50. Woche - Immer wieder gern aufgenommen: Der Hantelnebel Messier 27

 -  Astrofoto der Woche  - 

Messier 27 (NGC 6853) zählt als astrofotografisches Motiv zu den beliebten Standardobjekten. Charles Messier entdeckte den PN im Sternbild Füchschen im Jahre 1764. Das Objekt Nr. 27 seiner Messierliste ist mit 8´ x 5´ nicht nur recht großflächig, sondern auch recht hell. Die scheinbare visuelle Helligkeit wird zu 7,6 mag angegeben und das bedeutet eine mittlere Flächenhelligkeit von 20,5 mag pro Quadratbogensekunde. So wie viele andere PN zeigt auch M 27 eine bipolare Form, die man schon in kleinen Teleskopen gut nachempfinden kann und die sich gut mit einer Hantel vergleichen lässt (daher auch "Hantelnebel"). Die Entfernung des Hantelnebels ist in der Literatur unterschiedlich und variiert - ja nach Messmethode - zwischen 850 und 1300 Lichtjahren. Der Zentralstern liegt im Bild bei den Pixelkoordinaten (754,496). Es handelt sich um einen heißen Weißen Zwerg mit den Helligkeiten B = 13,75 mag und V = 14,09 mag. Der Farbindex B-V beträgt also -0,34 mag, was sehr blau ist. Dies deutet sich im AdW an, kommt aber nicht so klar heraus, weil alle helleren Sterne im Zentrum weiß sind und nur die Farbränder auf die Eigenfarbe schließen lassen.

 

Woher rührt die Farbe des Hantelnebels? Zunächst einmal zur Farbe Rot, die an den Hantelrändern dominiert. "Das Rot kommt vom Wasserstoff, H-Alpha ist ja rot." So werden viele jetzt antworten. Aber das ist nur zum Teil richtig, denn das Rot ergibt sich zu fast gleichen Anteilen aus Hα und der doppelten Stickstofflinie [NII] bei 654 und 658 nm. Die Hα-Linie liegt mit 656 nm genau dazwischen und ein Hα-Filter von mehr als 5 nm Halbwertbreite lässt alle drei Emissionslinien passieren. Dagegen sind die Innengebiete von M 27 vom Blaugrün des zweifach ionisierten Sauerstoffs [OIII] bei 496 und 501 nm gekennzeichnet. Die eckige Klammer sagt übrigens aus, dass es sich um „verbotene“ Emissionslinien handelt.

 

Farblich auffällige Sterne besitzen oft ungewöhnliche Eigenschaften. Sehr auffällig ist der rote Stern bei den Pixelkoordinaten (889,326). Zur besseren Sichtbarmachung empfiehlt sich stärkeres Hereinzoomen ins Bild, dazu also nicht nur das nebenstehende Bild anschauen, sondern downloaden. Vor 24 Jahren fanden ungarische Astronomen heraus (Ondra 1991), dass dieser Stern langperiodisch veränderlich ist, höchstwahrscheinlich ein Mira-Typ. Katalogisiert ist er als NSV 24959. Es gibt im Internet Bilder, auf denen dieser Veränderliche absolut fehlt. Im aktuellen AdW dagegen ist er ausgeprägt hell. Die Datenbank SIMBAD gibt keine optischen Helligkeitswerte an, nur infrarote. Ebenso rot, jedoch deutlich heller, ist der Veränderliche DQ Vulpeculae bei den Pixelkoordinaten (214,179).

 

Ungewöhnlich blau ist das Sternchen bei den Pixelkoordinaten (635,959). Ähnlich wirkt ein ebenfalls sehr blaues Sternchen bei (1475,363). Die Datenbanken sagen nichts weiter aus. Hier in der Milchstraße wird es sich von der Helligkeit her mit größter Wahrscheinlichkeit um BHB-Sterne handeln, das sind "blaue Horizontalaststerne" der Population II. Sie sind im Gegensatz zu den jungen blauen Sternen der Population I uralt. Das Stadium als Rote Riesen haben sie schon lange hinter sich und fusionieren jetzt Helium zu schweren Elementen. So etwas ist nichts Ungewöhnliches und wird in Kugelsternhaufen extrem häufig festgestellt.

 

Eckhard Alt hat M 27 am 10.09.2015 abgelichtet, Aufnahmeort: Pfälzerwald. Verwendet wurde ein 400-mm-Teleskop des Typs Ritchey-Chrétien mit einem Öffnungsverhältnis 1:6,8 ohne Linsen im Strahlengang (Selbstbau). Die Kamera war eine SBIG ST-8E. Belichtet wurde bei einer Brennweite von 2720 mm insgesamt 6 h 53 min. Dazu wurden fünf Farbaufnahmen mit fünf Breitbandfiltern angefertigt, Schmalbandfilter werden vom Bildautor nicht benutzt. Sein Standpunkt: "Ich kann keinen Sinn darin erkennen, mit Schmalbandaufnahmen Farben aufzupeppen, zumal das Farbgleichgewicht damit völlig ruiniert wird." Aus Sicht der Real-Astrofotografie ist dieser Standpunkt nachvollziehbar, wenngleich die Nutzer von Schmalbandfiltern nicht nur die Farbe im Visier haben, sondern sofort auch andere Argumente für ihre Filterungen bereit halten. Es hängt eben ganz davon ab, welche Objektphänomene man im Bild sichtbar machen will. So zeigen beispielsweise [OIII]-gefilterte Aufnahmen sehr viel deutlicher die den Zentralstern umgebenden dunklen Molekülwolken (Meaburn & Lopez 1993). Hier kann man sie nur vage vermuten.

 

Text zum Objekt und zu den Aufnahmedaten: Peter Riepe.

 

Eckhard Alt, Autor dieses über knapp 7 Stunden belichteten Hantelnebels, ist seit mehr als 40 Jahren aktiver Astrofotograf. In den 1970er Jahren entwickelte er zusammen mit den Herren E. Brodkorb, K. Rihm und J. Rusche das Dreifarben-Komposit-Verfahren, eine aufwändige Technik zur möglichst farbrichtigen Darstellung von Deep-Sky-Objekten. Die Ergebnisse, belichtet auf die spektroskopischen Kodak-Filme der 103a-Reihe fanden internationale Beachtung und gehörten zum Besten, was damals publiziert wurde.

 

Der farbneutralen Darstellung von Nebeln und Galaxien ist Eckhard Alt auch nach dem Wechsel zur CCD-Fotografie treu geblieben. So belichtete er diesen M 27 durch fünf Breitbandfilter mit dem Ziel einer natürlichen Farbwiedergabe. Hier wirkt nichts überdehnt oder übertrieben  – man kann auch sagen, dieser Hantelnebel kommt angenehm unaufgeregt daher.

 

Bildkommentar: Dr. Stefan Binnewies und Frank Sackenheim.

 

Koordinaten J2000.0:

RA = 19 h 59 min 36 s, DE = +22° 43´ 16´´

 

Der Autor wünschte das Bild nur zu präsentieren, keine Diskussion darüber mit den Lesern.

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