44. Woche - Die Dunkelwolke LDN 673 in der Milchstraße

 -  Astrofoto der Woche  - 

Vor gut 60 Jahren begann am Mt.-Palomar-Observatorium die bekannte fotografische Himmelsdurchmusterung mit Hilfe des „Big Schmidt“. Sie ist uns heute in Kurzform als POSS bekannt (Palomar Observatory Sky Survey). Weitwinkelaufnahmen im blauen und roten Licht auf spektroskopischen Platten ermöglichten danach erste astrophysikalische Differenzierungen von Objekten im großflächigen Bereich, z.B. heiße oder kühle Sterne zu lokalisieren oder auch Reflexionsnebel von selbstleuchtenden Emissionsnebeln zu unterscheiden. Die Astronomin Beverly T. Lynds hat damals begonnen, Kataloge sowohl für helle als auch dunkle Nebel in der Milchstraße zu erstellen. 1962 wurde ihr „Catalogue of dark nebulae“ publiziert (LDN), drei Jahre später folgte ihr „Catalogue of bright nebulae“ (LBN).
Im aktuellen AdW (Norden oben) hat Markus Blauensteiner, Mitglied der VdS-Fachgruppe Astrofotografie, ein interessantes Motiv aus dem LDN-Katalog im Sternbild Adler aufgenommen. Er fotografierte am 14. Mai 2013 die Dunkelwolke LDN 673. Aufnahmeort war die Sternwarte Gahberg am Attersee (www.astronomie.at). Die Kamera, eine monochrome CCD-Kamera des Typs Starlight Express SXV-H9, wurde an einem 5-zölligen Newton (Skywatcher f/5) bei effektiven 650 mm Brennweite verwendet. Mit einer Gesamtbelichtungszeit von 9 Stunden und 40 Minuten entstand dieses großartige LRGB-Bild. Für Einsteiger in die Astrofotografie sei erwähnt: Die braune Färbung des Sternenhintergrundes ist kein Farbstich! Diese „Rötung“ passiert dadurch, dass der blaue Anteil des kontinuierlichen Sternenlichts in den Gebieten dichter interstellarer Materie viel stärker absorbiert wird als der rote Anteil. Wer genauer hinschaut, bemerkt den Rötungseffekt: Je weiter lichtschwächere (d.h. entferntere) Sternchen wir in dieser Aufnahme betrachten, desto mehr geht deren Farbe in Richtung gelb bis orange. Dass die Aufnahme jedoch farblich korrekt kalibriert ist, beweisen insbesondere die heißen blauen Sterne rechts am Bildrand, die im Vordergrund stehen und der Rötung nicht unterliegen. In der rechten unteren Bildecke z.B. sehen wir HD 181384 mit dem Spektraltyp A0. Mit B = 8,10 mag und V = 8,03 mag kommt sein Farbindex auf B-V = 0,07 mag. Und das ist leuchtend blau.
Darüber hinaus merkt der Bildautor an: „Dieser dichte Dunkelnebelkomplex wurde in vier Nächten im Mai und Juni belichtet. Am unteren Bildrand ist mit dem Herbig-Haro-Objekt HH32 ein Nachweis für Sternentstehung in diesem Bereich sichtbar.“ Zusatz vom AdW-Team: Die Dunkelnebel sind von ihrer Form her gestreckt und auch bogenförmig. Das lässt bereits eine hohe Dynamik vermuten, die in solchen Gebieten üblicherweise mit Sternentstehung verbunden ist. Und tatsächlich zeigt ein Blick in die Datenbank SIMBAD, dass in dieser Nebelzone viele junge stellare Objekte zu finden sind, so infrarote Quellen und T-Tauri-Sterne. Ein interessantes Objekt ist auch der kleine Reflexionsnebel GN 19.18.0 rechts im Westbereich des Dunkelnebels. Er ähnelt Objekten wie Hubble´s variabler Nebel, McNeil´s Nebel oder NGC 6729, die im Laufe der Zeit Helligkeitsschwankungen unterliegen.

RA = 19 h 20 min 54 s, DEK = +11° 13´ 12´´

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