42. Woche - Schalen um Messier 57

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das Sternbild Leier in der Milchstraße ist klein und umfasst nur wenige Deep-Sky-Objekte. Eines davon ist der bekannte „Ringnebel“ M 57, ein Musterbeispiel für einen Planetarischen Nebel (PN). Viele dieser PN haben eine solche Ringstruktur, dennoch bleibt M 57 der Ringnebel schlechthin.
Ein PN ist eine expandierende, meist rundliche Gaswolke, die von einem Zentralstern ausgestoßen wurde und diesen einhüllt. Dieser Zentralstern ist in seiner Entwicklung bereits weit fortgeschritten und war ehemals ein Roter Riese, der im Stadium der Kernkontraktion beim Übergang zum Heliumbrennen seine äußeren Bereiche abgestoßen hat. Daraus entwickelte sich die umgebende Nebelhülle. Folglich ist der Zentralstern der meist blau leuchtende, heiße Kern des ehemaligen Roten Riesen. Er sorgt mit seiner hohen Temperatur und seiner starken Ultraviolett-Strahlung für die Anregung des Nebels. Dadurch kann der PN im Licht zahlreicher Emissionslinien leuchten. Der Zentralstern stößt aber auch starke Sternwinde ab, die zusätzliche Energie in die Hülle einbringen und für die Nebelgestalt mit verantwortlich sind.

Zahlreiche PN besitzen weiter außen noch schwächere umgebende Schalen. In den internationalen astrophysikalischen Berichten ist dann von „multiple-shell planetary nebulae“ die Rede (Jewitt et al. 1986, Chu et al. 1987). Sie bezeugen, dass der erwähnte Materieabstoß in mehreren separaten Episoden ablaufen kann. Nach Schätzungen besitzen 50% aller PN eine mehrfache Schalenstruktur. Wie das aktuelle AdW zeigt, hat M 57 ebenfalls einen mehrfachen Schalenaufbau.

Was gibt es sonst noch zu M 57 zu sagen? Der PN wurde 1779 von Charles Messier entdeckt. Seine Entfernung liegt bei rund 2300 Lj. M 57 leuchtet im H-Alpha-Licht und etwa gleichstark im Licht des ionisierten Stickstoffs [N II], aber noch 3,5-mal stärker im Licht des zweifach ionisierten Sauerstoffs [O III]. Deshalb und wegen seiner hohen scheinbaren Helligkeit von etwa 9,7 mag ist der PN visuell leicht zu beobachten, zumal der helle Nebelring eine Ausdehnung von 70´´ erreicht. Der Zentralstern hat eine scheinbare V-Helligkeit von 15,29 mag. Die scheinbare B-Helligkeit ist mit 15,03 mag noch heller. Der Farbindex B-V kommt also auf -0,26 mag, was ein extremes Blau darstellt. Im AdW ist das farblich sehr gut umgesetzt, auch wenn der Stern nur schwach erscheint.
Bildautor ist Stephan Küppers, Mitglied der Fachgruppe Astrofotografie. Zunächst hatte er im August 2011 und im September 2011 mit einem GSO 10“ und Paracorr bei f = 1140 mm ein LRGB erstellt. Das geschah ohne Nachführkontrolle! Kameras waren a) eine modifizierte Canon EOS 500D und b) eine DMK 21. Belichtung: a) ca. 1100 x 30 s mit 1600 ISO, b) 505 x 8 s. In diesem Jahr wurde der PN im Juli und August mit demselben Teleskop zusätzlich in [O III] und in H-Alpha aufgenommen, mit Nachführkontrolle über Lacerta MGen. Kamera: Moravian G2-8300 FW. Belichtet wurde: 300 min in H-Alpha, 140 min in [O III], Einzelbelichtungen dabei jeweils 300 s. Man beachte übrigens auch die LSB-Galaxie IC 1296 knapp nordwestlich von M 57. Die Balkenspirale hat eine Blauhelligkeit von 15,4 mag.

RA = 18 h 53 min 36 s, Dek = +33° 01´ 40´´

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