39. Woche - Noch einmal: NGC 6946 und NGC 6939

 -  Astrofoto der Woche  - 

Die Scd-Galaxie NGC 6946 und der offene Sternhaufen NGC 6939 liegen im Grenzgebiet von Cepheus und Cygnus. Dieses Objektpaar ist bei Astrofotografen beliebt und zählt sicherlich zu den Standardobjekten. Die 87.000 Lj durchmessende Galaxie ist jedoch nicht einfach aufzunehmen, da sie durch die interstellare Materie der Milchstraße in ihrer Helligkeit merklich herabgesetzt wird. Daher sind die Belichtungszeiten auch nicht zu kurz zu wählen, um auch die lichtschwachen Details der Umgebung mit abzubilden. Während NGC 6946 etwa 19,2 Mio. Lj entfernt ist, gehört der NGC 6939 mit nur ca. 5700 Lj Entfernung unserer Milchstraße an, steht also sehr nahe im Vordergrund.

Vor 10 Wochen konnten wir dieses Objektpaar schon einmal als AdW vorstellen. Jürgen Beisser war der Autor. Heute bekommen wir dieses Motiv erneut zu bewundern, diesmal vom ungarischen Astrofotografen Lionel Majzik. Im Bild ist die Supernova 2017eaw gelb markiert. Das Bildfeld misst 61' x 46'. Norden ist oben, Osten links. Die Aufnahme entstand in drei Nächten, zwischen dem 15. und 25. August 2017. Aufnahmeort war Tapiobicske, Pest, Ungarn. Ein Newtonreflektor (Marke Sky-Watcher) von 150 mm Öffnung und 750 mm Brennweite diente als Aufnahmeteleskop, dazu kam eine DSLR Nikon D3300. Zur Bildverbesserung wurde ein 0,9-facher Komakorrektor verwendet. Bei ISO 800 wurde am 15.08. eine Stunde belichtet (6 x 10 min), am 23.08. zwei Stunden (12 x 10 min) und am 25.08. 3 Stunden (18 x 10 min). Alles befand sich auf einer Montierung SW NEQ-5 goto, die Nachführung geschah über eine ZWO ASI 120 MC. Insgesamt wurden 9 Darks, 13 Flats und 13 Bias angefertigt.

In NGC 6946 werden in den Spiralarmen junge blau leuchtende Sternentstehungsgebiete sichtbar, im Gegensatz zu den alten orangegelben Sternen in der Kernregion der Galaxie. Wer ein wenig genauer hinschaut und mit dem AdW von Jürgen Beisser vergleicht, stellt fest: Die HII-Regionen in NGC 6946 werden systembedingt von der DSLR kaum wiedergegeben. Dennoch ist das Bild sehr tief, was sich an den schwächsten äußeren Spiralarmen zeigt. Was zeigt das Bild außer der schönen face-on-Spirale und dem Sternhaufen sonst noch? Bei den Pixelkoordinaten (2660/1043) fällt die langgestreckte Zwerggalaxie KK 250 auf. Sie zählt ebenso zu den Begleitgalaxien von NGC 6946 wie KK 251 bei (2534/1293). Eine dritte – KK 252 nördlich von NGC 6939 – befindet sich gerade ein wenig außerhalb des Gesichtsfeldes. Östlich der Bildmitte, ein wenig südlich des hellen Sterns, erkennt man einen lichtschwachen Streifen. Ein Gezeitenschweif etwa, der von KK 250 stammen könnte? Nein, es ist auch kein Sternenstrom als Relikt einer akkretierten Zwerggalaxie. Vielmehr sehen wir hier ein Filament des galaktischen Zirrus. Das Filament ist deckungsgleich zu der Aufnahme von Jürgen Beisser. Bei den Pixelkoordinaten (338/1802) liegt östlich von NGC 6946 noch der orange leuchtende Kohlenstoffstern V778 Cyg mit einem sagenhaft roten Farbindex von B-V = 4,12 mag.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Das heutige AdW wurde 6 h mit einem für die Astrofotografie optimierten Newton belichtet. Herausgekommen ist eine entsprechend tiefe Aufnahme, die im Hintergrund noch ein paar Überraschungen parat hält, die andeutungsweise zu erkennen sind. Als Aufnahmekamera diente eine DSLR-Kamera Nikon D3300. Nikon-Kameras sind nach wie vor in der Astrofotografie nicht so weit verbreitet wie die Modelle von Canon. Auch andere Hersteller tun sich schwer, Canon in dieser Disziplin Konkurrenz zu machen. Was sind die Gründe dafür? Astrofotos werden im RAW-Format aufgenommen, welche dann in der Bildbearbeitungssoftware zu Farbbildern umgerechnet werden. Das RAW-Format soll gewährleisten, dass das Bild möglichst unbehandelt die Kamera verlässt und somit die bestmögliche Bildqualität herauskommt. Nun sind diese Rohbilder aber nicht wirklich Rohbilder, sondern sie werden bereits kameraintern vorbehandelt. Was dabei im Einzelnen geschieht, ist für den Fotografen nicht nachvollziehbar, die Kamerahersteller lassen sich hier nicht in die Karten schauen. In den Anfängen der Astrofotografie mit DSLRs produzierten Nikon-Kameras Fehler, die in der Astrofotografie nicht tolerierbar waren. So waren sie bekannt dafür, Sterne in den Bildern zu entfernen oder anzufressen (Star Eater). Das führte dazu, dass in der Astrofotografieszene ausschließlich Canon-Kameras verwendet wurden. In der Folge wurden Zubehör und Software überwiegend für Canon-Kameras zur Verfügung gestellt.

Das heutige AdW beweist, dass es heutzutage keinen Unterschied mehr macht ob man eine Nikon oder Canon Kamera für die Astrofotografie verwendet. Die kameraspezifischen Kennzahlen sprechen in den meisten Fällen sogar eher für Nikon. Zur Zeit stehen die Sony-Kameras in der Kritik, ungeeignet für die Astrofotografie zu sein. Wie sich die kamerainternen Algorithmen verändern, und ob das zu einer Verbesserung führt, bleibt abzuwarten.

Wir gratulieren Lionel Majzik zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Koordinaten von NGC 6946 (J2000):

RA = 20 h 34 min 52 s, DE = +60° 09' 13''

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