49. Woche - Eine kleine Globule in der Eidechse

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das Sternbild Eidechse (Lacerta) liegt südlich vom Cepheus in der Milchstraße. Aber wegen der Nähe der bekannten Nebel im benachbarten Schwan (z.B. Nebel um Gamma Cygni oder Nordamerikanebel) ist dieses Sternbild kein „Hingucker“. Der Sternfreund erwartet in diesem Himmelsabschnitt überhaupt keine auffälligen Deep-Sky-Objekte.

Dabei ist die Milchstraße auch in diesem Abschnitt höchst interessant. Im Jahre 1988 suchten die Amerikaner Dan P. Clemens und Richard Barvainis die Milchstraße nach kleinen Molekülwolken mit darin enthaltenen Globulen ab. Sie interessierten sich für die Frage: „Was ist eigentlich mit Molekülwolken los, in denen keine aktive Sternentstehung abläuft?“ Insgesamt 242 solcher Objekte fanden sie, indem sie den Palomar Observatory Sky Survey (POSS) regelrecht „abgrasten“. Und in der Eidechse haben wir nun das Motiv, das jetzt zum Astrofoto der Woche erkoren wurde. Es trägt den unattraktiven Katalognamen [CB88] 238. Damit ist es das Objekt Nr. 238 im Katalog von Clemens & Barvainis. Schaut man sich in der Datenbank Aladin die POSS-Aufnahmen von [CB88] 238 an, so ist man enttäuscht: Der Anblick reißt einen Astrofotografen kaum vom Hocker. Auch Daten sind kaum aus der Literatur zu bekommen. Launhardt und Henning (1997) geben immerhin eine Entfernung von 1600 Lj an.

Jedoch hat sich unser Bildautor Patrick Hochleitner, Mitglied der FG Astrofotografie, zu einer sehr tiefen Belichtung entschlossen. Und siehe da: Auch lichtschwache Nebel wie diese so genannte „inaktive Globule“ tragen Farben in sich! Außerdem werden dunkle Wolken bei genügend langer Belichtungszeit doch noch hell – schließlich werden sie ja durch das Licht aller Scheibensterne der Milchstraße angestrahlt und zeigen sich dann als Reflexionsnebel. Zur Orientierung: Das Bildfeld hat eine Größe von 46´ x 34´.

Aufnahmeteleskop war ein 350-mm-Newton mit 1333 mm Brennweite und einer Apertur f/3,8. Das Teleskop steht in Spanien (Nerpio) auf einer Montierung des Typs ASA DDM85 und wird von Österreich aus ferngesteuert. Als Kamera diente eine FLI 8300. Die Nachführung erfolgte mittels Lodestar. Das LRGB-Bild wurde 250/140/120/120 Minuten nachgeführt, was insgesamt 10 h und 30 min ergibt. Die Einzelbilder entstanden im Zeitraum 29.06., 31.07., 01.08. und 28.08.2014. Dazu Lob in schärfster Form! Zur Bildbearbeitung wurden die heute üblichen Programme PixInsight 1.7 sowie Photoshop CS4 verwendet.

Koordinaten J2000.0:

RE = 22 h 13 min 23 s, Dec = +41° 01' 30''

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