41. Woche - Sh2-119, der unbekannte Nachbar des Nordamerikanebels

 -  Astrofoto der Woche  - 

Würde man den Hauptstern des Schwans, Deneb, über NGC 7000 nach Osten spiegeln, so stieße man auf den Stern 68 Cygni. Er wird von der schwachen H II-Region Sh2-119 umgeben, die astrofotografisch stets ein „Schattendasein“ im Vergleich zum Nordamerikanebel führt. Im Jahre 2006 (37. Woche) brachten wir eine Panorama-Aufnahme der Gegend, auf der dieser Nebel sehr schön erkennbar ist. Grund genug für alle, wieder einmal im AdW-Archiv zu stöbern!

Der O8-Stern 68 Cygni hat eine scheinbare visuelle Helligkeit von 5,00 mag. Mit seinem Farbindex B-V = -0,01 mag handelt es sich also um einen knallig blauen, jungen und heißen Stern. Er ionisiert mit seiner starken UV-Strahlung den Wasserstoff von Sh2-119 und bringt ihn so zum Leuchten. Schaut man sich das aktuelle AdW an, so bemerkt man, dass Sh2-119 schalenförmig strukturiert ist. Der hellste Bereich liegt östlich von 68 Cygni. Ein etwas schwächerer Anteil westlich des Sterns ragt noch ein wenig aus dem Aufnahmefeld heraus. Nördlich schließt sich der Bogen als sehr schwacher Nebel. Im Süden liegen einige Dunkelwolken, die den Blick auf diesen Nebelbereich erschweren, aber nicht verhindern. Zunächst vermutet man Staub, aber nicht immer muss es sich bei solchen abgedunkelten Stellen allein um Staub handeln. Vielmehr deutet sich hier in der Gesamtheit ein assoziierter, dichter Molekülwolkenkomplex an – wie so oft bei H II-Regionen. Und in der Tat zeigt eine radioastronomische Untersuchung aus dem Jahre 1994, dass knapp südwestlich von Sh2-119 die riesige Molekülwolke [DBY94] 084.9-01.2 mit einer Ausdehnung von 2,3° x 1,1° liegt.

Dr. Jürgen Stein schickte dieses selten fotografierte Motiv. Die Aufnahme entstand in Hofheim (Taunus) mit einem Refraktor Pentax 75 SDHF auf einer Montierung des Typs Losmandy G11. Zur Vermeidung der „blauen Höfe“ um die hellsten Sterne wurde ein entsprechender Filter eingesetzt (engl. „Blue-Fringe-Killer-Filter“). Kamera war eine MI-8300FR mit Astronomik-Filtern. Zu den Belichtungen: H-Alpha wurde 15 x 10 min belichtet, Luminanz 5 x 10 min, RGB je 5 x 10 min, Gesamtbelichtung also 5 h 50 min. Das H-Alpha-Bild wurde mit einem Digital Development Process Filter als Luminanz eingeblendet in ein LRGB, mit L aus H-Alpha und Luminanz zusammengesetzt und R aus Rot und H-Alpha gebildet.

Redaktioneller Kommentar: Dass Rot hierbei eine sehr starke Betonung erfährt und blaue Sterne in den Hintergrund treten lässt, ist einleuchtend. Bei Falschfarbenaufnahmen mit [O III], H-Alpha und [S II] nehmen wir eine Änderung der „natürlichen“ Farben ja auch gern in Kauf. Sinn dieses Verfahrens war es aber, die schwächsten Nebelanteile in Farbe wiederzugeben. Und das ist sehr gut gelungen!

RA = 21 h 18 min 27 s; Dec = +43° 56´ 46´´

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