5. Woche - Der Reflexionsnebel LBN 777 im Taurus

 -  Astrofoto der Woche  - 

Im AdW 5/2011 wurde eine Übersichtsaufnahme des Plejadenumfeldes gezeigt. Abgesehen von den Nebeln, die durch die Plejaden selbst angeleuchtet werden, ist das Feld erfüllt von bräunlichen Reflexionsnebeln. Kurz belichtete Aufnahmen zeigen dieses Nebelchaos gar nicht. Wendet man sich von den Plejaden aus etwa 5° ostnordöstlich, so erkennt man in der linken Bildecke einen seltsam geformten Reflexionsnebel, der an eine „Schweinenase“ erinnert. Um dieses Objekt geht es im aktuellen AdW. Schon der bekannte amerikanische Astronom Edward Emerson Barnard hat es erkannt und 1927 mit der Nummer 207 seinem „Catalogue of Dark Objects in the Sky“ zugefügt. Warum aber wurde ein heller Reflexionsnebel als Dunkelnebel katalogisiert? Einfache Antwort: Weil damals unsensibilisierte Fotoplatten verwendet wurden, die auf das bräunliche Leuchten nicht reagieren konnten. Da die Nebelwolke im Vordergrund keine Sterne aufweist (gerade im Bereich des linken „Nasenlochs“), wurde sie als dunkel registriert. Es gibt etliche andere Stellen am Himmel, bei denen Ähnliches vorliegt, so z.B. die ausgedehnte Dunkelwolke Bernes 157 in der südlichen Krone.
In den 1950-er Jahren begann man mit dem Palomar Observatory Sky Survey, der auf blauen und roten Fotoplatten basiert. Im Jahre 1962 publizierte die Astronomin Beverly T. Lynds ausführliche Untersuchungen von Dunkelnebeln. Sie katalogisierte (ohne dass es ihr auffiel) Barnard 207 als Objekt Nr. 1489. Der eigentliche Lynds-Katalog heller Nebel entstand 1965. Die „Schweinenase“ wird nun als LBN 777 geführt. Um Verwechselungen zu vermeiden, werden die galaktischen Nebel auch gern mit ihren galaktischen Koordinaten genannt. Dementsprechend findet man LBN 777 auch als LBN 168.10-19.04 in den Datenbanken (galakt. Länge l = 168,1°, galakt. Breite b = -19,4°). Erwartungsgemäß ist dieser Nebel Teil des ausgedehnten Molekülwolkenkomplexes im Gebiet Taurus, Perseus und Auriga. Die Entfernung liegt nach Ungerechts (1987) bei 450 Lj.
Hellster Stern des Bildes ist HD 25596, sein Spektraltyp ist M. Mit B = 9,90 mag und V = 8,26 mag kommt er auf einen Farbindex B-V = 1,64 mag. Das ist rotorange, typisch für M-Sterne. Er sorgt für die Färbung des südlichen Nebelbereichs. Der nördliche Nebelbereich ist nicht so rötlich. Hier sitzt der F8-Stern HD 25489 mit B = 9,58 mag, V = 9,04 mag und dem Farbindex B-V = 0,54 mag (fast weiß). Ist eine Molekülwolke dicht genug, kann in ihr Sternentstehung passieren. Daher verwundert es auch nicht, dass in LBN 168.10-19.04 einige Objekte des Typs Herbig-Haro vorkommen, also Protosterne. Im Bild ist HH 360 gut zu sehen, ein kleiner diffuser rötlicher Fleck zwischen den beiden „Nasenlöchern“ (etwas näher am linken).

Günter Kerschhuber, Mitglied der Fachgruppe Astrofotografie, ist Autor des Bildes, das zwischen November 2011 und Januar 2012 an der Sternwarte Gahberg hoch über dem Attersee entstand. Mit einem ASA N10 (f = 950 mm) und einer ST-10XME wurden die Luminanzaufnahmen 580 min lang belichtet, für die RGB-Belichtungen (555 min) kam zeitgleich eine ASK8 bei f = 540 mm mit einer Starlight SXV-H9 zum Einsatz. Die Gesamtbelichtungszeit betrug knapp 19 h. „Das ist gerade recht für dieses Objekt …“, meint der Autor und fährt fort: „Trotz der langen Belichtungszeit waren mehrere Bearbeitungsversuche notwendig, um guten Kontrast und Farbumfang in das Endergebnis zu übertragen. Die Kalibrierung nach B-V per Regim war wie immer eine große Hilfe dazu!“ Dem ist nichts hinzuzufügen. So sind die Sternfarben echt, entsprechend dem Farbindex.

Objektkoordinaten (2000):RA = 04 h 05 min, Dek = +26° 24´

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