Es ist ein Komposit aus 11 x 30 min H-Alpha und 24 x 30 min RGB. Teleskop: Planewave 12.5" CDK f/8, Kamera: QHY8, Montierung: GM2000.“

RA = 21 h 36 min, DEK = +57° 30’

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