22. Woche - HCG 44, eine kompakte Galaxiengruppe im Löwen

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Die so genannten „Hickson-Gruppen“ sind ausnahmslos kompakte Galaxiengruppen. Es gibt etwa 100 von ihnen. Vor etwa 30 Jahren hat sich der Astronom Paul Hickson um ihre Erforschung verdient gemacht. HCG 44 ist eine solche kompakte Gruppe im Sternbild Löwe, rund 62 Mio. Lj entfernt. Bereits im Vorjahr haben wir sie vorgestellt, damals von Oliver Schneider. Das heutige AdW von Gerald Willems zeigt HCG 44 nochmals, mit ähnlicher Öffnung und Brennweite, aber leicht größerem Gesichtsfeld. Norden ist oben und Osten links, das Aufnahmefeld beträgt ca. 35' x 27'.

Wer sich für die astronomischen Fakten zu HCG 44 interessiert, sei auf das AdW 17/2016 verwiesen. Dort steht eine Menge an Informationen, die hier nicht wiederholt werden müssen. Im heutigen AdW jedoch gibt es etwas Neues! Dazu liegt eine invertierte Bildversion mit erhöhtem Kontrast bei, bitte hier klicken. Drei recht lichtschwache mögliche Begleiter stecken in HCG 44. Die beiden Nr. 1 und Nr. 2 waren schon im AdW 17/2016 zu sehen. Es handelt sich um unscheinbare Objekte, die aber nicht extrem lichtschwach sind. Und dennoch gibt es von den beiden bisher noch keinerlei weitere Informationen außer einer automatisierten Registrierung im Sloan Digital Sky Survey (SDSS). Was mir im alten AdW 17/2016 noch nicht auffiel, erst jetzt, dürfte völlig neu sein - dem Leser vermutlich auch. Es ist das Objekt Nr. 3, welches sehr dicht an der elliptischen Galaxie NGC 3193 (= HCG 44b) sitzt und nur schwer erkennbar aus ihrem östlichen Halo hervortritt. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um eine weitere diffuse Zwerggalaxie. Bislang ist nichts von ihr bekannt, es gibt keine Katalogisierung, auch im SDSS ist nichts vermerkt. Insofern dürfen wir von einer Neuentdeckung reden. Astrofotografen - es steckt mehr an Details in Euren Aufnahmen, als Ihr für möglich haltet. Dazu gilt es jedoch die Bilder intensiv zu durchsuchen! Was das Klickbild auch noch verdeutlicht, sind die ausgeprägten Gezeitenschweife zwischen NGC 3190 (HCG 44a) und NGC 3187 (HCG 44d). Sie formen offensichtlich ein Oval, und dazu treten klare Henkel hervor. Hier könnte eine der typischen Schalenbildungen im Gange sein.

Bildautor Gerald Willems ist Mitglied der Fachgruppe Astrofotografie und der TBG-Gruppe. Aufnahmeort war Grasberg, unweit von Bremen gelegen. Als Teleskop wurde ein Newton mit 350 mm Öffnung und 1200 mm Brennweite eingesetzt. Die Belichtung betrug 74 x 10 min (L) und je 14 x 10 min (RGB). Kamera war eine Atik 460 EXm.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Die hier gezeigte Aufnahme von Gerald Willems ist nahezu perfekt. Die Galaxiengruppe ist tief belichtet, und so erkennt man gut die feinen Ausläufer der prominenten Galaxien, sowie die vielen, zarten Hintergrundgalaxien. Auch die Bildbearbeitung ist gekonnt. Alle Objekte heben sich schön vor einem samtigen, nicht zu weichgezeichneten Hintergrund ab. Farblich ist die Aufnahme auch sauber erstellt, lediglich zeigt sie einen ganz leichten gelb/grünen Farbstich.

Zum Einsatz kam ein 14-zölliges Newton-Teleskop mit 1200 mm Brennweite und eine CCD-Kamera der Firma Atik. Herzstück der Kamera mit der Typenbezeichnung ATIK 460 EXm ist der Sony-Chip ICX 694. Während viele Jahre bevorzugt Chips der Firma Kodak in Amateurkameras eingebaut wurden, haben in den letzten Jahren immer mehr Kamerahersteller Kameras mit Sony Chips im Angebot. Diese CCD-Chips versprechen vor allem eine höhere Quanteneffizienz (Empfindlichkeit, oder besser gesagt Wirkungsgrad eines CCD Chips), bei relativ kleinen Pixeln, aber einer recht kleinen Chipgröße. Eigentlich ist das etwas, was sich ausschließt, denn größere Pixel haben die besseren Voraussetzungen, um möglichst viele Photonen einzufangen. Neben diesen Eigenschaften ist da noch der Preis als ein Faktor zu nennen, der vermutlich am deutlichsten für die Popularität der Sony-Chips verantwortlich ist. Beim Kauf einer CCD-Kamera sollte man sich aber nicht zu sehr vom Preis beeinflussen lassen. Es gibt viele Kenngrößen, die eine Rolle bei der Auswahl der perfekten Kamera spielen. Zunächst einmal sollte man sich überlegen, welche primären Ziele man in der Astrofotografie hat. Dann ist vor allem anderen das eingesetzte Teleskop ein entscheidender Faktor. Die hier verwendete Ausrüstung hat einen Bildmaßstab von 0,77 arcsec/px. Konservativ betrachtet handelt es sich dabei um ein Oversampling, welches der Aufnahme keinerlei Gewinn mehr bringt. Eine ausführliche Diskussion dieses speziellen Themas würde aber hier den Rahmen sprengen. Betrachtet man es nämlich nicht konservativ (hier spielt einfach auch das Seeing am Beobachtungsort eine sehr große Rolle, und darüber lässt sich kein Urteil bilden), passen CCD und Teleskop im vorliegenden Fall sehr gut zueinander.

Gerald Willems zeigt uns immer wieder sehr gute Astrofotos, und auch zu dem hier vorliegenden möchte ich gratulieren.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Koordinaten NGC 3190 (J2000.0):

RA = 10 h 18 min 06 s, DE = +21° 49' 56"

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