46. Woche - Der Offene Sternhaufen NGC 7789

 -  Astrofoto der Woche  - 

NGC 7789 ist ein reicher Offener Sternhaufen in der westlichen Cassiopeia, etwa 30.000 Lj vom galaktischen Zentrum entfernt. Die Distanz zur Sonne ist in der Literatur nicht einheitlich, weil die Messmethoden von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgehen. Man darf jedoch etwa 6000 bis 7000 Lichtjahre ansetzen. Es fällt schwer, einen konkreten Wert für den Haufendurchmesser zu geben, denn einerseits steht das Objekt in einem sehr dichten Sternenhintergrund, und zweitens ist die Haufenkontur sehr inhomogen. Aus dem AdW lassen sich etwa 16´ abschätzen.

Ziemlich einig sind sich die Astronomen beim Alter. So wird aufgrund der Erscheinungsform des Farbenhelligkeitsdiagramms (FHD) von etwa 1,6 Milliarden Jahren ausgegangen. NGC 7789 zählt demnach zu den mittelalten Sternhaufen. Das passt auch gut zu dem mittleren Farbindex, er beträgt B-V = 0,98 mag – und das ist gelb. Das aktuelle AdW zeigt sehr schön, dass die hellsten Sterne orangefarbene „Rote Riesen“ sind, ihre scheinbaren Helligkeiten liegen um 11 mag. Aufgrund des Haufenalters haben sich aber auch bereits Sterne entwickelt, die nach dem Stadium als Rote Riesen schon in der Phase des zentralen Heliumbrennens stecken. Auch etliche „Blue Stragglers“ wurden bestimmt. Das sind Hauptreihensterne, die sich dort von ihrem Entwicklungsgang her eigentlich gar nicht mehr aufhalten dürften. Sie sind später durch Verschmelzung von Doppelsternen entstanden. Der Begriff „Blue Stragglers“ ist ein wenig irreführend, weil damit keine wirklich tiefblauen Sterne gemeint sind, sondern solche, die im FHD jenseits des Punktes stehen, an dem der Riesenast von der Hauptreihe abknickt. Und in NGC 7789 bedeutet das bläulichweiß. Ferner konnten 2003 von X.B. Zhang et al. zahlreiche Veränderliche in NGC 7789 nachgewiesen und in ihren Lichtkurven vermessen werden. Beim überwiegenden Teil handelt es sich um Bedeckungsveränderliche – also Doppelsterne. Im Gegensatz dazu findet man in den uralten Kugelsternhaufen die typischen RR-Lyrae-Veränderlichen.

Fachgruppenmitglied Hartmut Bornemann nahm das Objekt am 27.09.2014 auf. Instrument war ein Refraktor TOA-150 mit Field Flattener FF67 und f = 1096 mm. Als Kamera kam eine auf -30°C gekühlte FLI ML8300 zum Einsatz, alles auf einer Montierung des Typs EM-400. Belichtet wurde LRGB jeweils 60 min. Es handelt sich um ein RGB (Astronomik-Filter) mit synthetischer Luminanz (Luminanzbild nach Deconvolution). Die Bildbearbeitung erfolgte mit PixInsight. Übrigens entstanden die Flatfields mit einer selbst gebauten LED-Box. Jeder Filter bekommt seine individuelle Lichtmenge, um mit ähnlichen Belichtungszeiten von etwa 2 Sekunden vergleichbare Mittelwerte bei den Aufnahmen zu erhalten.

Die Grenzgröße der Aufnahme beträgt übrigens V = 21,0 mag.


Koordinaten 2000:
RA = 23 h 57 min 24 s, DEK = +56° 42´ 30´´

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