43. Woche - Ein Nebel mit Schweif: vdB 152

 -  Astrofoto der Woche  - 

Mit dem aktuellen AdW sind wir wieder im Cepheus. Norden ist im Bild oben, Osten rechts – so wie es für astronomische Abbildungen Konvention ist. Im 74' x 56' großen Bildfeld liegt auf der Mittellinie, aber ziemlich weit am südlichen Bildrand, ein Deep-Sky-Objekt mit dem Namen vdB 152. Dieser Reflexionsnebel stammt aus dem Katalog von Sidney van den Bergh, daher das Kürzel vdB. Der Nebel hat eine höchst merkwürdige Form. Zunächst einmal liegt sein hellster Teil um den Stern BD+69 1231. Sterne mit diesem Namensbeginn BD entstammen der „Bonner Durchmusterung“. Dass der 9,3 mag helle, blaue Stern Verursacher des Nebelleuchtens ist, kann man eindeutig an den Nebelbögen erkennen, die sich unmittelbar um den Stern wickeln. Im vdB-Katalog ist für den Nebeldurchmesser angegeben: 13,6´ im blauen Licht und 5,6´ im roten Licht, der blaue Anteil dominiert also, wie im AdW. Aber das ist nicht alles. Von vdB 152 aus läuft eine bräunlich-rötliche, schwache Wolke nach Norden, so dass der Eindruck eines kometarischen Schweifes oder einer Fahne entsteht. Das gesamte Objekt ist etwa 1300 Lj entfernt.

Im Jahre 1966 beschrieb van den Bergh seinen Nebel Nr. 152 als „Nebel an der Kante einer dichten Wolke“ und vermutete schon damals, dass es sich um einen „Nebel mit einem kometenähnlichem Schweif“ handeln könne. Selbst in den Aufnahmen des Palomar Observatory Sky Survey (POSS) ist dieser Schweif nur schwach zu sehen und erst durch Kontrastverstärkung in seiner vollen Länge nachzuweisen. Das aktuelle AdW zeigt aufgrund der langen Belichtungszeit sowohl den Reflexionsnebel als auch den kometarischen Schweif.

Sidney van den Bergh war aber nicht der Entdecker des Nebels Nr. 152, selbst wenn er ihn als solchen katalogisiert hat. Zwanzig Jahre zuvor hatte der schwedische Astronom S. Cederblad den Nebel bereits in seinem Katalog erfasst und ihm die Nr. 201 zugeteilt, daher sollte eigentlich die angemessenere Objektbezeichnung Ced 201 vorgezogen werden, der Entdecker hat ja doch den Vorrang, oder?

Oben links im Bild erkennt man einen grünlich-roten verwaschenen Fleck. Dies ist kein Fehler der Bildbearbeitung oder der Bildaufzeichnung, sondern ein sehr schwacher Planetarischer Nebel namens DeHt 5. In seiner Doktorarbeit von 2008 befasste sich David John Frew (Australien) sehr intensiv mit Planetarischen Nebeln (PNe). Insbesondere versuchte er, Licht in die Frage zu bringen, welche PNe eigentlich gar keine sind. Dabei stieß er auf etliche Exemplare, für die sich nachweisen ließ: a) der Zentralstern ist ein älterer Weißer Zwerg, der momentan durch die interstellare Materie saust und dabei das Gas seiner direkten Umgebung ionisiert. b) nicht alle Zentralsterne passen hinsichtlich ihres effektiven Alters zu einem sie umgebenden PN. Und jetzt der Paukenschlag: Beide Fakten führten sowohl bei DeHt 5 als auch bei etlichen anderen zu der Schlussfolgerung: Es handelt sich nicht um einen PN, sondern um eine HII-Region, die der Weiße Zwerg als “Strömgrenspäre” zur Zeit zum Leuchten bringt. Dank an Manfred Mrotzek für den wichtigen Hinweis! (P.R.)

Östlich der Nebelfahne von vdB 152 lässt sich im Bild noch der extrem schwache Supernovarest SNR G110.3+11.3 ausmachen. Er zieht sich diagonal nach links oben.

Fachgruppenmitglied Mark Schocke nutzte drei Nächte mit wechselnd guten Bedingungen vom 30.08. bis zum 01.09.2016. Teleskop war sein 200-mm-Newton mit f = 800 mm plus CCD-Kamera Moravian G2-8300. Aufnahmeort: die Großstadt Oberhausen. Um eine möglichst gute Wiedergabe der verschiedenen Objekttypen zu bekommen, wurden fünf Filter verwendet: R, G, B im Wesentlichen für die Sterne und den Reflexionsnebel, dann aber auch Hα und [OIII] für die Nebelstrukturen (letztere 12 nm HWB, Astronomik). Zur Erinnerung: Auch der [OIII]-Filter lässt das Licht eines blauen Reflexionsnebels gut passieren. Belichtet wurde je 40 x 3 min für R und G, 40 x 5 min für B, dazu je 22 x 10 min für Hα und [OIII], gesamt rund 15 h.

Text zum Objekt und Belichtungsdaten: Peter Riepe

Mark Schocke, der Bildautor dieses AdWs, belichtet von Oberhausen aus, einer Stadt mitten im Ruhrgebiet mit einem Großstadthimmel „vom Feinsten“. Etwa 15 Stunden ging er Ende August im Cepheus auf die Pirsch, einem Himmelsareal, das sich dann zwar hoch bis in Zenitnähe bewegt, aber dennoch der allenthalben vorhandenen Lichtverschmutzung nicht entkommen kann.

Umso mehr erstaunt die relativ kräftige Darstellung der gesamten, sich nach Norden (oben) erstreckenden Staub-, Gas- und Molekülwolke von vdB 152. Doch das war es noch nicht. Erst die tiefe Hα- und [OIII]-Filterung zeichnen dieses feine Bildergebnis aus. So sah man den Planetarischen Nebel DeHt 5 selten deutlicher und sogar die Filamente des extrem schwachen SNR 110.3+11.3 ziehen gut erkennbar durch die linke untere Bildhälfte.

Dieses AdW schiebt die Grenzen des mit moderner Aufnahmetechnik Machbaren unter Metropolen-Himmel ein Stück weiter hinaus, dafür unser Dank an Mark Schocke.

Kommentar zum Bild: Dr. Stefan Binnewies und Frank Sackenheim

Koordinaten (J2000.0):
RA = 22 h 13 min 25 s, DEK = +70° 15´ 05´´

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