37. Woche - HII-Regionen im Fuhrmann

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das heutige AdW ist der „gefühlten Jahreszeit“ angepasst und zeigt ein Motiv aus dem Spätherbst. Wir sehen ein Himmelsfeld von 162' x 129', Norden ist grob oben, Osten links. Im Feld stehen die Emissionsnebel IC 410 (links) sowie IC 405 (rechts). An der Westseite von IC 405 schließt nach Süden laufend ein noch schwächerer Nebel an – LBN 791. Was gibt es zu diesen Objekten zu berichten? 

IC 405 ist in der Astronomie unter verschiedenen Katalogisierungen bekannt, auch als Cederblad 42 und als Sh 2-229. Das ist eigentlich nichts Besonderes, jedoch sind diese drei Katalognamen in den gängigen Datenbanken und Listen mit sehr verschiedenen Koordinaten aufgeführt, obwohl es sich ja um ein Objekt handelt. Aus diesem Grund werden am Ende auch nur die Koordinaten für die Bildmitte genannt. Der anregende Stern von IC 405 ist der Veränderliche AE Aurigae (HD 34078). Der Stern hat visuelle 5,96 mag und ist als Stern des Spektraltyps O9,5 blau mit einem Farbindex von 0,22 mag. Das kommt hier im AdW gut zur Geltung (Farbkalibrierung). AE Aurigae wurde vor etwa 2,5 Mio. Jahren aus dem Zentralgebiet des Orions herausgeschleudert. Er entfernt sich mit ca. 150 km/s weiter von seinem Ursprungsort fort. Einen so schnell weglaufenden Stern nennt der Astronom deswegen auch „runaway star“. Während der Durchquerung der interstellaren Materie im Fuhrmann regt der heiße Stern den Wasserstoff zur Emission an. Gleichzeitig pflügt er durch den interstellaren Staub. Mit Hilfe des Spitzer-Teleskops wurde eine „Bugwelle“ von etwa 1' Ausdehnung festgestellt. Dass Staub eine wesentliche Rolle spielt, erkennt man an dem blauen Reflexionsanteil im Bild von IC 405. Die Entfernung von AE Aurigae und damit auch von IC 405 liegt bei 450 pc (~1500 Lj).

IC 410 (auch Sh2-236 bzw. LBN 807) umgibt den offenen Sternhaufen NGC 1893. Dieser Nebel ist viel weiter entfernt als IC 405. Neue Messungen aus dem Jahre 2014 ergaben etwa 3,6 kpc (11700 Lj). Übliche Aufnahmen zeigen IC 410 meistens rot, weil diese Farbe durch zusätzliche Hα-Filterung verstärkt wird. RBG-Bilder jedoch – so wie dieses AdW hier – beweisen eine ebenfalls starke Emission im blauen Spektralbereich (hier klicken). Sie resultiert aus einer kräftigen [OIII]-Strahlung, die im Farbbild deutlich als grünliche Aufhellung sichtbar wird. Diese hohe Anregung ist darauf zurückzuführen, dass es in NGC 1893 fünf (!) Sterne des Spektraltyps O gibt, darunter zwei O5-Sterne. Aufnahmen mit längerer Brennweite und damit höherer Auflösung zeigen in IC 410 zwei kleine, helle und kompakte Nebel mit Schweif, die von ihrer Form her an Kaulquappen (engl. tadpole) erinnern. Hier im AdW sind sie nur zu erahnen. Sie wurden schon in den 1950er Jahren von Shain und Gaze entdeckt und tragen die offiziellen Katalogbezeichnungen des Observatoriums auf der Krim, nämlich Simeiz 129 und 130.

Karsten Möller nutzte im Dezember 2016 seinen Sky-Watcher ED80 bei 510 mm Brennweite für dieses Zweifach-Mosaik. Als Kamera kam eine Canon EOS 400Da bei ISO 800 zum Einsatz. Alles befand sich auf einer Sky-Watcher NEQ6 mit Sucherguiding. Die Bearbeitung erfolgte komplett in PixInsight. Belichtet wurde das Feld um IC 405 mit 44 x 600 s (100 Bias, 30 Darks und 30 Flats). Das Feld um IC 410 wurde 41 x 600 s belichtet (ebenso 100 Bias, 30 Darks und 30 Flats). Dazu schreibt uns der Bildautor: „Anzumerken sind wieder die großen Halos, die durch den Flattener produziert werden. Das ist deutlich, weil bei beiden Feldern die Halos der Überlappung gleich groß sind. Und ich hatte sehr unterschiedliche Verhältnisse. Bei IC 410 ein FWHM von 3,05 arcsec, bei IC 405 mit 2,50 arcsec viel besser, einer der besten Werte, die ich je hatte. Sollte ich das geplante Sechsfeldermosaik fertig bekommen, dann werde ich die Halos auch entfernen.“

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Das heutige AdW zeigt ein Mosaik zweier Emissionsnebel, aufgenommen mit einer Canon 400Da und einem Sky-Watcher ED80. Bereits beim AdW 35-2017 habe ich ein wenig über die Teleskope der Marke Sky-Watcher geschrieben, deren Esprit-Serie auf die Astrofotografie zugeschnitten wurde. Das hier verwendete ED80 wird, auf Grund seines relativ geringen Preises, liebevoll als „Volksapo“ bezeichnet. Marken wie Sky-Watcher haben in den letzten zehn Jahren maßgeblich dazu beigetragen, dass wieder vermehrt Linsenteleskope in der Astrofotografie eingesetzt werden. Mit einem relativ kostengünstigen Apochromaten, einer DSLR und einer reisetauglichen Montierung kann man heutzutage schon beachtliche Astrofotografien erzielen. Karsten Möller zeigt uns hier wie es geht.

Das Bild von IC 405 und IC410 ist ein Mosaik aus zwei Teilen, die jeweils im Hochformat aufgenommen wurden. Der Autor berichtet, dass es unterschiedliche Aufnahmebedingungen während der Aufnahmen gab, und somit die Qualität der Abbildung auch unterschiedlich ausfällt. Leider kann man das in Form eines Übergangs sehen. Das Erstellen von übergangslosen Mosaiken ist nicht trivial, und oft ist man dabei abhängig davon, wie gut die Bildbearbeitungssoftware arbeitet. Eine vielversprechende Software ist erst vor wenigen Wochen erschienen, und noch nicht sehr bekannt unter Astrofotografen. Der niederländische Astrofotograf Mabula Haverkamp hat die Software Astropixelprocessor entwickelt, die ihre Stärken insbesondere beim Erstellen übergangsloser Mosaike hat. Vielleicht ist diese Information für den ein oder anderen Astrofotografen interessant.

Karsten Möller schrieb uns, dass er das Mosaik noch erweitern möchte. Wir wünschen ihm für dieses Unternehmen das nötige Wetterglück, und gratulieren zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

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Koordinaten der Bildmitte (J2000.0):

RA = 05 h 18 min 27 s, Dec = 33° 48' 42''

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