49. Woche - NGC 457 und 436, zwei offene Sternhaufen in der Cassiopeia

 -  Astrofoto der Woche  - 

Im aktuellen AdW liegt Norden auf 1 Uhr. Links unten ist NGC 457 zu sehen, rechts oben NGC 436. Diese beiden wunderschönen offenen Haufen gehören dem Perseus-Arm der Milchstraße an und stehen knapp 40´ auseinander. NGC 457, der größere von beiden, hat eine visuelle scheinbare Helligkeit von 6,4 mag. Er ist nach Phelps & Janes (1994) ca. 9850 Lj entfernt. Etwa 80 hellere Sterne stehen in einem Bereich von 13´ scheinbarem Durchmesser. Bis 21 mag wächst diese Zahl schon auf knapp 590 an. Das Alter des Haufens wurde auf etwa 7 bis 19 Millionen Jahre geschätzt, was in kosmischen Zeitabläufen recht jung ist. Auffälligster Stern ist Phi Cas. Der leuchtkräftige Überriese von 6,3 Sonnenmassen gehört tatsächlich zu NGC 457 und ist weit und breit der hellste Stern im Feld. Für die Astrofotografen: Mit seiner scheinbaren visuellen Helligkeit von 5,01 mag und einem Farbindex B-V = 0,59 mag muss Phi Cas in einem korrekt kalibrierten Farbbild nahezu weiß erscheinen. Im aktuellen AdW ist das der Fall. Gut dazu passend ist sein Spektraltyp F0Ia (Ia-Überriese). Knapp neben Phi Cas steht HD 7902, ebenfalls ein sehr heller Mitgliedsstern. Sein Spektraltyp ist B6Ib (Ib-Überriese). Mit 7,0 mag scheinbarer visueller Helligkeit hat HD 7902 einen Farbindex B-V = 0,3 mag. In gut kalibrierten Aufnahmen sollte er daher bläulich erscheinen. Auch das ist im AdW der Fall! Ein auffallend rötlicher Stern am nördlichen Haufenrand ist der Veränderliche V466 Cas. Seine scheinbare visuelle Helligkeit beträgt 8,62 mag mit einem Farbindex B-V = 2,08 mag, was eine orangerote Farbe bedeutet. Der rote Überriese hat den Spetraltyp M1,5Iab.

Der zweite Haufen, NGC 436, ist unscheinbarer. Er steht mit 10500 Lj noch etwas weiter weg. Sein Alter beträgt ungefähr 42 Millionen Jahre, so dass NGC 436 etwas älter als sein Nachbar NGC 457 ist. Die scheinbare visuelle Helligkeit von NGC 436 beträgt 8,8 mag, er enthält ca. 60 hellere Einzelsterne bei 6´ scheinbarem Durchmesser. Seine hellsten Mitgliedssterne erreichen 11 bis 12 mag.

Beide Sternhaufen gemeinsam haben überwiegend Einzelsterne der Spektraltypen B bis A. Dies sind also keine massereichen heißen Sterne, die das Gas der Umgebung ionisieren könnten. Demzufolge werden auch keine roten H II-Regionen beobachtet, die von den beiden Sternhaufen zum Leuchten angeregt werden.

Bildautor Bernd Weinzierl schrieb: „Offene Sternhaufen kommen in der Fotografie ja meist zu kurz, obwohl sie wunderschöne Objekte sind. Aus diesem Grund schick ich mal einen schönen Vertreter dieser Objektklasse NGC 457 mit seinem kleinen Nachbarn NGC 436, mal sehen ob er zu Ehren kommt ...“ Ja, er kommt zu Ehren! Das Bild entstand am 2. Oktober dieses Jahres in Eisenerz (Österreich). Aufnahmeteleskop war ein 200-mm-Fotonewton (TS) mit einem Öffnungsverhältnis von 1:4. Die effektive Brennweite war mit einem Televue Paracorr auf 920 mm verlängert worden. Als Kamera kam eine Moravian G2 8300 FW zum Einsatz. Die Belichtungszeit betrug 10 x 4 min ohne Binning. Zusammengesetzt wurde das Bild mit CCDStack2, bearbeitet mit Photoshop CS3.

NGC 436: RA = 01 h 15,6 min, DEK = +58° 49´
NGC 457: RA = 01 h 19 min 40 s, DEK = +58° 17,3´

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