48. Woche: Hell, aber wenig bekannt – IC 1795

 -  Astrofoto der Woche  - 

Im AdW 45/2006 wurden die H II-Regionen IC 1805 und IC 1848 im Perseusarm der Milchstraße vorgestellt. Und schon damals erfolgte der Hinweis auf das nordwestliche Anhängsel von IC 1805, das die eigene Katalognummer IC 1795 trägt. Obwohl der Nebel sehr hell ist, wird er – so wie auch IC 1805 und IC 1848 – kaum fotografiert. Na, Astrofotografen? Endlich einmal bunte Alternativen zu M 31, M 33 und M 42! Cassiopeia und Perseus stehen noch lange Zeit hoch am Himmel und dort gibt es so viele schöne, aber weniger bekannte Objekte!!!

In dieser Woche zeigen wir endlich einmal eine mittelbrennweitige Aufnahme von IC 1795 im Sternbild Cassiopeia. Der 6400 Lj entfernte Nebel beherbergt eine Fülle interessanter Quellen. Eine wichtige Entdeckung waren zahlreiche junge stellare Objekte, die erst in IR-Aufnahmen erscheinen. Ferner fand man vor wenigen Jahren im Zentrum von IC 1795 sowohl im Röntgenlicht als auch mit dem Weltraumteleskop Spitzer einen großen Sternhaufen.

Kurz zu den helleren Sternen im Bild. Bei den Pixelkoordinaten (177, 152) befindet sich der 7.8 mag helle G5-Stern BD+61°416. Mit einem Farbindex B-V = 0.65 mag kann er als weißer Stern für die Kalibration von CCD-Aufnahmen verwendet werden. Etwas weiter nach rechts unten (266, 470) liegt BD+61°414. Er ist 9.52 mag hell und sollte auf Farbaufnahmen weißbläulich erscheinen (B-V = 0.41 mag). Bei (567, 230) erkennt man im Gewirr der Molekülfilamente den 9 mag hellen BD+61°412. Mit einem Farbindex B-V = 0.37 mag ist er ebenfalls hellblau. Der interessanteste Stern ist aber ohne Zweifel BD+61°411 (755, 800). Er liegt nahezu mittig in IC 1795, etwa 160 Pixel westlich des gebogenen, langen Dunkelfilaments. Dieser 10.14 mag helle Stern wurde spektral als O8-Stern bestimmt. Stünde er nicht inmitten absorbierender Materie, so würde man einen Farbindex von etwa -0.3 mag erwarten. Stattdessen wurde jedoch B-V = 1.02 mag gemessen, und das entspricht einer leuchtend gelben Farbe! So wie diesen Stern konnte man noch einige weitere Sterne identifizieren, die – obwohl sie stark gerötet sind – dennoch junge heiße O-Sterne sind. Woran liegt das? Die Gegend ist von dichter absorbierender interstellarer Materie durchzogen, was durch die zahlreichen Dunkelwolken auch bereits bewiesen wird. Diese dichte Materie rötet die durchschimmernden Sterne. Der helle Teil von IC 1795 wird von einer gebogenen Molekülwolke umrahmt, die in ihren dichtesten Bereichen eine Schwächung des Sternenlichtes bis zu 15 mag nach sich zieht!

Harald Strauß nahm IC 1795 am 23.09.2009 auf. Instrument war ein 14“-Hypergraph bei f/3.3, als Kamera diente eine Starlight SXV-H9 mit H-Alpha-Filter (HWB = 13 nm). Belichtungszeit: 30 x 5 Minuten ohne Binning. Der Leser schaue sich einmal in aller Ruhe die chaotischen Molekülwolkenstrukturen an! Ihr Inneres repräsentiert eine Geburtsstätte junger Sterne.

RA = 02 h 25 min 44 s, DEK = +62° 06’ 13”

nach oben

Anzeige