5. Woche - Die Zwerggalaxie IC 10

 -  Astrofoto der Woche  - 

Die Zwerggalaxie IC 10 liegt in der Milchstraße im Sternbild Cassiopeia. Sie wurde bereits um 1890 durch L. Swift entdeckt. J.L.E. Dreyer nahm sie 1895 in den IC-Katalog auf und beschrieb sie als unauffälligen Stern, der von einem extrem schwachen, großen Nebel umgeben ist. Erst N.U. Mayall wies 1935 auf die extragalaktische Natur des Objekts hin. Ein Jahr später stellte E. Hubble die These auf, IC 10 sei ein Mitglied der Lokalen Gruppe.

Die Nähe zum galaktischen Äquator (nur 3° südlich) macht IC 10 trotz ihrer Zugehörigkeit zur Lokalen Gruppe zu einem wenig erforschten Objekt. Staub und Gas unserer Milchstraße stören die Beobachtung. Am Ort von IC 10 beträgt die galaktische Extinktion 2 bis 3 mag und dunkelt die Zwerggalaxie deutlich ab. Auf Farbaufnahmen wie im aktuellen AdW erscheint IC 10 deswegen bräunlich-rötlich. Wegen der nicht genau bekannten Extinktion schwanken in der Literatur auch die Entfernungsangaben. Aus der Fotometrie von Wolf-Rayet-Sternen und hellen blauen Überriesen ergab sich eine Entfernung von 950 kpc. Gegen Ende der 1990-er Jahre wurde IC 10 mit dem 5m-Spiegel des Mt. Palomar neu fotometriert. Aus der Spitze der Roten Riesenastes ließ sich eine Entfernung von (500 ± 50) kpc schließen. Mit Hilfe von Cepheiden ergaben sich (660 ± 66) kpc. Schließlich zeigten Untersuchungen der Zentralregion von IC 10, dass dort massive rote Überriesen vorkommen, die 10 bis 50 Millionen Jahre alt sind. Mit Hilfe dieser Sterne konnte die Entfernung zu 590 kpc berechnet werden. Die Entfernungsangaben schwanken also sehr. Wir können aber von 675 kpc im den Durchschnitt ausgehen (ca. 2,2 Millionen Lj). Damit hätte IC 10 bei einem scheinbaren Durchmesser von 6,4’ x 5,3’ einen echten Durchmesser von etwa 4100 Lj.

Über die Galaxie sind viele rot leuchtende H II-Regionen verteilt (Norden oben, Osten links). Die hellsten erkennt man im südöstlichen Bereich direkt nördlich des auffälligen Staubbandes. Das AdW gibt es her, zoomen Sie ruhig tief hinein! Sie entdecken nicht nur aufgelöste Einzelsterne, sondern im Inneren der hellsten H II-Region auch zweifelsfrei ein blau leuchtendes Gebiet junger, heißer O-Sterne. Diese bekannte "Starburst-Zone" wurde auch mit dem Weltraumteleskop Hubble aufgenommen.

Kai Wiechen, ist Mitglied der TBG-Gruppe (Projekt Tief Belichtete Galaxien), das innerhalb der Fachgruppe Astrofotografie angesiedelt ist. Zwischen dem 4. bis 9. Oktober 2013 nahm er dieses tiefe Bild in Nerpio/Spanien auf. Teleskop war ein 500-mm-Cassegrain (ASA, remote) mit einer CCD-Kamera FLI PL16803. Bei f = 4500 mm wurde das LRGB mit 460 : 200 : 160 : 170 min belichtet. Ein Super-Ergebnis!

Objektkoordinaten (2000.0): RA = 00 h 20 min 17 s, DEK = +59° 18´ 14´´

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