45. Woche - Messier 31, unsere Nachbarin in der Andromeda

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das Archiv der Fachgruppe Astrofotografie umfasst zahlreiche Bilder von M 31, in allen denkbaren Qualitätsstufen. Hier soll sie wieder einmal vorgestellt werden, diesmal aber in bestechender Qualität. Bitte jetzt nicht murren („es werden ja eh nur die High-End-Fotos berücksichtigt“). Man sollte sich einfach an einem solchen AdW erfreuen und aus den Aufnahmedaten lernen, wie man diese Qualität ebenfalls erreichen kann. Einsender sind Patrick Hochleitner und Dieter Beer, zwei neue Astrofotografen in unserer Runde – wieder einmal aus Österreich. Offenbar ist das Alpenland bevorzugt, was die klaren Nächte im Jahresdurchschnitt betrifft. Wir begrüßen beide mit einem freundschaftlichen „Servus“.

Das Bild entstand in 8 Nächten vom 20. bis zum 28. August 2011. Aufnahmeorte waren Bruck a.d. Glstr. und Schrick. Als Aufnahmeteleskop diente ein ED-Refraktor Skywatcher BD 80 bei 510 mm Brennweite. Belichtet wurde mit einer G2Moravian 8300FW und einer Alccd6Pro. In H-Alpha waren es 8 Stunden, im Luminanzkanal 14 Stunden und für RGB 12 Stunden, d.h. insgesamt 34 Stunden! Dazu eine herzliche Gratulation vom AdW-Team!

M 31 ist eine Sb-Spiralgalaxie von riesenhafter Ausdehnung. Am Himmel misst sie 3° x 1°, was bei einer Entfernung von 2,6 Millionen Lj auf einen wahren Durchmesser von 136.000 Lj hinausläuft. Mit einer scheinbaren visuellen Helligkeit von 3,47 mag ist sie leicht mit dem bloßen Auge zu erspähen. Aber selbst in leistungsfähigen Amateurfernrohren bleibt ihr Anblick diffus, auch wenn sich die Spiralstruktur schon bei mittleren Öffnungen deutlich zeigt. Erst die Fotografie enthüllt die wahre Detailfülle. Im aktuellen AdW kommen die zahlreichen roten H II-Regionen sehr schön zur Geltung. Sie liegen entlang der Spiralarme und zeugen von lebhafter Sternentstehung. Dort bilden sie am Rande der dunklen Staub- und Molekülwolken einen farblich guten Kontrast. Die bläulichen Spiralarme sind aufgebaut aus zahllosen blauen Sternen. Ein interessantes Detail ist die auffällige helle Sternassoziation im südwestlichen Galaxienbereich. Sie hat als NGC 206 eine eigene Nummer im NGC-Katalog erhalten. Der Kernbereich, auch „Bulge“ genannt, zeigt wegen der überwiegenden alten Sterne der Population II eine gelbliche Färbung. Ins Auge springt der enorme Durchsatz an Dunkelwolken.

Es macht Spaß, auf dem Monitor M 31 zu umrunden und dabei auch viel wenig Bekanntes zu entdecken. Hand aufs Herz: Wer hat schon in einer Amateur-Aufnahme die Auswirkungen der Wechselwirkung zwischen M 31 und ihren elliptischen Begleitern beachtet? So zeigt die kleine rundliche M 32 (südlich des Bulge) einen eindeutigen kometenhaften Fortsatz, der weg von M 31 gerichtet ist. Wie kommt das? Bei ihrer Runde um die Muttergalaxie verlieren die Begleitgalaxien Substanz in Form von Sternen. Wie mag M 32 vor Hunderten von Millionen Jahren ausgesehen haben, als sie die inzwischen verlorenen Sterne noch besaß? Und NGC 205, nordwestlich des Bulge gelegen, zeigt unverkennbar die typischen Warp-Verbiegungen mit einer diffusen Verlängerung auf M 31 zu.

M 31 bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 300 km/s (nicht „kaa emm ess“, sondern Kilometer pro Sekunde) auf unsere Milchstraße zu (van den Bergh 2000). Diese Bewegung wird sich im Laufe der Zeit beschleunigen. In etlichen hundert Millionen Jahren werden beide Galaxien kollidieren und zu einer riesigen elliptischen Galaxie verschmelzen.

RA = 00 h 42 min 44 s, DEK = +41° 16´ 09´´

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