9. Woche - Ein Klassiker am Winterhimmel – der Orionnebel M 42

 -  Astrofoto der Woche  - 

Zugegeben – man hat ihn schon oft genug gesehen. Und doch ist es immer wieder interessant anzuschauen, wie verschiedene Astrofotografen den Orionnebel M 42 präsentieren. Diesmal hat Bernd Weinzierl eine beeindruckende Aufnahme eingereicht. Norden ist im Bild links, Osten unten.

Der Orionnebel, auch als NGC 1976 bekannt, ist zweifellos die hellste und populärste H II-Region des Winterhimmels. Visuelle Beobachter und Astrofotografen schwärmen gleichermaßen über sein Erscheinungsbild, das von chaotisch verlaufenden und bereits in kleinen Teleskopen erkennbaren Nebelfetzen und Dunkelwolken geprägt ist. Kurzbelichtete Aufnahmen zeigen M 42 stets als ein Objekt, das an einen Krebs erinnert: Zwei riesige Zangen strecken sich vom hellsten Teil mit dem nördlich daran hängenden M 43 nach Süden. In Wirklichkeit aber bildet M 42 eine komplette, geschlossene Blase, deren südlicher Rand den rot emittierenden Bereich wie eine Girlande umschließt. Immer wieder erstaunlich ist die Vielfalt an Farben und Formen, die aus dem Wechselspiel von Gas und Staub resultiert. Das führt zu Farbvariationen unterschiedlicher Rottöne bis hin zu blauen Nuancierungen. Die Entfernung des Orionnebels beträgt etwa 1600 Lichtjahre. Der hellste, rundliche Bereich ohne die schwachen Ausläufer hat eine scheinbare Ausdehnung von 66´ x 60´. Das entspricht einem wahren Durchmesser von 34 Lj. Bis in die Außenpartien ist M 42 aber noch merklich größer.

Tiefbelichtete Aufnahmen wie diese hier dokumentieren, dass M 42 nur der hellste Teil eines ausgedehnten, zusammenhängenden Nebelgebietes ist. Auch der nördlich gelegene, blau leuchtende Reflexionsnebel NGC 1977 gehört eindeutig zu diesem Nebelgebiet. Zwar sind beide Nebelkomplexe durch ein dunkleres Gebiet dichter Staubwolken getrennt, aber die verbindenden Nebelsträhnen in dieser Dunkelzone sind unverkennbar. Das Bild dokumentiert auch sehr schön, dass NGC 1977 weiter nach außen nahtlos in die bräunlichen galaktischen Reflexionsnebel übergeht – selten so gezeigt!

Aufnahmeoptik war ein Refraktor Megrez 72 von William Optics mit TS Flattener, dazu als CCD-Kamera eine Moravian G 8300 FW. Alles befindet sich auf einer Montierung Losmandy G11 mit Steuerung FS-2. Die Nachführkontrolle erfolgte über einen Off-Axis-Guider TS9 mit Starlight Xpress Lodestar. Belichtet wurde 32 x 10 min H-Alpha, 26 x 10 min (L), je 8 x 10 min RGB und dazu je 12 x 15 s LRGB für den Kernbereich. Durch diese letzte Maßnahme wurde die bildliche Wirkung im Nebelzentrum optimiert. So wird das „Ausbrennen“ der hellsten Strukturen verhindert und gleichzeitig farblich differenziert. Die Bildbearbeitung geschah mit PixInsight und Photoshop CS5.

Der Bildautor merkt noch an: „Im linken unteren Bereich hatte sich auf einer Luminanzaufnahme eine Sternschnuppe verewigt, die habe ich mit eingebaut …“


Objektkoordinaten (2000.0):
RA = 05 h 35,4 min, DEK = -05° 27’

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