34. Woche - Und noch einmal: Die Sommermilchstraße in voller Pracht

 -  Astrofoto der Woche  - 

Die Sommermilchstraße im Gebiet der Sternbilder Skorpion, Schütze, Schlangenträger, Schild und Adler ist und bleibt ein beliebtes weitwinkeliges Motiv für den Astrofotografen. Kein Wunder, denn hier wechseln Sternwolken mit Dunkelnebeln, durchsetzt von den bekannten rotleuchtenden HII-Regionen. Das heutige AdW entstand wieder in einer der kurzen Sommernächte, diesmal im Juni. Während die nördlicher gelegenen Länder Zentraleuropas in dieser Zeit die „hellen Nächte“ aufweisen, entstand diese Milchstraßenansicht in Ungarn, wo der Nachthimmel selbst zum höchsten Sonnenstand noch genügend dunkel wird, wenn auch nur kurz. In diesem Jahr 2017 wurde uns die Sommermilchstraße dreimal als AdW angeboten – und dreimal zeigen wir sie dann auch. Wer mit den anderen Bildern vergleichen möchte: Woche 17-2017 und 32-2017. Gerade der Vergleich mit dem Bild vor 14 Tagen ermöglicht eine gute Abschätzung, welche Auswirkungen die Mitternachtsdämmerung auf die Qualität des Nachthimmels hat. Der Kontrast der großen Dunkelwolken im Schlangenträger ist enorm, wir erkennen auf Anhieb ihre bekannte E-Form. Selbst die farbigen Nebel im Skorpion treten klar hervor.

Bildautor Péter Kurucz ist neu im Kreis der AdW-Astrofotografen. Wir heißen ihn ganz herzlich willkommen! Sein Bild datiert vom 18.06.2017, der Aufnahmeort Lulla liegt in Ungarn, südlich des Balaton-Sees. Optik war ein Weitwinkelobjektiv Samyang mit f = 24 mm, verwendet bei Blende 2,8. Als Kamera wurde eine Canon 5D MkIII verwendet. Bei ISO 4000 wurde 270 s belichtet, alles auf einer transportablen Mini-Montierung des Typs Sky-Watcher Star Adventurer. Und was uns überhaupt nicht wundert: Diese wirkungsvolle Aufnahme ist – so der Autor – das Ergebnis einer wunderschönen Beobachtungsnacht in Ungarn. Und genau dies erscheint uns als AdW-Team erwähnenswert: Die Astrofotografie wird zwar zunehmend als „Leistungssport“ angesehen (die Automatisierung und erst recht der beliebter werdende Remote-Betrieb rücken das eigentliche Astro-Erlebnis während der Aufnahme immer mehr in den Hintergrund. Aber die Astrofotografie direkt in der Natur zu betreiben, unter dem riesigen Himmelszelt – das vermittelt unvergleichliche Eindrücke, denen sich wohl niemand entziehen kann. Als Vordergrund diente eine hügelige Landschaft, mit Büschen und Bäumen bestanden. Wie zu erwarten, erscheint die Milchstraße in einem warmen Gelb, durchsetzt von zahllosen jungen, blauen Sternen. Die Belichtungszeit wurde passend gewählt, d.h. die zart erleuchtete Landschaft kommt weder zu hell noch zu düster heraus. Der Aufnahmestandort zeigt, dass auch die sehr südlichen Sternhaufen M 6 und M 7 mit abgebildet sind.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Die Milchstraßenfotografie ist längst nicht mehr nur ein Betätigungsfeld für Hobbyastronomen. In den letzten Jahren hat sowohl die Amateur- als auch die Profifotografenszene diese Disziplin für sich entdeckt. Es sind die modernen, rauscharmen Kameras, verbunden mit immer schneller (d.h. lichtstärker) werdenden Weitwinkelobjektiven, die diesen Trend ausgelöst haben. Eine Blende von 1,4 z. B. ist nichts Ungewöhnliches mehr, ebenso wie sehr hohe ISO-Werte bei gleichzeitig niedrigem Rauschen. Somit sind Aufnahmen ohne Nachführung möglich, die im Bereich von 20-30 Sekunden liegen. Mit dieser Technik lassen sich bereits beeindruckende Milchstraßenaufnahmen sowie Zeitrafferfilme erstellen. Selbstverständlich lassen sich die Ergebnisse noch verbessern, wenn man die Belichtungszeit erhöht und die Kamera mit einer geeigneten Montierung nachführt. So hat es Peter Kurucz gemacht und 270 s mit seiner Canon DSLR und einem Samyang-Objektiv die Milchstraße belichtet. Das verwendete Objektiv wird in Deutschland von Walimex vertrieben, in den USA von Rokinon. Es handelt sich aber bei all diesen Markennamen immer um ein und denselben Hersteller aus Südkorea. Die Nachführung erfolgte mit einer Skywatcher Staradventurer, einer kleinen und sehr portablen parallaktischen Montierung, mit der sich sogar Aufnahmen mit Teleobjektiven erstellen lassen.

Die hier gezeigte Aufnahme besteht vermutlich aus zwei Aufnahmen: Aus der lang belichteten, nachgeführten Aufnahme und einer vermutlich kürzer belichteten Aufnahme ohne Nachführung für den Vordergrund. Es erfordert schon etwas Geschick und bildbearbeiterische Finesse, um beide Aufnahmen in einer geeigneten Software zu einem stimmigen Gesamtbild zu verschmelzen. Es ist Péter Kurucz sehr gut gelungen.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

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