44. Woche - Der runde Emissionsnebel IC 1396 im Cepheus

 -  Astrofoto der Woche  - 

Die großflächige HII-Region IC 1396 umgibt den offenen Sternhaufen Tr 37 (Nummer 37 aus dem Trümpler-Katalog). Dieser Haufen hat nur eine geringe Konzentration und fällt daher kaum auf. Dennoch bildet er das Zentrum der Assoziation Cep OB2. Die Entfernung von Tr 37 und damit von IC 1396 liegt bei 2300 Lj. Hieraus und aus dem scheinbaren Nebeldurchmesser von nahezu 2,5° ergibt sich für die HII-Region ein wahrer Durchmesser von 100 Lj. IC 1396 ist also doppelt so groß wie der Orion-Nebel M 42.

Das Haufenalter beträgt etwa 1 bis 2 Millionen Jahre. Der hellste und energiereichste Einzelstern ist HD 206267. Der 5,6 mag helle Stern mit dem Spektraltyp O6e hat eine Oberflächentemperatur von ca. 40000 Grad und zeigt im Spektrum sogar Emissionslinien! Er allein produziert den überwiegenden Anteil der UV-Anregungsenergie für IC 1396. Ein weiterer UV-Strahler ist der Stern HD 204827, der aber mit seinem Spektraltyp O9 schon weniger Energie erzeugt.

In IC 1396 befindet sich aber nicht nur angeregte Nebelmaterie, die das typisch rote H-Alpha-Licht und die „verbotene“ [O III]-Linie emittiert, sondern auch staubförmige Materie sowie kühler, neutraler Wasserstoff. Erkennbar wird dies besonders an den dynamisch wirkenden Globulen und Elefantenrüsseln, die zum Teil sogar leuchtende Ränder in Emission aufweisen. Eine der markantesten Strukturen ist der auffällige, langgestreckte Elefantenrüssel IC 1396A/B. Er ragt in diesem AdW von unten nach oben, fast bis zum Zentralstern (Norden rechts, Westen unten). Die Bezeichnungen IC 1396A und IC 1396B stammen von dem bekannten Astronomen S. Pottasch. IC 1396A ist mit IC 1396B durch einige dünne Dunkelwolken verbunden. Oft wird IC 1396A fälschlicherweise als vdB 142 bezeichnet. Aber der vdB-Katalog (S. van den Bergh, 1966) bezieht sich überwiegend auf bläuliche Reflexionsnebel, hat also mit Dunkelwolken überhaupt nichts zu tun. In Wirklichkeit ist vdB 142 ein unscheinbares blaues Nebelchen in IC 1396A, das wir hier gar nicht sehen können.

Dirk Bautzmann schickte dieses Monochrombild ein. Er schrieb dazu: „Um die Nebelstrukturen besser zu zeigen, habe ich nach der eigentlichen Bildbearbeitung eine sternfreie Version erstellt. Dieser sternfreien Version wurde dann wieder die ursprüngliche Aufnahme mit einer Deckkraft von 65% überlagert. Wenn man so möchte, handelt es sich also um eine Aufnahme, bei der die Leuchtkraft der Sterne auf ca. 65% reduziert wurde. Hierdurch treten die Nebelstrukturen deutlich stärker in den Vordergrund.“

Die Aufnahme wurde am 29.09.2010 mit einem FSQ 106ED und einer SBIG STL-11000M plus H-Alpha-Filter (Baader, 7 nm) gewonnen, und das bei Halbmond. Das Teleskop steht auf einer Montierung ASA DDM85. Fokussiert wurde mit einem FLI PDF. Die Gesamtbelichtung betrug 120 min. Der Bildautor gibt einen FWHM-Wert von 3,6 Bogensekunden an.

RA = 21 h 39.1 min, DEK = +57° 30’

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