42. Woche - NGC 7635, der Blasen-Nebel

 -  Astrofoto der Woche  - 

Fachgruppenmitglied Robert Pölzl schickte dieses Motiv erst als Falschfarbenbild ein. Etwas später ergänzte er es durch ein reguläres Bild. Es handelt sich um die H II-Region NGC 7635 im Cepheus, die auch als „bubble nebula“ oder auf Deutsch als „Blasen-Nebel“ bekannt ist. Die für die Namensgebung verantwortliche Blase hat einen scheinbaren Durchmesser von 3´ und ist etwa 3,5 kpc (= 11.400 Lj) entfernt (Georgelin 1975). Die Blase bildet aber nur einen kleinen Teil des unregelmäßigen Emissionsnebels Sharpless 162. Zur Urteilsbildung der Leser ist das Objekt in beiden Ansichten vorgestellt. Welche Ansicht sagt einem besser zu?

Etwa 1´ nördlich des Blasenzentrums steht der Stern SAO 20575, der in der historischen „Bonner Durchmusterung“ auch als BD+60°2522 katalogisiert wurde. Er gehört zur Assoziation Cas OB2 und hat eine visuelle scheinbare Helligkeit von 8,66 mag, im Blauen 9,06 mag. Der Farbindex B-V beträgt also 0,4 mag, was eine weißbläuliche Eigenfarbe bedeutet. Das Spektrum von SAO 20575 ist O6.5(f), demnach erzeugt dieser Stern eine sehr hohe Energie. Sie reicht nicht nur zur Ionisation des Nebels: Starke Sternwinde – typisch für massive O-Sterne – strömen von SAO 20575 ab und erzeugen die Blase in der umgebenden Nebelmaterie. So etwas kennen wir auch von Wolf-Rayet-Sternen. Etwa 5´ westlich der Blase steht ein weiterer blauer Stern, HD 220057, Spektraltyp B2IV, mit B = 6,95 mag und V = 6,94 mag. Dieser Stern erscheint mit B-V = 0,01 mag viel blauer als der Zentralstern, was aber nicht echt ist, sondern daran liegt, dass der Zentralstern stark durch die Nebelmaterie gerötet wird. Das Feld ist voll von interstellarer Materie, auch von Staub. Schaut man sich das AdW genauer an, so bemerkt man außerdem einige kräftige „bright rims“ um die Blase herum. Dies ist ein Hinweis auf eine große Molekülwolke, in die NGC 7635 eingebettet ist (Thronson et al. 1982).

Aufnahmedatum war zunächst der 24. August, dazu dann noch der 10. September dieses Jahres. Die Bildserie entstand in Salzstiegl (Steiermark) in 1200 m Höhe. CCD-Kamera war eine Fingerlake FLI 8300, angeschlossen an einen Gitterrohr-Newton (Carbon) von 368 mm Öffnung. Bei einer effektiven Brennweite von 1402 mm wurden Einzelbilder von je 20 min aufgenommen, und zwar 7 x in H-Alpha, 5 x in [O III] und 7 x in [S II]. Es handelte sich um das erste Bild des Autors, das nach der Hubble-Palette zusammengestellt worden war. Das Seeing war mit 3,5" nur mittelmäßig, was aber wegen der guten Transparenz die Nebelwirkung überhaupt nicht schmälert.

RA = 23 h 20 min 48 s, Dec = +61° 12´ 06´

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